Freitag, 20. Mai 2022
17.01.2022 11:15
Forschung

Ältester Nachweis für die Zucht von Hybrid-Tieren

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Von: mgt/mge

Schon bevor domestizierte Pferde vor rund 4.000 Jahren in Mesopotamien eingeführt wurden, züchteten die Menschen dort Huftiere, die sie vor Kriegswagen und Pflüge spannten und für diplomatische und zeremonielle Zwecke einsetzten: sogenannte Kungas. Die genetische Abstammung dieser eselartigen Tiere war allerdings bislang unklar. DNA-Analysen von Kunga-Skeletten aus Syrien zeigen nun: Bei den Kungas handelte es sich um eine Kreuzung aus weiblichen Hauseseln und männlichen Wildeseln. Sie stellen somit die ältesten vom Menschen gezüchteten Hybriden dar.

Im Laufe der Geschichte häben Pferde und weitere Equiden eine Schlüsselrolle für die Entwicklung von Kulturen, aber auch der Kriegsführung gespielt, heisst es in einem Bericht von wissenschaft.de. Ein rund 4.500 Jahre altes sumerisches Mosaik belege, dass die Sumerer bereits zu dieser Zeit Kriegswagen auf dem Schlachtfeld nutzten, die von pferdeartigen Tieren gezogen wurden. Hauspferde wurden allerdings erst rund 500 Jahre später in dieser Region eingeführt.

Keilschrift-Tontafeln aus der Zeit erwähnen sogenannte Kunga, prestigeträchtige Huftiere, die rund sechsmal teurer waren als die damals üblicherweise eingesetzten Hausesel. Worum genau es sich bei den Kungas handelte, war allerdings lange umstritten.

Alte DNA von Eseln, Pferden und Verwandten

Ein Team um Andrew Bennett von der Universität Paris hat dieses Rätsel nun aufgeklärt. Dazu untersuchten die Forscher die alte DNA aus 25 Skeletten von Pferdeartigen, die in dem 4.500 Jahre alten herrschaftlichen Grab Tell Umm el-Marra in Nordsyrien gefunden wurden. Die Form der Skelette war zwar pferdeartig, passte aber weder zu Pferden, Eseln noch zu den in der Region wild lebenden Onagern. Schon früher hatten Paläontologen daher angenommen, dass es sich um die rätselhaften Kunga handeln könnte.

«Um zu klären, ob die Gräber von Tell Umm el-Marra tatsächlich die Überreste der politisch und symbolisch wichtigen Kunga enthielten und um den taxonomischen Status dieser Tiere zu bestimmen, untersuchten wir die Genome in Proben dieser Skelette und verglichen sie mit weiteren Equidenproben», erläutern die Forscher.

Als Vergleich dienten ihnen zum einen die Genome domestizierter Esel und Pferde, zum anderen sequenzierten sie auch das Genom von ausgestorbenen Wildeseln, die damals in der Region heimisch waren. Um Mutter und Vater der untersuchten Tiere zu identifizieren, hätten sich Bennett und seine Kollegen auf die mitochondriale DNA fokussiert, heisst es weiter. Diese werde ausschliesslich von der Mutter weitergegeben, sowie auf das Y-Chromosom, das vom Vater stamme.

Vorteile beider Elterntiere kombiniert

Das Ergebnis: Bei den Kunga handelte es sich um Kreuzungen zwischen weiblichen Hauseseln und männlichen syrischen Wildeseln, die Anfang des 20. Jahrhunderts ausgestorben sind. «Damit haben wir den ältesten Nachweis für die Zucht von Hybrid-Tieren dokumentiert», schreiben die Forscher. Der bisher älteste nachgewiesene von Menschen gezüchtete Hybride war ein Maultier, das etwa 1000 bis 800 vor Christus in Anatolien gezüchtet wurde.

Ebenso wie Maultiere und Maulesel, die aus der Kreuzung von Pferd und Esel entstehen, waren auch die Kunga wahrscheinlich nicht fortpflanzungsfähig. Um Kunga zu züchten, mussten also jedes Mal männliche Wildesel eingefangen und mit weiblichen Hauseseln verpaart werden.

Kräftiger und schneller

Die in der Grabstätte erhaltenen Knochen deuten darauf hin, dass die Kunga kräftiger und schneller als Hausesel waren. Die Sumerer nutzten durch die Hybridzüchtung offenbar die Vorteile beider Elterntiere: die Kraft und Schnelligkeit der Wildesel, verbunden mit der besseren Kontrollierbarkeit der Hausesel. Die in der Region lebenden Wildpferde zähmten sie hingegen nicht.

Vor etwa 4.000 Jahren wurden allerdings Hauspferde aus der pontischen Steppe in die Region eingeführt. Da sie leichter zu reproduzieren waren und ähnlich gute Eigenschaften boten, verdrängten sie in der Folge die Kunga. In zukünftigen Studien wollen die Forscher weitere Equiden aus ähnlichen räumlichen und zeitlichen Kontexten untersuchen, um das Ausmass der Hybridzucht der Sumerer besser zu verstehen.

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