10.04.2014 07:25
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Cannabis
Als Suchtmittel verteufelt, als Heilmittel vergessen
Cannabis wird in der Schweiz seit Jahren als Suchtmittel verteufelt. Cannabis lindert aber auch Schmerzen und entspannt. Die Stiftung Suchthilfe St. Gallen informiert mit einer Sonderschau an der Messe OFFA über die umstrittene Nutzpflanze Hanf.

Die Sonderschau «Cannabis - vergessene Medizin» der Frühlings- und Trendmesse (OFFA), die vom 9. bis 13. April in St. Gallen stattfindet, nimmt die Diskussion rund um die Heilpflanze auf und thematisiert die Geschichte des Hanfs als Medikament.

Anbau und Verwendung von Hanf hat lange Tradition

«Wir wollen nüchtern und sachlich über die vergessene Heilwirkung von Cannabis informieren», sagte Jürg Niggli, Leiter der Stiftung Suchthilfe St. Gallen, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Sonderschau umfasst neben Informationsmaterial auch diverse Hanfpflanzen. Fachleute beantworten die Fragen der Besucher.

Cannabis ist als Heil-, Kult- und Rauschmittel zum Beispiel in Vorderasien seit Tausenden von Jahren bekannt. Auch in der Schweiz haben Anbau und Verwendung von Hanf eine lange Tradition. Die Nutzpflanze Hanf gab bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen wichtigen Faserrohstoff für Seile und Stoffe ab, aus den Hanfsamen wurde Hanföl gepresst, und auch um die psychoaktive Wirkung des Hanfes wusste man schon früh. In der Volksmedizin fanden Hanfextrakte therapeutische Verwendung.

Bis 1951 erlaubt

Bis 1951 war das Kraut grundsätzlich erlaubt und als Medizin gegen Migräne, Keuchhusten, Asthma und als Schlaf- und Beruhigungsmittel geschätzt. Apotheken verkauften Cannabisprodukte zum Teil bis Anfang der 1970er-Jahre.

Cannabis ist in der Schweiz aber verboten, wenn die Pflanze mehr als ein Prozent der berauschenden Substanz THC (Tetrahydrocannabinol) enthält. In seiner legalen Form – als sogenannter Industriehanf – ist er weder als Droge interessant, noch als Medizin geeignet.

Nicht gefährlicher als Alkohol

2008 kam es zur Volksabstimmung über die Legalisierung von Cannabis. 63 Prozent der Bevölkerung lehnten es ab, den Besitz, Konsum und Handel von Cannabis wieder zuzulassen. Wer einen Joint raucht, verstösst nach wie vor gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der Konsum wird aber nur noch mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken bestraft.

Viele Experten seien sich darin einig, dass die gesundheitlichen Risiken nicht grösser seien als beim Alkoholkonsum, sagt Niggli. Unbestritten sei aber die problematische Rolle, welche Cannabis etwa im Strassenverkehr spielen könne: Wer kifft, fährt schlechter Auto, dies hat eine Anfang Jahr publizierte Studie ergeben.

Therapie ohne Rausch

Durch die Revision des Betäubungsmittelgesetzes kann das Bundesamt für Gesundheit (BAG) neuerdings auch Ausnahmebewilligungen für natürliches Cannabis erteilen, bisher war dies nur synthetischem THC vorbehalten, das laut Niggli weit weniger wirksam und sehr teuer ist.

Die schmerzlindernde und entspannende Wirkung der Pflanze wird wissenschaftlich kaum bestritten. Ihr Einsatz gegen Muskelkrämpfe, etwa bei Multipler Sklerose (MS), und zum Lindern von Nebenwirkungen bei Krebstherapien hat sich bewährt.

Kontrollierte Abgabe

Als schweizweit einziger Apotheker besitzt Manfred Fankhauser aus Langnau BE die Bewilligung, in bestimmten Fällen Patienten Cannabis als Medikament zu verschreiben. An der OFFA sind zahlreiche Exponate aus Fankhauses Fundus zu sehen. Seine Dissertation «Haschisch als Medikament» liegt auf und der Apotheker will der Sonderschau einen Besuch abstatten.

Auch im Kanton St. Gallen stosse der Vorschlag einer kontrollierten Abgabe für medizinische Zwecke auf viel Zustimmung, sagte Niggli. Es brauche aber dringend mehr Aufklärung – auch bei Ärzten. «Das Ziel ist, dass künftig mehr natürliche Cannabis-Produkte zu bezahlbaren Preisen an die Patienten verschrieben werden,» sagte Niggli.

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