16.08.2016 09:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Alpblog: „Ds Ämd booget nid“
Esther Schneiter bloggt wieder. Im Winter 2014-2015 bloggte sie - noch unter ihrem ledigen Namen Siegenthaler - von Neuseeland aus. Letzten Sommer bloggte sie über den Alpsommer in Meienfall im Diemtigtal BE. Nach ihrer Heirat ist sie diesen Sommer mit ihrem Mann auf der Alp Fiedersegg in Horrenbach BE.

Endlich, der Sommer ist da. Zwar ist auf den Alpen bereits der Herbst eingekehrt. Das Gras verfärbt sich langsam gelb, die Kühe geben noch weniger Milch, die Tage sind bedeutend kürzer als Ende Juni und wir packen bereits erste Dinge für die „Alpabfahrt“ zusammen.

Na ja, Alpabfahrt ist deutlich übertrieben. Am kommenden Montag transportieren wir die laktierenden Kühe, 10 Tiere sowie ein Rind, welches bald abkalbt, in den Talbetrieb. Die Galtkühe werden je nach Kalbedatum nach Fahrni geführt. Bei den Rindern ist der Zügeltermin von der Witterung und dem Gras abhängig.

Fachsimpeln über Traktoren-Karawane

Während es auf der Pfidertschegg „herbstelet“, geben wir bei der Ernte noch einmal Vollgas. Das Stroh, welches wir ab Feld kaufen, wurde gepresst. Das Korn haben wir in die Mühle gebracht. Dies gab bei einigen Bauern, welche uns beobachteten, viel zu fachsimpeln.

Schneiters mit beiden New Holland-Traktoren und gemieteten Wagen als Karawane in Richtung Mühle fahren, gibt es nicht täglich zu sehen. Zumal wir in diesem Jahr kein eigenes Gewächs angepflanzt haben und das Kraftfutter nicht von der Mühle beziehen.

Bühne fast voll

Am Sonntag führten wir ein weiteres Mal Emd sowie einen dritten Schnitt ein. Töbu ging davon aus, dass die Bühne anschliessend gefüllt sein wird. Da nun aber das Futter weniger „booget“ als das Heu, können noch zirka vier Ladewagenladungen platziert werden. Ich bin eher traditionell aufgewachsen, und so war auch die Sprache bei meinen Eltern.

Viele alte Wörter wie „ä Chloos“ (Holzstück, um die Bergseile bei der Krippe zu befestigen) kennt Töbu schon gar nicht mehr. Doch als er im Juni von „Ds Höi booget“ berichtete, verstand ich nur Bahnhof. Gemeint ist, dass das Heu viel Raum einnimmt und sich auf dem Heustock nur wenig senkt. 

Erneut Gämsblindheit

Sämtlichen Tieren geht es sehr gut. Wir haben dieses Jahr „gfehu“ (Glück) und haben keine grösseren Krankheiten oder gar einen Ausfall zu verzeichnen. Am vergangenen Donnerstag sah ich jedoch ein leicht getrübtes und tränendes Auge. Ein klarer Fall von Gämsblindheit.

Gerade im Herbst, wenn der Wind weht, die Sonne scheint und die Fliegen noch aktiv sind, tritt diese Augenentzündung in höher gelegenen Weiden auf. Dieses Rind war schon im Frühjahr betroffen. Der Tierarzt hat noch nie erlebt, dass bereits im Mai in Fahrni auf einer Höhe von rund 800 Meter über Meer ein Tier an Gämsblindheit erkrankt ist. Nun halten wir das Rind im Kuhstall in der dunkelsten Ecke und salben das Auge mehrmals täglich.

Feldtage in Spiez

Nebst dem Teamtag in der Schule und den vielseitigen Arbeiten auf dem Betrieb war ich auch für den „Schweizer Bauer“ unterwegs. Zugegeben, von Maschinen verstehe ich wenig. So war ich froh, dass mich Töbu im Vorfeld über das Wichtigste an den Feldtagen von Sepp Knüsel informierte.

Besonders Eindruck machte mir das Frontmähwerk „Tornado“. Trotz der tiefen Drehzahlen ist die Schnittqualität top. Auch der Bandschwader Respiro ist sehenswert. Jedoch in hügeligem und steilerem Land ist dieser nicht einsetzbar.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE