Freitag, 17. September 2021
14.08.2013 08:21
Geschichte

1933: Als die Luzerne aus Kanada kam

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Von: Werner Lenzin

Wie waren die Sommer früher? Der 90-jährige Bauer Jakob Heer weiss von drei heissen Sommern zu berichten.

Am 27. Juli dieses Jahres feierte Jakob Heer im Innenhof des Hohen Hauses zusammen mit Verwandten, Freunden und Nachbarn den 90. Geburtstag. Dieses Jahr kann das «Höchhus», das der Konstanzer Domherr Salomon Buchhorner 1613 erbauen liess, ebenfalls einen geraden Geburtstag feiern, nämlich den 400. 

In diesem ungewöhnlich hohen Gebäude, das aufgrund eines Besitztums des Domstifts ins Jahr 1155 zurückgeht, ist Jakob Heer geboren, aufgewachsen, und hier hat er auch bis vor Kurzem gewohnt. Seine Vorfahren haben die Liegenschaft vor 150 Jahren erworben. Im ehemaligen Verwaltungszentrum für die ganze Region zog man einst den Zehnten ein und verwaltete ihn. Nachdem sein Sohn Herbert mit Frau Tatjana in fünfter Generation den Hof vor Jahren übernahm, lebt Jakob Heer zusammen mit Gattin Rosmarie nun im nahe gelegenen Stöckli, dem Wohnhaus der Dorfschmiede aus früheren Zeiten.

Luzerne aus Kanada

Bedeckt von Wolken, wirft die Sonne ihr schwaches Licht auf die Gegend rund um das Hohe Haus, wo vor 80 Jahren kein grüner Halm zu finden war. «Mit 39 Grad Celsius und einer dreimonatigen Trockenzeit ohne einen Tropfen Regen war 1933 der heisseste Sommer, den ich erlebt habe», erzählt der betagte Bauer.

Er sitzt vor seinem Stöckli, blickt hinauf zu «seinem» Hohen Haus und sinniert: «Damals litt ganz Europa unter der Dürre, es gab kein Emd, und die ganze Einsaat Kartoffeln verdorrte.» Heer erinnert sich, dass dank der Unterstützung des Bundes kanadische Luzerne, eine der trockenheitstolerantesten Futterpflanzen mit einem hohen Eiweissgehalt, mit dem Schiff nach Hamburg und von dort mit dem Zug nach Märstetten gebracht wurde.

«Die Luzerne war zu kleinen Ballen gepresst, und das Futter war so hart, dass man daran die Hände verletzen konnte.» Mit Pferd und Wagen hatte er das karge Futter am Bahnhof abgeholt und  es zum Hohen Haus transportiert.

Kein Futter für die Tiere

Laut Heer war der Sommer 1937 auch sehr heiss. Damals gab es noch Heu, aber kein Emd, und die Einsaat verdorrte. «Auch 1939 gab es einen heissen Sommer ohne viel Regen, und damals fütterten wir den Kühen alles Mögliche wie Äpfel und Rüben», weiss Jakob Heer. Er lächelt vor sich hin: «Im Winter hatten wir dann keine Rüben mehr und fütterten den Kühen das, was sie im Sommer nicht gefressen hatten.»

Der ehemalige Bauer des Hohen Hauses hält inne, er kann sich nicht erinnern, dass es seither jemals wieder so lange Trockenperioden gegeben hat. Und wie steht es mit dem Bewässern? «Während des Krieges habe ich 1941 den ersten Kran gesehen, und bewässern können wir auf unserem Hof erst seit einigen Jahrzehnten», sagt Jakob Heer.

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