21.08.2018 13:56
Quelle: schweizerbauer.ch - Anita Merkt
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12 Esel und 10 Pferde auf der Reise
Unsere Bloggerin Anita Merkt lebt seit 15 Jahren als Journalistin in Zürich. Sie berichtet von ihren Erlebnissen während des Saumzuges von Sachseln nach Domodossola. Sie nimmt mit Eselin Alina am Saumzug teil.

Am Montag war der erste Tag, an dem es auf unserer Säumertour so richtig zur Sache ging. Das brachte auch kleinere Verletzungen mit sich. Von Giswil zogen wir mit unseren 12 Eseln und 10 Pferden am Lungerner See entlang in Richtung Brünigpass. Der alte Säumerweg kreuzt mehrmals die heutige Passstrasse. Kurz vor dem Pass stiessen wir auch auf das Bahngleis und gingen bis zur Passhöhe daran entlang.

Mit Vollgas den Berg hinauf

Ganz oben war es teilweise sehr unangenehm, weil wir mit den Pferden und Eseln zwischen dem Bahngleis und der Autostrasse laufen mussten. Aber es war auch speziell zu erleben, wie die drei Verkehrswege aus unterschiedlichen Epochen sich hier kreuzten.

Der Anstieg auf den Pass war gut zu bewältigen. Der Brünig zwischen Obwalden und Bern ist ja nur etwa 1000 Meter hoch. Einer unserer Pferdesäumer holte sich trotzdem eine Verletzung an der Ferse. «Unsere Suleika ist es gewohnt, sich bei einem Anstieg vor der Kutsche richtig ins Zeug zu legen. Das hat sie auch heute getan und ist richtig nach oben gestürmt», erzählt Freiberger-Züchter Andreas Meier.

Ross und Säumer verletzt

Da der Säumer immer vorausgeht, hat ihn die schwere Zuchtstute mit ihren Hufeisen zweimal an der Ferse erwischt. «Was das angerichtet hat, werde ich erst sehen, wenn ich die Schuhe ausziehe», lacht er. Mitten im Tross ging es einfach weiter. Dem Schmerz konnte er nicht allzu viel Aufmerksamkeit widmen.

Auch die trächtige Suleika hat ein erstes Blessürchen abbekommen: An einer Stelle am Rücken drückte der Sattel etwas zu fest. Damit das Gewebe nicht anschwillt, kühlt Meier es mit nassen Schwämmen.

Verliebte Alina drängte zu Hengsten

Ich hatte mit meiner verliebten Stute Alina vor allem zu kämpfen, wenn es bergab ging. Sobald sie die zwei Junghengste vor sich sah, wollte sie nur noch zu ihnen. Indem ich ihren Kopf hinter meinen Rücken drückte oder ihr den Säumerstock vor die Nase hielt und ihr energisch zuredete, konnte ich meistens hinter mir halten. Mein aufgeschlagener Zeh hielt sich unter dem Pflaster ganz gut. Weh taten mir schon während des Marsches vor allem die Zehen- und Zehengelenke.

Als wir in Meiringen auf dem Dorfplatz angekommen waren, riss ich mir die schweren Wanderschuhe von den Füssen und kühlte sie im Dorfbrunnen. Der Hund von Tanja, der die ganze Zeit auch noch vor und zurück gelaufen war, legte sich unter einen Wagen in den Schatten und rührte sich nicht mehr. Unsere Esel wälzten sich nach dem Abnehmen der Bastsättel auf der Nachtweide erstmal alle lustvoll im Gras. 

Unsere Bloggerin Anita Merkt lebt seit 15 Jahren als Journalistin in Zürich. Wenn sie frei hat, fährt sie am liebsten auf den Hof eines befreundeten Bauern im Oberwallis. Dort mistet sie den Geissenstall aus, hilft beim Heuen oder unternimmt mit dem Hofhund ausgedehnte Wanderungen. Zwischen Emd und Törbel ist Anita Merkt auch auf den Esel gekommen. Die Eseldame Daisy zieht das Heu des Bergbauern in der Plane zum Stall, der jüngere Esel muss noch lernen, sich nützlich zu machen. Im Juni absolvierte Anita Merkt den Säumerkurs der Säumer- und Trainvereinigung Unterwalden, die auch den Saumzug von Sachseln nach Domodossola organisiert.

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