16.04.2018 13:41
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Auch Landwirte brauchen Erholung
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther Schneiter in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten.

In der vergangenen Woche wurden die Tage nicht nur «lichtmässig» länger, sondern auch von den Arbeitsstunden her. Wir haben das herrliche Wetter ausgekostet und ausgenützt. So sind die letzten Überreste vom Sturm Burglind nun beseitigt. Wir verbrannten die Äste von den umgeknickten Tannen, so dass wir die Weide für die Rinder wieder einzäunen konnten.

15 Hektar eingezäunt

Grundsätzlich haben wir viele Zäune erstellt. Rund die Hälfte der von uns bewirtschafteten Fläche, also 15 Hektar, haben wir eingezäunt und in 17 Weiden unterteilt. So haben die Tiere bis zur Alpauffahrt Ende Mai genügend Gras. Den Kühen und Kälbern wird im Stall wenig Heu zugefüttert. Zäunen ist für mich eine sehr schöne Beschäftigung, auch wenn ich am Abend jeweils hundemüde bin.

Mein ehemaliger Arbeitskollege bei Schweizer Bauer, Samuel Krähenbühl, hat am Tag der offenen Türe gemeint, dass in diesem Stall der Begriff „Tierkomfort“ neu definiert würde. Dieses grosse Kompliment hat mich natürlich sehr gefreut. Schlussendlich war es beim Neubau auch unser Ziel, den Tieren ein möglichst artgerechtes und schönes Leben zu ermöglichen, soweit dies in einem Stall möglich ist. Dennoch glaube ich, dass die Tiere nun noch glücklicher sind. Die Rinder grasen bereits Tag und Nacht draussen, die Kühe und Kälber momentan tagsüber.

Glockengeläut lässt mein Herz höher schlagen

23 Rinder und 8 Kälber wurden bereits ausquartiert. Dies ist jeweils der Zeitpunkt, um Glocken und Treicheln umzubinden. Es ist bereits im Vorfeld klar, wer was anziehen darf. Grössere Rinder tragen grosse Treicheln, die schwarzen Rinder nach Möglichkeit Glocken. Dies sieht meiner Ansicht nach edler aus. Die grössten Treicheln werden für die zwei Kühe mit Simmentaler-Abstammung aufgespart.

So tragen nun alle Rinder und Kälber bereits ein Schmuckstück um den Hals. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies nicht nur mein Herz höher schlagen lässt. Beispielsweise das Rind Elisa kam richtig stürmisch zu mir, als sie verstanden hat, worum es geht. Den Kühen wird das Geläut erst am Tag der Alpauffahrt angezogen, im Fressgitter macht dies zu viel Lärm und behindert die Kühe.

Wunderschöne Märchenlandschaft 

Wir blicken auf eine herrliche Woche zurück, in welcher mir immer wieder bewusst wurde, wie schön wir es doch haben. Nicht aufgrund der abwechslungsweise Arbeit, sondern wegen den klimatischen Bedingungen mit den ausgeprägten Jahreszeiten und der grossen sozialen Sicherheit. Mein Höhepunkt war aber klar der Freitagabend vor einer Woche. Vom Inforama Hondrich aus schrieb ich Töbu ein WhatsApp, dass er sich den Abend freihalten solle. Was genau mein Plan war, wusste ich zugegeben noch nicht. Mein Mann nahm mir die Entscheidung ab und schlug vor, das aufgetischte Holz von unserem Verpächter zu besichtigen.

Es sei an der Zulg und durch Burglind sei der Zufahrtsweg nun versperrt. Also tauschten wir Gummistiefel gegen Wanderschuhe und begaben uns mit dem Jeep an den Bach, der dem Zulgtal den Namen gibt. Wir fanden eine wunderschöne Märchenlandschaft vor, die so viel Ruhe und Kraft ausstrahlte, dass ich beinahe Gänsehaut bekommen hätte. Auch am Bach ist der Frühling mit den ersten Zytrösel (Huflattich) am Erwachen. Vögel zwitschern, das Wasser plätschert vor sich hin, vom Alltagsstress und Verkehrslärm ist nichts zu hören. Nichts, ein Wort, dass es in meinem Leben kaum gibt, denn ich habe nie nichts zu tun, oder ich denke nie nichts, oder ich habe nie Interesse an nichts, doch in dem Moment war alles anders. Wir genossen die Zweisamkeit, bauten ein Steinmanndli und tranken ein Feierabendbier. Für knapp zwei Stunden fühlte es sich an, als wären wir in den Ferien.

Ein Kuhkalb macht den Abend perfekt

Kurz nach 20 Uhr kamen wir wieder nach Hause um die Kühe in den Stall zu treiben. Das Rind Arnika war am Trätschen (lag in den Wehen). Nur wenige Minuten, nachdem es die Abkalbebox betrat, kam ein Fruchtwasser, gefolgt vom zweiten. Um halb elf lagen wir glücklich im Bett, froh darüber, dass bei der Geburt alles gut verlief und das Kuhkalb Mimosa gesund am Saugen war.

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