30.08.2016 10:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Alpblog: „Du Chef, das närvt mi itz de bau!“
Esther Schneiter bloggt wieder. Im Winter 2014-2015 bloggte sie - noch unter ihrem ledigen Namen Siegenthaler - von Neuseeland aus. Letzten Sommer bloggte sie über den Alpsommer in Meienfall im Diemtigtal BE. Nach ihrer Heirat ist sie diesen Sommer mit ihrem Mann auf der Alp Fiedersegg in Horrenbach BE.

Am 22. August hiess es für die zehn laktierenden Kühe und einem trächtigen Rind Abschied nehmen. Bereits nach dem Melken, als wir sie aussortierten, wollte Delta nicht mitgehen. Beim Hinuntertreiben zum Parkplatz, wo der Traktor mit dem Viehtransporter parkiert war, gab es echten Widerstand von den älteren Kühen.

Sie hielten uns auf Trab und wollten immer wieder hoch zum Stall. Töbu meinte, dass dies bei schönem Wetter normal sei. Bei Regen würden die Kühe jeweils lieber in den Talbetrieb gehen.

Beim Transport ging alles gut

Mitten im Steilhang ist das eiserne Gatter, welches die March zwischen dem hinteren Zugschwand und der Fiedersegg bildet. Kaum hatten wir das Gatter passiert, trotteten die Kühe gehorsam runter. Auch das Verladen in die Viehbänne sowie der Transport, wie mussten zwei Mal fahren, verlief problemlos. Am Abend holten wir die Hühner und Kälber nach Fahrni. Wir sind froh, dass die Tiere nach einem guten Sommer gesund wieder auf dem Talbetrieb angekommen sind.

Erstes Kalb der Saison

In der Nacht auf Freitag kalbte das Rind, welches wir mit den Kühen nach Fahrni transportierten. Ein wunderschönes Kuhkalb erblickte das Licht der Welt. So startet man gerne in die Kälbersaison. Bis zum Neujahr erwarten wir 18 weitere Kälber. Hoffentlich sind alle so munter wie Katja.

Ferienkinder übers Wochenende

Übers Wochenende durfte ich drei Kinder meiner Cousine hüten. Sie haben das Kälbchen Katja getauft. In diesem Jahr werden alle Kuhkälber mit dem Anfangsbuchstaben K getauft. Langsam geht unsere Fantasie mit schönen Kuhnamen dem Ende zu, die Mithilfe der Kinder ist daher sehr willkommen.

Umbauarbeiten

Den ganzen Samstag verbrachten wir mit hämmern, schaufeln und pickeln. Corinne, die Mutter von Töbu und ihr Mann, Thomas, halfen uns wieder bei den Umbauarbeiten fürs Badezimmer. Im Kälberstall war ein alter, morscher und kaputter Bretterboden zu entfernen. Unter diesem Boden kamen zweiter, dritter und sogar noch ein vierter Boden hervor.

Die Generationen zuvor haben bei der Reparatur der defekten Bretter immer eine neue Lage darüber genagelt. Nun musste dieser „Vierfachboden“ raus, so dass der Schutt von der Küche Platz findet und wir ihn später betonieren können.

Kinder helfen mit

Die Kinder spielen teilweise „Rössli“ oder „Chueli“ im leeren Kuhstall oder halfen bei den Bauarbeiten mit. Thomas versetzte die Türe und musste hierzu die Balken neu abstützen und somit viele Nägel einschlagen. Dem kleinen Rino, er ist drei Jahre alt, war der Lärm zu viel. So stand er breitbeinig vor Thomas hin und sagte: „Du Chef, das närvt mi itz de bau!“ Unsere Reaktion muss ich wohl nicht beschreiben.

Abkühlung an der Zulg

Anfang Sommer habe ich Töbu mal gesagt, dass ich keine zweite so arbeitsintensive Woche überstehe, wie es die letzte gewesen wäre. Seither ist es meist noch intensiver geworden. So auch vergangene Woche. Kühe zügeln, ein weiteres Mal Futter für den Winter konservieren, unterrichten, unser „Hochzeitsfest“ vorbereiten, umbauen, und, und, und…

Momentan läuft unglaublich viel. Das meiste davon ist eine Bereicherung. Diese Erfahrungen bringen uns weiter und lässt uns effizienter werden. Dennoch geniessen wir es, wenn es zwischendurch etwas ruhiger wird. Wie beispielsweise am Sonntag. Wir haben an der Zulg mit den Kindern ein Feuer gemacht, Cervelats gebrätelt, Staumauern gebaut, gebadet und einfach das herrliche Wetter, die Ruhe und die Zufriedenheit genossen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE