25.10.2016 15:56
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Umwelt
Abwasserreinigung mit Ozon problematisch
Um Spurenstoffe wie Arzneimittelreste künftig besser aus Abwässern zu entfernen, sollen einige Kläranlagen bald einen zusätzlichen Ozonungs-Schritt durchführen. In bestimmten Fällen könnte dabei jedoch krebserregendes Bromat entstehen, wie Forschende der Eawag berichten. Der neue Reinigungsschritt mit Ozon eignet sich für die meisten kommunalen Abwässer, um Spurenstoffe effizient zu entfernen. Bei einem gewissen Anteil industriellen Abwassers könnte es aber zum Problem werden.

Und zwar, wenn es stark mit Bromid verschmutzt ist. Durch die Ozonung kann dann nämlich das potenziell krebserregende Bromat entstehen und in Seen und Flüsse gelangen, wie die Forschungsanstalt Eawag mitteilte.

Eawag-Forschende um Urs von Gunten haben nun berechnet, wie die Bromatkonzentrationen in verschiedenen Gewässern der Schweiz ansteigen könnte, nachdem ausgewählte Kläranlagen mit einem Ozonungs-Schritt ergänzt werden. Problematisch könnte es insbesondere für kleinere Gewässer werden, schrieb die Eawag.

Wenig Anstieg in grossen Flüssen

Normalerweise liegt die Bromatkonzentration in Schweizer Gewässern unter der Nachweisgrenze von 0,25 Mikrogramm pro Liter. Der offizielle Grenzwert für Trinkwasser liegt bei 10 Mikrogramm pro Liter.

Laut der Studie der Eawag wird die Konzentration in grossen Flüssen auch nach der Ausstattung der Abwasserreinigungsanlagen mit Ozonung nur wenig ansteigen. Für den Rhein bei Basel berechneten die Forscher um Urs von Gunten eine Zunahme um 0,35 Mikrogramm pro Liter, für die Rhone bei Genf um 0,27.

Anders sieht es für kleinere Gewässer aus. Dort könne es zu Belastungen kommen, die die Trinkwassernutzung infrage stellen, so die Einschätzung der Forscher. In jedem Fall gelte es, die Bromatbildung sorgfältig abzuklären. Stellt sich die Ozonung in gewissen Fällen als zu grosse Belastungsquelle heraus, könne man stattdessen auf eine Reinigung mit Aktivkohle setzen.

Trinkwasser- und Umweltschutz

Der Ausbau von Abwasserreinigungsanlagen mit dem Ozonungs-Schritt hat das Ziel, Lebensmittelzusatzstoffe, Arzneimittelwirkstoffe und andere Spurenstoffe besser aus Abwässern zu entfernen. Dadurch sollen die Trinkwasserressourcen und die Umwelt geschützt werden. Ausserdem soll die Menge an Spurenstoffen reduziert werden, die aus der Schweiz über Gewässer in Nachbarstaaten abgeleitet werden.

Geplant ist die Neuausstattung der grössten Kläranlagen und solcher in Einzugsgebieten von Seen und Flüssen mit hohem Abwasseranteil. Die Auswahl der Anlagen liegt bei den Kantonen. Wichtig sei, vorher abzuklären, ob sich das Abwasser für die Ozonung eigne, betonen die Forschenden in einem Artikel in «Aqua & Gas», dem Fachmagazin der Schweizer Gas- und Wasserbranche.

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