13.09.2016 06:10
Quelle: schweizerbauer.ch -
Blog
Alpblog: „Kein Baum wächst in den Himmel!“
Esther Schneiter bloggt wieder. Im Winter 2014-2015 bloggte sie - noch unter ihrem ledigen Namen Siegenthaler - von Neuseeland aus. Letzten Sommer bloggte sie über den Alpsommer in Meienfall im Diemtigtal BE. Nach ihrer Heirat ist sie diesen Sommer mit ihrem Mann auf der Alp Fiedersegg in Horrenbach BE.

Am Sonntag, 3. September, haben wir jedes Rind einzeln kontrolliert. Augen, Beine und Euter. Drei mussten wegen Gämsblindheit oder Grippeli behandelt werden. Am Dienstag, ich hatte Sporttag und war nicht auf der Fiedersegg, berichtete mir Töbu, dass ein trächtiges Rind Gämsblindheit in fortschgeschrittenem Stadium habe. Es sei nun im Kuhstall in der dunkelsten Ecke. Am Sonntag war dieses Rind noch gesund!

Rasante Verschlechterung

Obwohl Töbu am Mittwoch den ganzen Tag auf der Fiedersegg „Lische“ mähte und das Auge zwei Mal behandelt wurde, schritt die Verschlechterung rasant voran. Bereits am Donnerstag musste das Rind nach Fahrni transportiert werden, wo ihm der Tierarzt das Auge zunähte. So kommt kein Lichteinfall mehr in das Auge. Nach vier Wochen wird die Lidschürze wieder geöffnet, dann sollte es verheilt sein.

Blumen für unser Hochzeitsfest

Am Donnerstagnachmittag sammelte ich auf der Fiedersegg Blumen für unser Hochzeitsfest. Bereits als kleines Mädchen wünschte ich mir Stängelenzianen im Brautstrauss. Zwar hatte ich nun keinen Brautstrauss, aber Enzianen sollten es trotzdem sein. Bereits sind viele verwelkt. So waren wir gezwungen, mehr oder weniger auf der ganzen Alp zu suchen.

Bei strahlendem Sonnenschein genossen wir die Sammelaktion. Unglaublich, was es alles zu erkunden gibt; leuchten rote Beeren von der Eberesche, leicht flatternde Schmetterlinge, Hirschspuren, gewaltige Spinnennetze,…

„Kein Baum wächst in den Himmel!“

Aufgrund der Hochzeit hat unsere Herde einen beträchtlichen Zuwachs an wunderschönen Tieren bekommen. Am Samstag, unserem grossen Tag, hat Tobias beim Reintreiben der Kühe bemerkt, dass Bea, eine erstlaktierende Kuh, nach mehr als fünf Monaten Trächtigkeit einen Abort hatte. Natürlich ist dies nicht gerade den Start in den Hochzeitstag, den man sich wünscht. Mit dem Satz „Wiisch, äs isch no keh Boum i Himu gwachse!“, hat Töbu sehr treffende Worte gefunden.

Wir haben einen sehr guten Sommer hinter uns, das Vieh ist gut bei Leibe und wir hatten keinen Unfall. Nun haben wir mehrere Kälber geschenkt bekommen, ein anderes musste wieder gehen. Und einmal mehr wird mir bewusst, dass es eben nicht selbstverständlich ist, dass alles gut läuft.

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