12.09.2018 11:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Alpabfahrt über Baustelle
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten.

Freitagmorgen, 5.20 Uhr, der Wecker klingelt: Töbu und die Lehrtochter Ariane gehen in den Stall. Ich widme mich den Hausarbeiten und korrigiere eine Kompetenzüberprüfung der Schüler. Wie immer kommt Michi, er leistet den letzten Tag Zivildienst bei uns, um halb acht mit dem Bus und gesellt sich zu uns zum Frühstück.

Fahrstunden mit dem Viehtransporter

Nach den Stallarbeiten brechen wir auf in Richtung Alp auf. Heute sollen die restlichen sechs Galtkühe nach Hause transportiert werden. Töbu begleitet Ariane beim Traktorfahren mit dem Viehtransporter. So kann sie an Routine gewinnen und bald schon selber fahren. Michi und ich fahren mit dem Jeep.

Sickerleitung und Bagger

Auf der Baustelle angekommen, zeigt sich unser Vorhaben als nicht ganz einfach. Genau beim alten Weg wird momentan die Sickerleitung verbaut. Ganz oben auf der neuen Strasse, die Bauarbeiten sind mittlerweile auf unserem Boden angelangt, steht der Bagger und erschwert den Einstieg in die Strasse. 

Über die mehrere Meter hohen und sehr steilen Böschungen können wir die Tiere nicht treiben. So erstellen wir einen trichterförmigen Zaun beim Bagger, wo die Kühe unter dem Baggerarm durch in die Strasse marschieren müssen.

Stockdicker Nebel

Das Wetter zeigt sich auf der Pfidertschegg noch viel garstiger als in Fahrni. Es hat stockdicken Nebel, wir sehen keine zehn Meter weit. Die Kühe zu finden ist nicht ganz einfach, jedoch machbar. Ich glaube, dass auch die Tiere dieses Wetter nicht mögen, denn die Galtkühe mussten wir nicht zwei Mal bitten. 

Sie trotten los, als würden sie dies täglich tun. Auch der Zaun mitten über den alten Weg scheint sie wenig zu verunsichern. Sie heben ihre Schwänze und galoppieren die Weide runter zum Bagger. 

Neue Strasse wird eingeweiht

Die heikle Stelle beim Bagger zeigt sich als echte Mutprobe. Zum Glück ist die Kuh Isolde so neugierig und zeigt den anderen den Weg. Die neue Strasse traben sie runter, als hätten sie noch nie etwas anderes gemacht. Für mich ist dies ein magischer Moment. 

Ein jahrelanger Traum, an dem sich schon Töbus Vater die Zähne ausgebissen hat, wird realisiert. Ich bin total glücklich und auch erleichtert, denn die Bewirtschaftung der Alp wird durch die passierbare Zufahrtsstrasse deutlich erleichtert.

Unfallfreier Transport


Da wir unsere Tiere mehrmals jährlich in den Viehtransporter verladen müssen, sind sie es sich gewohnt. Töbu bringt sie unfallfrei nach Fahrni, wo sie die Ökofläche von unserem Betriebspartner abgrasen können.

Schätzung des amtlichen Werts

Nach dem Mittagessen wird der amtliche Wert des neuen Stalls durch eine Fachperson geschätzt. Anschliessend gehen wir Äpfel und Birnen einsammeln. Wir wollen sie später als Süssmost konsumieren. Und dann ist es schon Zeit fürs Zvieri und somit für einen Abschied.

9 Wochen Zivildienst

Michi hat seinen letzten Arbeitstag bei uns. Die neun Wochen Zivildienst sind wie im Flug an uns vorbei gestrichen. Am Montag wird er das Studium beginnen. Es war eine schöne Zeit, in der er uns viel Arbeit, die ständig liegen geblieben ist, abgenommen hat. 

Mit seiner humorvollen und motivierten Art, hatten wir stets etwas zu lachen. Ich freue mich schon auf nächsten Sommer, wenn die Welt nicht stehen bleibt, wird er wieder einen Einsatz bei uns leisten.

Stallfrei und Ausgang

Die Stallarbeiten erledigen Onkel Kurt und Ariane. So können Töbu und ich andere Dinge erledigen. Um 18 Uhr, Ariane hat gerade Feierabend, werden wir abgeholt. Wir haben Tickets für das Hoftheater in Heilligenschwendi. Eine Theatergruppe geht fast schweizweit von Hof zu Hof ihr Stück aufspielen. Für mich ist es eine gelungen Abwechslung, die ich sehr geniesse.

Unser Betrieb

Auf unserem Hof leben im Sommer zirka 25 Kühe (im Winter zirka 40 Kühe), 30 Rinder und 15 Kälber. Der Talbetrieb liegt im Bach, Gemeinde Fahrni. Hier produzieren wir auch das Futter für den Winter. Den Sommer, rund 100 Tage, verbringen wir auf der Alp Fiedersegg im Eriz. Die Tiere grasen nachts auf der Weide. Tagsüber sind sie im Stall, wo sie sich ausruhen können und vor Insekten und der Hitze geschützt sind.

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