28.04.2017 18:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Auszeichnung
Preis für Bauernpfarrer und Sorge-Chrattä
Der Prix Agrisano geht heuer an den Bauernpfarrer Pierre-André Schütz und an den Verein Bäuerlicher Sorge-Chrattä.

Nach vierstündiger Sitzung der Landwirtschaftskammer (Laka) in Bern waren die meisten Versammlungsteilnehmer etwas ermattet. Spätestens als aber der Waadtländer Bauernpfarrer Pierre-André Schütz ans Rednerpult trat, waren wieder alle hellwach.  

«Ein sehr weiser Mensch»


Wortgewaltig analysierte der frischgekürte Gewinner des Prix Agrisano in der Kategorie der natürlichen Personen die Situation: «Der Landwirtschaftssektor zeigt die ganze Dekadenz unserer Welt auf. Eine Gesellschaft, welche diejenigen zerdrückt, die sie ernähren, ist in Gefahr.» Als Bauernpfarrer könne er die beiden Passionen seines Lebens, die Landwirtschaft und die Religion, verbinden. Er dankte dem Waadtländer Regierungsrat Philippe Leuba, der reformierten und der katholischen Kirche des Kantons Waadt und Prométerre für die Unterstützung.

SBV-Vizepräsidentin und Jurypräsidentin Christine Bühler lobte ihn: «Pierre-André Schütz hat seine Gaben und seine Lebensumstände wahrlich zum Blühen gebracht. Er hat immer schon zuerst an die Mitmenschen gedacht. Sein Werdegang hat ihm zu aussergewöhnlicher Weisheit und grosser Menschenkenntnis verholfen.» Schon seit vielen Jahren stehe er Bauernfamilien bei.

«Euch genügt eine Küche»

Es brauche viel Energie, sich Menschen zu widmen, die sich in scheinbar ausweglosen Situationen befänden. Als Bauernpfarrer schenke Schütz vielen Menschen Vertrauen, damit sie wieder Rückhalt und Boden unter den Füssen erhielten. Als Anerkennung dafür erhalte er den Prix Agrisano, der mit 5000 Franken dotiert sei.

In der Kategorie «Juristische Personen» ging der Prix Agrisano 2017 an den Verein Bäuerlicher Sorge-Chrattä. Dieser ist ein Sozialwerk für Bauernfamilien. Er leistet kurzfristig und unbürokratisch finanzielle Unterstützung in Notsituationen infolge Krankheit, Unfall, Unwetter oder bei anderen schwerwiegenden Ereignissen. Ueli Tobler begründete als Vizepräsident der Jury die Wahl wie folgt: «Ihr arbeitet ehrenamtlich und mit Herzblut und mit Humor. Ihr braucht kein grosses Büro, euch genügen eine Küche und ein grosses Herz.»  

Die finanziellen Mittel stammten dabei von Mitgliederbeiträgen und von kleineren und grösseren Spenden besonders aus dem bäuerlichen Umfeld. Tobler erwähnte besonders die Strickwaren, welche die Frauen vom Sorge-Chrattä vor Weihnachten versendeten. «Denn zu dieser Jahreszeit wird die Einsamkeit auf vielen Bauernhöfen erdrückend», sagte Tobler.

Geld kommt in die Kasse

Geehrt wurden die vier Frauen Berta Amgarten (Präsidentin), Lydia Fässler (Geschäftsführerin), Annamarie Wyrsch (Aktuarin) und Inge Schmid (Rechnungsrevisorin). Stellvertretend für die anderen sprach Amgarten: «Wir wollten eigentlich im Hintergrund bleiben, wo wir schon immer waren.» Ihr Engagement für die «Bauernfamilien, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen und schwere Schicksale zu tragen haben», wollen die Frauen fortführen. Deshalb würden sie auch die Preissumme von 15'000 Franken in die Vereinskasse legen. Agrisano-Geschäftsführer Christian Scharpf dankte der Jury und sagte, dass der Prix Agrisano für soziales und uneigennütziges Engagement weitergeführt werde. 

Für Infos, Kartenkauf, Gesuche, Angebote und Spenden an den Bäuerlichen Sorge-Chrattä wenden Sie sich an Lydia Fässler, Brülisauerstrasse 27, 9050 Appenzell, Tel.071 7991368. Bankverbindung: Raiffeisenbank Appenzell, CH75 8102 3000 0018 8901 0, Konto 90-1608-4. 

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