20.09.2016 08:58
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Alpblog: Positive Bilanz des Alpsommers
Esther Schneiter bloggt wieder. Im Winter 2014-2015 bloggte sie - noch unter ihrem ledigen Namen Siegenthaler - von Neuseeland aus. Letzten Sommer bloggte sie über den Alpsommer in Meienfall im Diemtigtal BE. Nach ihrer Heirat ist sie diesen Sommer mit ihrem Mann auf der Alp Fiedersegg in Horrenbach BE.

Am vergangenen Dienstag transportierten wir die restlichen neun Galtkühe und ein trächtiges Rind in den Talbetrieb. Wir haben geglaubt, dass sich die Tiere freuen würden, denn das Gras ist gelblich und zäh geworden. Doch da haben wir uns getäuscht. Nur widerwillig verlassen sie die Fiedersegg.

6 Sömmerungsrinder gehen nach Hause

Anders war dies am Freitag, als wir sechs Sömmerungsrinder zum Viehtransporter trieben. Sie marschierten wie Hunde hinter uns her. Möglicherweise liegt es am Wetter. Während wir am Dienstag in kurzen Hosen schwitzten, zogen wir am Freitag Regenjacken an und froren dennoch.

Neuer Kälberstall und renoviertes Hühnerhaus

Anfang Woche mähte Töbu den vierten Schnitt auf zwei Feldern, es gab 18 Siloballen, was ein guter Ertrag für das Alter des Grases und die Jahreszeit ist. Ansonsten hat sich die Arbeitsmenge vermindert. So baut Töbu einen Kälberstall im Schopf für neun Kälber zwischen drei Wochen und drei Monaten. 

Auch mit der Renovation des Hühnerstalls beginnen wir. Es ist dies ein alter Anhänger, welcher früher als Schweinestall gedient hat. An zwei Seiten müssen die Wände neu gemacht werden. Auch die Inneneinrichtung, ein Hühnertürchen und eine grössere Türe fehlen. So ist beim Eindunkeln nicht das Geräusch des Fernsehers, sondern das Hämmern in der Garage zu hören.

Alp einwintern

23 Rinder leben nun noch zirka drei Wochen auf der Fiedersegg. Alle zwei Tage gehen wir sie kontrollieren. Zudem muss der Mist ausgebracht werden, die Zäune weggeräumt und alle Wasserleitungen um die Hütte geleert werden. Auch beim Badezimmer-Bau wird gibt es noch einiges zu tun. Die Alp soll bereit für den Winter gemacht werden.

Positive Bilanz

Der grösste Teil der Arbeit dieses Sommers ist aber beendet. Es ist Zeit Bilanz zu ziehen. Nach einem nassen Start im Juni haben wir drei herrliche Monate hinter uns. Wir erlebten den Alpsommer als sehr positiv. Das Gras ist immer wieder gewachsen, wir hatten glücklicherweise wenig Hagel und Unwetter und können, in der Hoffnung dass es so bleibt, alle Tiere lebend und gesund nach Hause nehmen.

Es gibt immer unschönes

Klar gibt es immer weniger schöne Geschichten, beispielsweise als eine Kuh einen Abort hatte. Wir mussten die Rinde einer Käfertanne mühsam entfernen, auch das Töten der stark verwundeten Katze, welche beim Mähen ins Mähwerk geraten ist, erfreute mich nicht. Auch negative Dinge sollen nicht einfach vergessen werden, schlussendlich kann man aus jeder Situation etwas lernen.

Das Gute überwiegt

Doch das Gute überwiegt deutlich! Ich kann tausend kleine und grosse Dinge aufzählen, die uns erfreuen und nicht selbstverständlich sind. Der Feldhase, welchen wir immer wieder in den Liegeboxen gesehen haben. Die Freude an der neuen Küche, das Fondue zum Znacht bei der grössten Hitze, die dickgefüllten Bäuche der Kühe am Morgen, die Verheilung der „gämsblinden“ Augen, sämtliche Besuche von unseren Freunden, etc. Wie heisst es doch so schön: Zufriedenheit ist, in alltäglichen Dingen etwas Wunderbares zu sehen. 

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