6.12.2017 12:52
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Solothurn
17 tote Rinder: Bauer angeklagt
Die vernachlässigten und teils verendeten Tiere auf einem Bauernhof in Boningen SO sorgten für erhitzte Gemüter. Die Solothurner Staatsanwaltschaft hat den Landwirt wegen Tierquälerei und Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz angeklagt.

Dem 55-jährigen Landwirt wird vorgeworfen, von etwa Anfang 2015 bis Ende Mai 2016 insgesamt 26 Rinder vernachlässigt zu haben. 17 Tiere seien auf qualvolle Weise gestorben, teilte die Solothurner Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. 9 Tiere haben den Vorfall überlebt. Diese wurden auf einen anderen Hof zu einem jungen Bauern gebracht. Dort fühlten sich sichtlich wohl mit Aussenfressplatz, Futterraufe, tief eingestreuten Liegeboxen unter dem Vordach, eingestreute Liegeflächen in der Scheune und viel frischer Luft, wie ein Video von schweizerbauer.ch zeigte.

Sehr abgemagerte Tiere

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den Bauern sind schwerwiegend. Dem 55-jährigen Landwirt wird vorgeworfen, von etwa Anfang 2015 bis Ende Mai 2016 zu wenig und zu wenig ausgewogenem Futter versorgt zu haben. Obwohl sich der Gesundheitszustand verschlechterte, habe er keinen Tierarzt zugezogen, so die Staatsanwaltschaft. Zudem seien die toten Rinder nicht fachgerecht entsorgt und der Tierarzt nicht unverzüglich über den Tod der Tiere informiert worden.

Wie die Nachrichtenagentur SDA berichtet, erfolgt die Anklage im abgekürzten Verfahren. Der Landwirt und Staatsanwaltschaft auf eine Strafe geeinigt haben. Das zuständige Gericht wird den Fall daher nur kurz beraten und entscheiden, ob die vereinbarte Strafe ausreichend ist.

Nervengift Botulinum Neurotoxin


Ende Mai 2016 hatten die Solothurner Kantonspolizei und der Veterinärdienst mehrere tote Rinder vorgefunden. Ein weiteres Tier wurde wegen seines kritischen Zustandes durch den Veterinärdienst eingeschläfert. Laut eines verwaltungsinternen Untersuchungsberichts des Kantons wurde im Stall das tödliche Nervengift Botulinum Neurotoxin C/D nachgewiesen. Entstanden sei das Gift durch einen nicht korrekt entsorgten Tierkadaver. Über das Futter haben die Rinder das Gift in der Folge aufgenommen.

Ein Augenschein durch die Zeitung „Schweizer Bauer“ von Anfang Juni 2016 zeigte sehr abgemagerte Tiere. Im Vergleich zur Hornlänge und Dicke waren einige Rinder höchstens halb so schwer wie dies selbst bei einer eher restriktiven Fütterung der Fall sein müsste. Ein dreijähriger Stier wog höchstens 250 Kilo. Die Tiere konnten sich in der Folge wieder erholen.

Im Sinne einer verwaltungsrechtlichen Massnahme wurde ein Tierhalteverbot auf unbestimmte Zeit gegen den Bauern verfügt. Ihm wird die Haltung von sämtlichen Nutztierarten, namentlich von Klauen- und Huftieren sowie Geflügel, verboten.

Behörden in der Kritik

In die Kritik kamen auch die Behörden. Anwohner haben immer wieder über Missstände auf dem Hof berichtet. Das Veterinäramt hatte im Februar 2016 den Betrieb kontrolliert, aber keine Mängel festgestellt. Die Kontrollen seien mangelhaft gewesen. Bereits vor 2014 haben Anwohner mit Bildmaterial auf Missstände in der Tierhaltung auf dem Hof hingewiesen. Die Tiere wiesen Haarausfall und Klauenprobleme auf.

Die zuständige Regierungsrätin Brigit Wyss (Grüne) sagte im Parlament, es werde nichts versteckt. Die Verwaltung habe richtig gehandelt und sich an die bestehenden Gesetze gehalten. Auch ein verwaltungsinterner Untersuchungsbericht kamen zu diesem Schluss. Gemäss Kantonstierärztin Doris Bürgi Tschan wird künftig der Tierverkehr in der Tierverkehrsdatenbank nachgeprüft, und die Mängelbehebung wird durch Kontrollorgane oder einen Tierarzt verifiziert.

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