6.09.2016 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Alpblog: Neuer Küchenboden
Esther Schneiter bloggt wieder. Im Winter 2014-2015 bloggte sie - noch unter ihrem ledigen Namen Siegenthaler - von Neuseeland aus. Letzten Sommer bloggte sie über den Alpsommer in Meienfall im Diemtigtal BE. Nach ihrer Heirat ist sie diesen Sommer mit ihrem Mann auf der Alp Fiedersegg in Horrenbach BE.

Am Montag kommt der Bergversetzer Hans wieder. Der restliche Schutt aus der Küche muss in den Kälberstall befördert werden und der Untergrund soll für Dienstag vorbereitet werden. Denn nach der Kernbohrung für das WC und die Planung des genauen Verlaufs der Rohre und Abflüsse wird am Dienstag betoniert.

Schwierige Planung der Betonarbeiten

Die Beförderung des Betons auf die Fiedersegg war für Töbu im Vorfeld eine Schwierigkeit. Fertigen Beton hoch zu transportieren, ist bei dieser Strasse, welche mehr als 27 Prozent Steigung hat und nach dem letzten Unwetter in einem desolaten Zustand ist, nur sehr schwer möglich. Zumal mehr als zwei Kubikmeter benötigt werden. Den Beton oben mischen war die Alternative. Hierzu fehlte jedoch der Betonmischer und der Aufwand wäre immens.

So wurde ihm von einem erfahrenen Bauführer der Tipp gegeben, er solle mit Leichtbeton arbeiten. In Wimmis und Grünenmatt, wo dieser normalerweise produziert wird, wurde letzte Woche eben keiner hergestellt. Mit dem Traktor von Eriz nach Wimmis und zurück fahren, wäre auch hirnrissig gewesen. So hat sich mein Mann dann doch für die „Fertigvariante“ mit mehrstündigem Verzögerer entschieden und hat deshalb einen grossen Kipper mit hohen Seitenläden gemietet.

Verarbeitung mühsam

Nicht nur die Planung war schwierig, sondern auch die Verarbeitung. Oben angekommen, ist der Beton wie stark vibriert. Diesen mit der Schubkarre in die Küche zu bringen und dann anschliessend zu verarbeiten, ist nicht gerade einfach. Unser Optimist Hans ist sich sicher, dass er am Dienstag auch die zweite Ladung verarbeiten will, obwohl die Zeit vorangeschritten ist. So fährt Töbu ein zweites Mal nach Röthenbach ins Betonwerk.

Hochzeitskalb auf der Weide

Unterwegs benachrichtigt er mich, dass ich die Stallarbeiten im Tal selber verrichten müsse. Dem Kalb, welches wir am Vorabend zur Hochzeit geschenkt bekamen, solle ich zwei Liter Milch geben, der Rest wie immer. Gesagt – getan, das frischgekalbte Rind mag das Melken immer noch nicht, doch irgendwie überliste ich es dennoch. Indiana, unser Geschenk, binde ich ein Glöcklein um den Hals lasse es ebenfalls auf die Weide, zum ersten Mal bei uns.

Besuch statt Stallarbeiten

Als ich am Misten bin, kommt kurz Besuch vorbei, was mich sehr freut. Doch nun kann ich die Stallarbeiten nicht fertig machen, schliesslich muss ich um 19 Uhr im Eriz sein. Ein Paar will sich einen Augenschein von der Fiedersegg nehmen, denn wir suchen zur Unterstützung einen Angestellten oder ein Team für den kommenden Sommer.

Küchenboden „fast“ fertig

Auf der Fiedersegg will ich natürlich als erstes den neuen Küchenboden besichtigen. Doch ganz fertig ist er noch nicht. Die Verarbeitung nimmt bedeutend mehr Zeit in Anspruch als erwartet. Die zweite Ladung ist noch im Kipper.

Gemeinsam machen wir weiter, essen zwischendurch einen Griessbrei mit Gemüse, mehr liegt nicht mehr im Schrank. Ich habe bereits alles nach unten gezügelt. Ich benachrichtige den Nachbarn in Fahrni, dass er bei den Hühnern die Türe schliessen solle. Um halb zwölf sind wir endlich fertig. Bis wir zu Hause sind, ist es nach Mitternacht. Klar bin ich hundemüde, doch beklagen will ich mich, ein schöneres Geburtstagsgeschenk als ein neuer Küchenboden kann ich mir momentan nicht vorstellen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE