23.05.2013 16:14
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gesundheit
Alzheimer- und Prionenkrankheiten (BSE) zeigen verblüffende Ähnlichkeiten
Die krankhaften Proteine bei der Alzheimerdemenz verhalten sich im Gehirn ähnlich wie die Erreger von Prionenerkrankungen. Dies konnten Forscher der Universität Basel dank einem neuen Mausmodell zeigen. Damit lassen sich nun weitere Fragen erkunden - etwa ob Alzheimer übertragbar sein könnte.

Bei der Alzheimerdemenz führen krankhafte Eiweissablagerungen im Gehirn zu einem verheerenden Abbau der Hirnsubstanz. Abnorme Eiweisse liegen auch anderen Hirnkrankheiten zu Grunde, unter anderen den Prionenkrankheiten. Dazu gehören die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und deren neue Variante, die vermutlich vom Verzehr von an Rinderwahn leidenden Rindern kommt. 

An jungen Mäusen getestet

Diese Ähnlichkeit hat letztes Jahr den Nobelpreisträger Stanley Prusiner, den Entdecker der Prionen, zu einer heftig debattierten Vermutung veranlasst: Alzheimer könnte von Mensch zu Mensch übertragbar sein, genau wie die Prionenkrankheiten. 

Dass sich abnorme Proteine - die Tau-Proteine - und Prionen verblüffend ähnlich verhalten, bestätigen nun die Experimente des Teams um Markus Tolnay vom Universitätsspital und der Uni Basel. Sie spritzten Hirnextrakte von verstorbenen Patienten mit abnormen Tau-Proteinen, darunter auch Alzheimerpatienten, in das Gehirn von jungen Mäusen, wie die Uni Basel am Donnerstag mitteilte. 

Ursprungskrankheit wiederholt 

Schon nach einem halben Jahr entwickelten sich am Injektionsort erste Tau-Veränderungen, die sich danach weiter im Gehirn ausbreiteten - wahrscheinlich über eine Zell-zu-Zell-Übertragung. 

Nach Ansicht der Forscher war besonders bemerkenswert, dass die krankhaften Gehirnveränderungen genau denen der verschiedenen menschlichen Ursprungserkrankungen glichen, berichten sie im US-Fachjournal «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS). 

Diese diversen Tauopathien konnten sogar auf andere Mäuse übertragen werden, wenn ihnen die Forscher Hirnextrakt der kranken Artgenossen ins Gehirn spritzten. «Dies deutet darauf hin, dass sich einmal gebildete Tau-Komplexe selbst weiter vermehren und sich ähnlich wie Prionen ausbreiten», schreiben die Autoren. 

Keine Übertragung zwischen Menschen 

Dass die Alzheimerkrankheit zwischen Menschen übertragen werden könnte, halten die Forscher indes für sehr unwahrscheinlich. Die Situation in ihrer Studie sei sehr künstlich gewesen, erklärte Tolnay der Nachrichtenagentur sda. «Wir haben die abnormen Proteine den Mäusen direkt ins Gehirn gespritzt.» Zudem seien Tau-Proteine eine andere Form von Eiweissen als Prionen. 

Dafür vermuten die Forscher einen praktischen Nutzen ihrer Erkenntnisse: Sie könnten neue Behandlungsstrategien für die meisten degenerativen Hirnkrankheiten beim Menschen aufzeigen, schreiben sie. So könnte möglicherweise eine Art Immuntherapie die Zell-zu-Zell-Übertragung der krankmachenden Proteinkomplexe verhindern. 

Die Alzheimerkrankheit ist die häufigste Demenzform. In der Schweiz sind derzeit rund 110'000 Patienten davon betroffen, schreibt die Uni Basel.

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