13.08.2018 11:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
Bäuerlicher Hanfstrick für den Berg
Die frühen Berggänger verfügten noch nicht über eine bergspezifische Ausrüstung. Man setzte ein, was man aus dem bäuerlichen Alltag oder von der Jagd her kannte. Leitern, Stöcke und Pickel ergänzten die Ausrüstung.

Als Seile dienten Hanfstricke, wie sie in der Landwirtschaft gebräuchlich waren, wie Stefan Hächler vom Alpinen Museum der Schweiz ausführt. Die Seile waren schwer - erst recht, wenn sie nass oder gefroren waren.

«Halbleinigen» statt Membrankleidung

An den Füssen trugen die frühen Berggänger die damals auf dem Land üblichen Nagelschuhe. Später kamen sogenannte Tricouni-Beschläge in Mode. Sie bestehen aus gebogenen Winkeln, die auf der Unterseite gezackt sind. Die Winkel werden mit Nägeln an der Schuhsole befestigt. Statt in wasserabweisender, atmungsaktiver Membrankleidung ging man vor 150 Jahren noch im «Halbleinigen» oder in Militärkleidern in die Berge. 

Nicht fehlen durfte bei den Herren der Hut. Die wenigen Frauen, die sich in die Berge wagten, trugen Röcke aus schwerem Stoff - Hosen galten als unschicklich. Damals gab es auch noch kaum Übernachtungsmöglichkeiten am Berg. Also mussten die Alpinisten Decken und Zelte mitschleppen oder eher mitschleppen lassen. Meist waren es mehrere Träger mit vollgepacktem Räf, die die Plackerei für die Herrschaften übernahmen.

Bergführer als Diener


Auch Esswaren mussten mitgenommen werden. Im Depot des Alpinen Museums lagern 1994 entdeckte Reste von Getränkeflaschen. Sie stammen aus dem ehemaligen Rotloch-Biwak im Schreckhorngebiet und wurden auf die Zeit um 1860 datiert. Sie sind aus dickem Glas und wiegen entsprechend viel. Auch Keramikscherben wurden gefunden.

Die frühen Bergführer mussten sich mit der Rolle des Dieners begnügen. Als Helden wurden die zahlenden Gäste gefeiert, die den Erfolg einer Tour oft für sich allein beanspruchten. Vor allem Engländer frönten in dieser frühen Zeit des Alpinismus ihrem Entdeckerdrang. Schindluder auf Seiten der Bergführer und der Gäste brachte das Geschäft jedoch in Verruf. Dies führte Mitte des 19. Jahrhunderts dazu, dass das Bergführerwesen in der Schweiz reglementiert wurde. 1857 wurde der Bergführerverein Grindelwald gegründet.

Ausbildung wurde Pflicht

Eine Ausbildung war fortan Pflicht und der Bergführer musste in einem offiziellen Führerbuch Rechenschaft über jede Tour ablegen. In dem mit Seitennummern versehenen Führerbuch nahm der Gast eine Bewertung des Bergführers vor, so dass potenzielle nächste Kunden sich ein Bild machen konnten. Die Seitennummern verhinderten, dass der Bergführer Seiten mit negativen Bewertungen herausreissen konnte.

Es sei durchaus vorstellbar, dass manche Bergführer zwei Führerbücher gehabt hätten, schmunzelt Hächler. Eines für Gäste, die ein mutmasslich gefälliges Urteil abgeben würden - und ein anderes.

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