16.07.2019 07:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Ernährung
820 Millionen haben Hunger
Jeder neunte Mensch weltweit leidet nach Schätzungen der Vereinten Nationen an Hunger. Die Anzahl sei 2018 zum dritten Mal in Folge gestiegen, heisst es in einem am Montag in New York veröffentlichten Bericht.

Rund 821,6 Millionen Menschen weltweit litten demnach an Hunger, 2017 waren es noch 811,7 Millionen gewesen. Vor 2015 war die Zahl jahrelang gesunken, 2005 hatte sie noch bei 947,2 Millionen gelegen. Der Report wurde von verschiedenen Organisationen der Vereinten Nationen erstellt, darunter das Kinderhilfswerk Unicef, die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Welternährungsprogramm (WFP) und die Organisation für Nahrung und Landwirtschaft (FAO).

Mehr Hunger in Afrika

Besonders stark erhöhte sich die Anzahl der unter Hunger leidenden Menschen zuletzt in Afrika. «Hunger ist in nahezu allen Regionen Afrikas auf dem Vormarsch», heisst es in dem Bericht. In Südamerika und der Karibik steige die Zahl der Unterernährten, wenn auch langsamer. Westasien sei eine weitere Problemregion.

Hunger nehme in vielen Ländern zu, in denen das Wirtschaftswachstum zurückbleibe, besonders in Schwellenländern und in Ländern, die stark vom internationalen Warenhandel abhingen, erklärte Unicef. Die Welthungerhilfe verwies darauf, dass Kriege und Klimawandel Hunger verschärften. Die Autoren riefen deswegen alle Länder dazu auf, mit sozialen Massnahmen für wirtschaftlich schwächere Phasen vorzusorgen.

Neue Kategorie: gefährdete Versorgung

Neben etablierten Indikatoren für Hunger und Unterernährung nutzte der Bericht erstmals auch eine alternative Methode zur Ermittlung der Zahl von Menschen mit gefährdeter Nahrungsmittelversorgung. Demnach war 2018 insgesamt für zwei Milliarden Menschen der Zugang zu ausreichender Nahrung nicht garantiert, darunter auch acht Prozent der Bevölkerung in Nordamerika und Europa.

Etwa 1,3 Milliarden Menschen waren dieser Methode zufolge zumindest zeitweise aus Geldmangel oder anderen Gründen nicht in der Lage, sich mit Essen in ausreichender Menge oder Qualität zu versorgen. Bei weiteren rund 700 Millionen Menschen war dies in einem Ausmass der Fall, dass sie Hunger im engeren Sinne litten und einen oder mehrere Tage ohne Essen auskommen mussten. Insgesamt bedeutete dies, dass ein Viertel der Weltbevölkerung (26,4 Prozent) betroffen war.

Angesichts dieser Trends sprachen die Uno-Organisationen von einer «gewaltigen Herausforderung», den Hunger auf der Welt bis 2030 zu besiegen. Dieses Ziel hatte sich die Weltgemeinschaft 2015 in der sogenannten Agenda für nachhaltige Entwicklung 2030 selbst gesetzt. Zugleich verwies der Bericht aber auch auf positive Entwicklungen. So gab es in Südasien bei der Hungerbekämpfung grosse Fortschritte.

Auch Übergewicht wachsendes Problem

Auf der anderen Seite weist der Uno-Ernährungsbericht aber auch auf das Problem zunehmenden Übergewichts hin. Fehlernährung in Form von Übergewicht sowie Fettleibigkeit sei in nahezu allen Regionen ein wachsendes Problem, hiess es. Besonders gravierend sei dieser Anstieg unter Kindern und Jugendlichen, die zur Schule gingen.

Übergewichtig waren 2018 demnach 338 Millionen Schulkinder und Heranwachsende; 672 Millionen Erwachsene galten als fettleibig. Weltweit werde Übergewicht mit vier Millionen Todesfällen in Verbindung gebracht, hiess es in dem Bericht.

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