2.08.2016 08:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Alpblog
Alpblog: Alphornklänge bei Stallarbeiten
Esther Schneiter bloggt wieder. Im Winter 2014-2015 bloggte sie - noch unter ihrem ledigen Namen Siegenthaler - von Neuseeland aus. Letzten Sommer bloggte sie über den Alpsommer in Meienfall im Diemtigtal BE. Nach ihrer Heirat ist sie diesen Sommer mit ihrem Mann auf der Alp Fiedersegg in Horrenbach BE.

Es ist Freitagmorgen, kurz vor sechs Uhr. Tobias ist bereits aufgestanden und entfacht das Feuer im Waschhafen. Bis ich aufgestanden und startklar bin, hat er den Kühen auch bereits Heu gegeben. Seit wir Tag- und Nachtweide haben, kommen die Kühe früher zurück. Während die Tiere nach und nach eintreffen, binde ich sie an und beginne mit Melken. In der Zwischenzeit treibt Töbu die Kälber ein, pumpt Wasser ins Reservoir und putzt die Kuh-Schwänze.

Alle zwei Tage mit der Milch ins Tal

Heute stimmt das Timing. Ich muss nie auf die Kühe warten und Töbu hat alle Arbeiten erledigt, bis ich fertig gemolken habe. Ich treibe die Kühe wieder aus, putze den Stall und säubere den Vorplatz. Dass die Kühe immer genau dort ihren Dung liegen lassen müssen, kann ich nicht verstehen.

Der Transporttank bleibt heute unbenutzt, die Milchmenge hat sich halbiert und wir müssen sie nur noch jeden zweiten Tag in den Milchtank auf dem Talbetrieb bringen. Tobias wischt das Milchgeschirr, ich erledige mit dem restlichen Warmwasser im Waschhafen den Abwasch in der Hütte und fülle sechs Eimer Frischwasser in den Waschhafen. So hat jedes seine Arbeit. Mittlerweile sind wir ein gut eingespieltes Team.

Ungewollter Zahnarzttermin

Nach dem Frühstück fahren wir nach Fahrni, beide müssen von der Pfidertschegg runter. Töbu wischt den Milchtank, ich gehe duschen. Auf der Fahrt zum Zahnarzt nehme ich meinen Mann ein Stück mit. Er muss den Traktor abholen, welcher zum Jauche führen gebraucht wurde.

Mich plagen seit Tagen Zahnschmerzen. Mit Medikamenten ausgerüstet, kann ich ohne Behandlung nach Hause gehen. Vor dem Mittag reicht die Zeit aus, um eine Stunde Blacken (Sauerampfer) zu bekämpfen. Wir stechen diese aus.

Haushaltsarbeiten nach dem Mittagessen

Zum Mittagessen gibt es Jogurt, Früchte und Müesli. Wir haben nur kurz Zeit für eine Pause, denn auf der Alp wartet Michu. Wir müssen noch Wäsche aufhängen, Geranien und Tomaten giessen und die Küche in einem Ultraschnelldurchlauf putzen. Michu ging als Kind jeweils zu meinen Grosseltern in die Ferien. Mittlerweilen ist er selber Grossvater.

Disteln ausreissen

Es ist schon fast zwei Uhr, bis wir endlich auf der Fiedersegg sind. Sofort ziehen wir Handschuhe an und wandern in die untere Weide. Michu ist bereits am Disteln ausreissen. Wir haben grosse Flächen mit wenigen Disteln, doch eben auch richtige Distelnester. Hier wächst mehr oder weniger Distel an Distel.

Sie alle zur Strasse zu tragen, wäre sehr aufwändig, sogar kaum möglich. So machen wir in der Mitte des Nestes einen grossen Haufen. Am ersten August wollen wir die Disteln dann verbrennen. Eigentlich müsste man melden, wenn man ein Feuer machen will. Doch am ersten August fragt da niemand und bestimmt wird da vieles, was schädlicher ist, verbrannt.

Feuer als beste Lösung?

Wir sind uns bewusst, dass wir nicht 100 Prozent der Wurzeln ausreissen. Ausstechen wäre effizienter, doch auch viel mühsamer und aufwändiger. Und nach so vielen Stunden Distelbekämpfung, wie wir dies in diesem Sommer getätigt haben, nehmen wir eine Effizienzminderung um 10 auf 90 Prozent in Kauf. Dafür haben wir eine grössere Flächenleistung erzielt.

Auch das Verbrennen ist sicherlich nicht die optimalste Lösung. Auch hier machen wir halt einen Kompromiss. Da die Disteln noch nicht verblüht sind, sollten theoretisch die Samen nicht davon fliegen und sich somit nicht weiter verbreiten.

11i-Bier zum Zvieri

Es ist bereits nach fünf Uhr, als wir mit dem Ausreissen fertig sind. Eigentlich Zeit für den Stall, doch die Kühe sind in einer frischen Weide und noch eifrig am Grasen. Zudem haben wir nicht alle Tage so tatkräftige Unterstützung. So geniessen wir die Gesellschaft und machen direkt beim Distelnest eine Pause. Nach dem Marsch zur Hütte essen wir ausgiebig Zvieri.

Alphornklänge bei den Stallarbeiten

Während Töbu und ich die Stallarbeiten erledigen - am Abend melkt Töbu und ich miste den Rindern und Kälbern aus - steigt Michu mit seinem Alphorn auf den Stauffen. Ich geniesse die Alphornklänge, während ich die Rinder auf der Weide beobachte.

Alle sind am fressen, alle sind gesund, das Wetter ist angenehm warm und trocken. Solche Momente geniesse ich immer besonders. Es gibt Menschen, die müssen nach der Arbeit ins Solarium, ins Fitnesszentrum oder bezahlen viel Geld, um ein Panorama zu geniessen wie es vor unsere Hütte zu sehen gibt.

Feierabend geniessen

Auch heute wird es nach 19 Uhr, bis wir Feierabend haben. Und auch heute bin ich müde, habe vom Sumpf, wo die Disteln standen, schmutzige Beine, aber keine Dusche. Dafür haben wir einen Brunnen mit frischem Wasser.

Und ich habe eine grosse innere Zufriedenheit. Klar ist das Älplerleben kein Zuckerschlecken, doch wir erleben täglich so viel Schönes und Bereicherndes, das ich nicht missen möchte.

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