Sonntag, 7. März 2021
25.08.2013 09:01
Frankreich

Als Wanderer verkleidet auf Schmugglerjagd

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Von: François Ausseill, AFP

Sie sehen aus wie Wanderer, doch die Männer und Frauen sind in den französischen Pyrenäen nicht unterwegs, um die Natur zu geniessen. Der Auftrag der französischen Beamten dort ist es, Zigarettenschmugglern das Handwerk zu legen.

«Dort kommt man nur schwer rüber», erklärt Patrick Granat und deutet auf eine felsige Bergspitze, über die ein Fussweg führt. Das gebräunte Gesicht des Zöllners verrät, dass er häufiger die südwestfranzösischen Berge an der Grenze zu Andorra durchstreift.  

Gewinn pro Stange 15 Euro

Mehrmals pro Monat machen sich die Männer und Frauen der Zollfahndung von Ax-les-Termes in der Ferienregion Ariège auf in die Berge. Dort blüht der Schmuggel mit billigen Zigaretten aus dem Fürstentum Andorra nach Frankreich. Zu Fuss, über die Berge, kommen die Schwarzhändler über die Grenze, ohne die Tabaksteuer zu zahlen. 

Die meiste Ware wird in der südwestfranzösischen Grossstadt Toulouse weiterverkauft. «Der Preis hängt von der Marke ab, aber im Grossen und Ganzen wird eine Stange für 20 Euro gekauft und für 35 oder 40 Euro weiterverkauft, also ist der Gewinn pro Stange mindestens 15 Euro», erzählt Serge Esteban, die Nummer zwei der Zoll-Einheit. 

Satter Gewinn 

In den neuen Räumlichkeiten der Zöllner sind die letzten Beutestücke zu besichtigen, die erst nach einer Entscheidung der Justiz vernichtet werden. Aufgeschichtet liegen dort zahlreiche Rücksäcke. 

Die eifrigsten Schmuggler schleppen bis zu 20 Kilo Ware in einfachen Reisetaschen, an denen sie die Henkel verstärkt haben, um sie auf dem Rücken tragen zu können. Hundert Stangen können in einer Tasche sein – ein Gewinn von 1500 Euro für eine einzige Überquerung der Grenze. 

Schmuggler in Not 

Ungefährlich ist der Weg nicht. «Der Übergang ist auf 2200 Metern Höhe, die Temperatur kann dort ganz plötzlich fallen», sagt Granat, der Chef der Zöllner. Oft würden Schmuggler von Temperaturschwankungen überrascht und müssten dann wegen Unterkühlung von der Bergwacht gerettet werden. 

Die Berggipfel mit ihren über 2000 Metern sind im Sommer noch verschneit. Idyllisch ist die Umgebung – ein grünes Tal mit einem Wasserlauf, in dem die typischen schwarzen Pferde der Region, die Mérens, weiden. Viele Touristen und Wanderer sind dort unterwegs, weshalb auch die Zöllner ihre Uniformen im Schrank lassen, wenn sie dort auf Streife gehen. 

Tropfen auf den heissen Stein 

Wer beim Schmuggeln erwischt wird, muss mit einer saftigen Geldstrafe rechnen, die sich auf mehrere tausend Euro belaufen kann. Wer schon polizeibekannt ist, der wird laut Staatsanwaltschaft von Foix auch vor Gericht gestellt.  

Doch die Ausbeute der Zöllner, die zu Fuss in den Pyrenäen unterwegs sind, macht nur einen Bruchteil der Ware aus, die illegal nach Frankreich kommt. Bei Strassenkontrollen und in Zügen zwischen Andorra und Toulouse beschlagnahmte der französische Zoll im vergangenen Jahr insgesamt mehr als eine Tonne Zigaretten – rund 50’000 Schachteln. 

Es gibt aber auch die «Einheimischen», wie sie von den Zöllner genannt werden, die am Sonntag auf Schmuggeltour gehen, um für sich selbst billige Zigaretten zu besorgen. Die Schmuggelpfade im Gebirge sind ihnen bestens vertraut: «Sie kennen die Region, und das wird von Generation zu Generation weitergegeben», berichtet Esteban. «Der Schmuggel hat hier schon immer existiert.»

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