18.08.2020 08:45
Quelle: schweizerbauer.ch - mge
Algen
Bakterien lieben es warm
Um mehr über die Blaualgen (Cyanobakterien) zu erfahren, haben Forscher weit in die Vergangenheit geschaut. Anhand einer Analyse von 7'000 Jahren Sedimentbohrkernen, stellten sie fest, das die Blaualgenblüte weniger von Nährstoffen abhängig sind als gedacht. Die Wassertemperatur spielt eine entscheidende Rolle.

Blaualgen, die sogenannten Cyanobakterien, breiten sich gerade in Sommermonaten rasant in Gewässern aus. Der Zufluss von Düngemitteln aus der Landwirtschaft steigert die Nährstoffkonzentration im Wasser und zusätzlich begünstigen die warmen Temperaturen die Entstehung der Algenblüte. Kommt es zur Blüte, kann dies auch gefährlich sein. In Neuenburg verendeten kürzlich sechs Hunde, weil sie Wasser aus einem Gebiet mit einer hohen Cyanobakterienpopulation tranken. Diese Bakterien bedrohen ganze Ökosysteme, denn wenn die Algen absterben, sinken sie auf den Boden, und bei ihrer Zersetzung wird Sauerstoff verbraucht.

Satellitenbilder zeigen Algenblüte

Seit langer Zeit beobachteten Forscher die immer wiederkehrende Algenblüte in der Ostsee. Anhand von Satellitenbildern wurden sie seit den 1980er Jahren registriert. Warum es zu diesen explosionsartigen Wachstumsphasen von Cyanobakterien kommt, blieb unklar. Nun haben Forscher vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde anhand von Biomarkern die in der Ostsee vorkommen und einen Zusammenhang mit Cyanobakterien haben, einen Blick in die Vergangenheit machen können.

Überdüngung in den 1950er Jahren

Das Forscherteam wies in einem Sedimentkern, welcher die letzten 7'000 Jahre abbildet,  bis zum Jahr 1920 nur geringe Dichten von Cyanobakterien nach. Danach wechselten sich Perioden mit hoher und niedriger Häufigkeit ab. Es konnte kein signifikanter Anstieg in der Cyanobakterienhäufigkeit in den 1950er Jahren nachgewiesen werden. Dies sei aber die Zeitperiode, in der die Überdüngung und die Sauerstoffzehrung der Ostsee erheblich zugenommen habe. Demnach scheine die vermehrte Nährstoffzufuhr nur eine untergeordnete Rolle für die Cyanobakterienblüten zu spielen.

Zusammenhang mit Wassertemperatur

Allerdings gäbe es einen positiven Zusammenhang mit der Wassertemperatur. In heisseren Sommern gab es auch eine stärkere Cyanobakterienblüte. Um herauszufinden, ob auch eine langfristige Erwärmung wie durch den Klimawandel einen Einfluss hat, untersuchte das Forscherteam einen weiteren, 7.000 Jahre alten Sedimentkern aus der Bottensee, einem Becken im Norden der Ostsee. Diese Zeit umfasst eine warmzeitliche Epoche, die mit dem Ende der letzten Eiszeit begann. Für die heutige Klimaforschung ist sie besonders interessant, weil die durchschnittlichen Temperaturen auf der Nordhalbkugel damals um 1 bis 1,5 Grad Celsius höher waren als heute.

Das Team fand einen 100-mal höheren Gehalt an Biomarkern als in der heutigen Ostsee. Das legt starke Cyanobakterienblüten nahe und gibt einen Einblick in die Zukunft. Wird die globale Temperatur durch den Klimawandel weiter steigen, werden wir auch häufiger mit diesem Phänomen konfrontiert werden.

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