2.09.2019 14:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Katrin Müller
Blog
140 Kälber machen Mühe
Für ein Austauschsemester fährt die Agronomie-Studentin Katrin Müller gemeinsam mit Freund Simon Küng nach Schottland. Zwei Monate wollen sie bauern, auf einem Betrieb mit 700 Milchkühen. Für schweizerbauer.ch berichten sie von ihren Erlebnissen. -> Mit Video

Vor einer Woche trieben mein Freund Simon, die Vollzeitangestellte Lorraine und ich die Kälber zum Stall. Grund: Gewichtskontrolle. Es wurde spannend. Ob alle 140 Kälber genug Gewicht erreicht haben, um auf den Aufzuchtbetrieb zu gelangen?

700 statt 1000 Milchkühe

Zuerst mussten alle Kälber zusammengetrieben werden. Denn die Weiden der Jungtiere werden nicht mehr unterhalten. Sie wurden vor einem Jahr von Michael Kyle, Manager und Inhaber der Linns Farm, verkauft. Der Betrieb besass zu viel Land für nur 700 Kühe. Denn ursprünglich war die Milchproduktion für 1000 Kühe ausgelegt.

Für diese Anzahl Tiere hätten diese Flächen aber zu intensiven Landwirtschaftsflächen aufgebessert werden müssen. Dies hätte sehr hohe Kosten verursacht, eine Deckung mit dem Milchgeld war aber nicht möglich. Glücklicherweise konnte die Linns Farm diese Weiden für die Kälber in diesem Jahr noch einmal pachten.

Aufforstung boomt

Nächstes Jahr sollen aber auf diesen Flächen 70 Hektaren Wald gepflanzt werden. Der Waldanbau in Schottland boomt. Sämtliche 200 Kälber werden nächste Saison auf dem zugepachteten Zweitbetrieb ausserhalb des Dorfes Dumfries grasen. Die dort höhere Grasqualität ist für die Jungtiere besser.

Betriebsspiegel

Die Linns Farm wird von Michael Kyle geführt. Er ist Inhaber und Manager. Neben der Vollzeitangestellten helfen auch drei Studenten mit. Die Linns Farm liegt in Dumfries. 700 Kühe der Rasse Kiwicross und Jersey grasen auf 380ha. Die Kühe sind das ganze Jahr draussen auf der Vollweide. Nur bei nassen Zeiten im Winter werden sie in einem offenen Laufstall gehalten.

Tageswanderung für die Kälber

Die nun teilweise stromlosen Zäune auf den gepachteten Weiden waren nicht vorteilhaft. Die Kälber verteilten sich nach Lust und Laune auf einer riesigen Fläche. Zum Zusammentreiben war dies nicht ideal. Zum Glück konnten wir auch dieses Mal die Quads benutzen. Zu dritt ging es dann aber schnell. 

Die Kälber sind sehr intelligent, nur dank schnellen Quads und geübten Augen waren die Tiere kontrollierbar. Nach 30 Minuten hatten wir alle Kälber zusammen. Auf gesicherten Kuhwegen trieben wir die Jungtiere sie anschliessend zum Stall. Für die rund 3 Kilometer lange Strecke benötigten wir rund eine Stunde. Beim Stall angekommen, ging es dann zackig. 

Gute Einrichtungen erleichtern Arbeit

Im langen Behandlungsraum wurde den Tieren von Simon Wurm- und Parasitenmittel auf den Rücken verteilt. Anschliessend wurden alle Kälber einzeln gewogen. Das Gewicht wurde zusammen mit der Ohrmarkennummer notiert. Dies war mein Job. 

Ein Ohrmarkennummern-Ablesegerät erleichtere mir die Arbeit erheblich. Denn jedes Tier hat einen elektronischen Chip im Ohr. Die korrekte sechsstellige Ohrmarkennummer wurde innerhalb einer Sekunde aufgezeichnet. 

Optimales Gewicht der Kiwicross-Kälber

Das Gewicht der sechs Monate alten Kälber schwankte zwischen 120kg und 160kg. Sie waren damit genug schwer für auf den Aufzuchtbetrieb. Auch ein krankes Kalb konnten wir aufspüren. Es brachte nur knappe 100kg auf die Waage. Das Jungtier litt an einer schweren Lungenentzündung. Das Tier wurde für einige Tage im Stall gehalten und vom Tierarzt behandelt. 

Das Zurücktreiben der Jungtiere auf die Weiden erfolgte anschliessend reibungslos.  Nur ein Kalb legte sich auf dem Weg nieder und machte eine kurze Pause, bevor es selber wieder aufstand und weiterlief.

Gute Teamarbeit zahlt sich aus

Einige Tage später wurden 140 Kälber mit einem Lastwagen auf den Aufzuchtbetrieb verbracht. Grund: Das Gras auf den Weiden war qualitativ zu wenig gut. Damit die Tiere aber weiterhin schnell an Gewicht zulegen, haben sie die Linns Farm verlassen. 

Dasselbe Prozedere mit dem Kälber zusammentreiben, wie beim Tag der Gewichtskontrolle, spielte sich am vergangenen Mittwoch ab. Die gute Zusammenarbeit mit meinem Freund Simon und der Vollzeitangestellten Lorraine zahlte sich aus. Auch Hofhund Bella half mit. Kälber, die stehen blieben, biss Bella sanft ins Bein. Die Kälber waren 15 Minuten schneller im Stall als am Tag der Gewichtskontrolle. Umso mehr konnten wir unsere längere Frühstückspause geniessen.

Über uns

Katrin Müller aus Bern-Liebefeld und ihr Freund Simon Küng aus Sumiswald BE absolvieren auf der Linns Farm ein Praktikum. Beide haben die landwirtschaftliche Lehre abgeschlossen und studieren an der Berner Fachhochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) Agronomie. Das erste Semester des zweiten Studienjahres absolvieren sie an der Scotland Rual College (SRUC) in Edinburgh. Beide sind grosse Naturfreunde und arbeiten gerne mit Tieren.

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