26.07.2016 07:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Alpblog
Alpblog: Rad ist weg!
Esther Schneiter bloggt wieder. Im Winter 2014-2015 bloggte sie - noch unter ihrem ledigen Namen Siegenthaler - von Neuseeland aus. Letzten Sommer bloggte sie über den Alpsommer in Meienfall im Diemtigtal BE. Nach ihrer Heirat ist sie diesen Sommer mit ihrem Mann auf der Alp Fiedersegg in Horrenbach BE.

Am vergangenen Donnerstag kamen meine Schwester Sarah und ihr Freund Martin am Abend in den Stall. Sie wollten über den genauen Ablauf instruiert werden, denn am Samstag waren wir an einer Hochzeit eingeladen und sollten „chüejerä“, also melken und die Tiere versorgen. Kurz vor 17 Uhr rief mich meine Schwester an, sie hat laut gelacht, dem Jeep sei ein Rad abgefallen.

Bestes Fahrzeug kaputt

Wir haben, oder besser gesagt hatten, einen alten türkisfarbenen Jeep. Dieser war ganz unten vor der steilen Zufahrt stationiert. Wenn wir Besuch hatten, und diese nicht hochlaufen mochten, konnten sie eben diesen Jeep nehmen. Auch zum Zäunen war er praktisch.

Zugegeben, er ist schon länger in einem desolaten Zustand, die Rückspiegel sind weg, eine Scheibe ist eingeschlagen und beim Fahren ertönten eigenartige Geräusche. Doch er war superpraktisch! Und nun ist das Rad weg! Tobias spielte so halt Taxichauffeur und ging sie mit unserem Jeep, ihm geht es gut und er ist in gutem Zustand, abholen.

Fliessendes Trinkwasser in der Hütte

Während Sarah immer noch kichert, ist es Martin nicht recht, dass ihm das Missgeschick passiert ist. Wir sind nicht böse, im Gegenteil, glücklicherweise ist das Rad nicht im steilsten Abschnitt abgefallen und es ist weiter nichts Schlimmes passiert. Als Wiedergutmachung hilft er aber Töbu die Brunnenröhre so abzuändern, dass wir fliessendes Trinkwasser in der Hütte haben. Eine zusätzliche Erhöhung der Röhre ist nötig, so dass mehr Widerstand entsteht und das Wasser bis in die Küche fliesst.

Neue Küche nun perfekt

Im Frühjahr durften wir von Freunden ihre Occasion-Küche abholen und auf der Fiedersegg einbauen lassen. Nun mit dem fliessenden Wasser ist die Küche perfekt. Dies ist für mich eine grosse Vereinfachung der täglichen Haushaltsarbeiten, bisher mussten wir immer beim Brunnen Wasser holen, vor allem bei Regenwetter ist dies nicht besonders spassig. Auch die Küche bietet viel Stauraum und macht das Arbeiten einfacher.

Annabelle muss gehen

Leider bringt das Älplerleben nicht nur erfreuliche, lustige und erleichternde Geschichten mit sich. Tobias und ich haben beschlossen, dass Anabelle, die Kuh, welche nach fünf Monaten Trächtigkeit einen Abort hatte, an den Schlachtviehmarkt muss. Eine sehr schwere Entscheidung, denn Annabelle ist erst in der ersten Laktation, eine Kuh mit viel Potential, welche das Leben noch vor sich hat.

Doch ob sie jemals wieder abkalben wird, ist sehr ungewiss. Womöglich würde sie nie wieder trächtig oder hätte weitere Aborten. Und auch wenn ihre Fruchtbarkeit nicht eingeschränkt wurde, geht es mindestens noch zehn Monate bis sie abkalben würde. In dieser Zeit kostet sie täglich und gibt bald keine Milch mehr. Rein wirtschaftlich gesehen ist es die beste Entscheidung, wenn Annabelle am Schlachtviehmarkt verkauft wird, momentan sind die „Metzgkühe“ gesucht. Auch ist es kaum wahrscheinlich, dass wir Annabelle jemals fürs Leben verkaufen können, denn sie ist schüchtern und geht nicht ins Fressgitter.

Kuh muss gehen, Hühner kommen

Solche Entscheidungen zu treffen sind wohl für alle schwierig. Doch ein Trost bleibt. Annabelle hatte drei schöne Jahre bei uns. Die letzte Woche darf sie nun noch Tag und Nacht auf der Weide mit den anderen Kühen grasen. Aufgrund des nassfeuchten Wetters hat es weniger Mücken, Bremsen und Fliegen und wir haben auf Tag-und-Nacht-Weide umgestellt.

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