9.04.2018 15:44
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Amokfahrt: 4 Jahre Haft für Bauer
Vor einem Jahr wollte ein betrunkener Landwirt zwei Polizisten überfahren und wurde dabei angeschossen. Das Gericht sprach ihn wegen gefährlicher Körperverletzung, Trunkenheit am Steuer und Fahren ohne Fahrerlaubnis schuldig.

Der Vorfall, für den sich der Bauer vor Gericht zu verantworten hatte, ereignete sich vor einem Jahr. Die Polizisten wollten den Bauer aus der Region Schwandorf in der Oberpfalz bei Wölsendorf kontrollieren. Um sich der Kontrolle zu entziehen, fuhr er gezielt mit seinem Fendt-Traktor auf die Polizisten und den Streifenwagen zu, berichtet topagrar.com.

Anklage wegen versuchten Mordes

Obwohl die Polizisten Warnschüsse abgaben, stoppte der 47-Jährige sein Gefährt nicht. Im Gegenteil, er rammte mehrfach das Polizeiauto, schreibt agrarheute.com. Auch eine Kugel in seinem Unterschenkel vermochte den Landwirt nicht zu stoppen. Zum Tatzeitpunkt hatte er einen Blutalkoholwert von mehr als zwei Promille. Die Verfolgungsjagd erstreckte sich über 5.8 Kilometer und dauerte 29 Minuten. Auf einer Wiese schliesslich konnte ein Streifenwagen den Mann stoppen. Die Polizisten konnten ihn anschliessend festnehmen. Die Bilanz ist heftig. Der Traktorfahrer wurde am Bein verletzt, zwei Polizisten wurden durch Pfefferspray verletzt. Der Landwirt wurde vor dem Landgericht Amberg nun wegen versuchten Mordes angeklagt.

Gemäss einem Bericht eines Unfallsachverständigen sind die Polizisten zweimal in Lebensgefahr geraten. Auf der Wiese hatte ein Polizist versucht, den Landwirt zu stoppen. Er sei dabei in ernster Gefahr gewesen, entweder von der Schaufel am Kopf getroffen oder von den Rädern des Fendt Geräteträgers mit mindestens 12 km/h überrollt zu werden, so der Gutachter. Der Polizist habe nur 1.5 Sekunden gehabt, um der lebensbedrohlichen Situation auszuweichen.

Trotz Schuss in Oberschenkel weitergefahren

Eine weitere gefährliche Situation entstand, als ein Polizist auf dem Hof neben dem Schlepper herlief, um einen gezielten Schuss anzubringen. Der Beamte öffnete die Beifahrertür. Der Polizist hätte stolpern können und wäre überrollt worden, so der Gutachter. Trotz dem Schuss in den Unterschenkel konnte der Bauer mehrere Kilometer weiterfahren. Dies wurde vor Gericht mit dem hohen Alkoholpegel begründet.

Der 47-Jährige sei ein notorischer Schwarzfahrer, sturzbetrunken auf dem Traktor unterwegs und habe sich zur Verdeckung einer Straftat der Überprüfung entzogen, sagte der Staatsanwalt vor Gericht. Das seien typische Mordmerkmale. Während der Verfolgungsjagd sei es dann zu Begegnungen mit zwei Beamten gekommen, die nur mit Mühe ihr Leben retteten. Gemäss einem Bericht auf onetz.de forderte der Staatsanwalt 8 Jahre Haft.

Eineinhalbjährige Therapie

Das Gericht folgte der Anklage nicht. Die Lage für die Polizisten seien sehr bedrohlich gewesen. Doch Mordversuche seien das nicht gewesen, so die Richterin. Er erhielt eine Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung, Trunkenheit am Steuer und Fahren ohne Fahrerlaubnis von vier Jahren und drei Monaten. Dieses Urteil deckte sich nahezu mit den Anträgen der Verteidigung.

Aufgrund der Alkoholsucht wurde der Landwirt in eine eineinhalbjährige Therapie geschickt. «Sie ist dringend notwendig», befand das Gericht. Der Landwirt muss die Verfahrenskosten tragen. «Den Traktor kriegen Sie nicht zurück», sagte das Gericht. Er besitzt seit 2008 keinen Führerschein mehr, schreibt onetz.de

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