3.08.2019 08:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Klimawandel
Bald zuwenig fruchtbare Böden
Mit einer Mahnung zum Schutz der Landflächen hat in Genf die politische Debatte des Weltklimarats IPCC zu einem neuen Report begonnen. Inger Andersen, Geschäftsführerin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep), betonte bei der Eröffnung am Freitag in einer Videobotschaft, dass «die Erde unter unseren Füssen eines der wertvollsten Vermögen der Menschheit» sei.

«Zu einer Zeit, in der wir es uns am wenigsten erlauben können, verlieren wir fruchtbaren Boden und biologische Vielfalt in einem alarmierenden Tempo», erklärte Andersen. «Wir müssen die Nutzung unserer Landflächen an den Klimawandel anpassen, damit wir die Nahrungsmittelproduktion für die heutige und für zukünftige Generationen sicherstellen können.»

Mit der Sitzung am Freitag starteten die mehrtägigen Beratungen über den IPCC-Sonderbericht zur Nutzung von Landflächen unter dem Einfluss des Klimawandels. Er soll am Donnerstag präsentiert werden. 

Der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC, Hoesung Lee, betonte vor allem die symbolische Wirkung auf die Öffentlichkeit, die der Report aussenden könnte. «Ich hoffe, dass wir die Aufmerksamkeit der Menschen für die Gefahren und Herausforderungen erhöhen können, die der Klimawandel für das Land bereithält, auf dem wir leben und das uns ernährt», sagte Lee.

In den sieben Kapiteln des Reports werden unter anderem die Versteppung, die Einflüsse von Treibhausgasen und ein nachhaltiges Landmanagement thematisiert. «In der Sache dürfte das Ergebnis der Genfer IPCC-Konferenz in jedem Fall betonen, dass Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen oder die Versalzung von Böden infolge des Klimawandels für das Welternährungssystem eine erhebliche Bedrohung darstellen», glaubt Jan Kowalzig von der Hilfsorganisation Oxfam. 

Kritik an Fleischkonsum

In den Fokus werde wohl auch die Landwirtschaft rücken, die für einen grossen Teil der Treibhausgasemissionen verantwortlich zeichnet. Offen sei aber, wie deutlich die Kritik an industrieller Landwirtschaft ausfallen werde, sagte Kowalzig.

Rund ein Drittel der Landfläche weltweit und Dreiviertel des gesamten Frischwassers gehen inzwischen für Landwirtschaft drauf. Angesichts des erwarteten Anstiegs der Weltbevölkerung auf zehn Milliarden Menschen bis zur Mitte des Jahrhunderts wächst die Sorge, dass die derzeitigen Systeme schon bald an ihre Grenzen stossen.

Ein Problem ist neben der Massen-Fleischproduktion die Lebensmittelverschwendung: Schätzungen zufolge landen rund 30 Prozent aller Nahrungsmittel im Müll - und tragen weiter zur schlechten CO2-Bilanz bei. Hinzu komme die zunehmende Nutzung von Monokulturen wie etwa Soja, die massgeblich zur Zerstörung der Wälder beitragen.

Jedes Jahr verschwinden Tropenwälder von der Grösse Sri Lankas - und mit ihnen die Möglichkeit, grosse Mengen CO2 zu absorbieren. Gleichzeitig bilden sich mehr und mehr Wüsten, werden die Lebensräume für Menschen und Tiere zerstört. Auch darauf wird der Sonderbericht eingehen.

Der WWF betonte am Freitag, dass vor allem ein hoher Fleischkonsum den Klimawandel weiter befeuern werde. Der WWF plädiert unter anderem für ein Ende von Dauerrabatten auf Fleischprodukte. Auch sollten Agrarsubventionen stärker eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft unterstützen.

Am IPCC-Bericht beteiligt sind Wissenschaftler aus mehr als 30 Ländern weltweit. Sie hatten zuvor eine sehr umfangreiche Analyse über den derzeitigen weltweiten Wissensstand zu diesem Thema erstellt. 

Eine Zusammenfassung davon wird nun in Genf vor allem von politischen Delegierten debattiert, damit der so entstehende Bericht anschliessend auch entsprechend durch die Mitgliedsländer legitimiert ist. «Das bedeutet, die in Genf zur Verhandlung stehende Zusammenfassung kann bei einzelnen Themen dann auch so etwas sein wie der kleinste gemeinsame Nenner», meint Oxfam-Vertreter Kowalzig.

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