10.04.2017 16:51
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Italien
Bauer macht aus Kuhmist Teller
Essen aus einem Teller aus Kuhmist? Das ist möglich. Der italienische Milchbauer Gianantonio Locatelli produzierte aus dem Kuhdung bisher Biogas und Dünger. Nun ist es ihm gelungen, aus Mist auch Teller und Töpfe zu produzieren.

Der 61-Jährige Landwirt besitzt südlich von Mailand mehrere Bauernhöfe. Seine 3'500 Kühe produzieren täglich 55 Tonnen Milch. Diese wird zum bekannten Hartkäse Grana Padano verarbeitet, einem Konkurrenzprodukt des Schweizer Hartkäses Sbrinz.

Die Kühe produzieren aber auch eine Menge Dung, nämlich rund 150 Tonnen täglich, wie «Der Standard» berichtet. Bisher wurde der Mist von Locatellis Kühen in einer Biogas-Anlage verwertet. Aus dem Methan wird in einem Blockheizkraftwerk Strom produziert. Diese Energie reicht aus, um ein Dorf mit Energie zu versorgen. Mit dem Kühlwasser heizt der Landwirt seine Ställe.

Was vom Dung übrig bleibt, wurde bisher als Dünger verwertet. Locatelli suchte aber nach einem weiteren Verwendungszweck. Diesen fand er in «Merdacotta». Das Wort lehnt sich an Terracotta an. Merda heisst übersetzt «Scheisse». Terracotta wird aus eisenhaltigem rotem, aber auch aus kalkhaltigem gelblichem Ton hergestellt.

Landwirt Locatelli vermischt nun die Fäkalien der Kühe mit toskanischem Lehm. «Das ist ein revolutionäres Produkt, eine Mischung zwischen Kunststoff und Terracotta», so der Milchproduzent. Das genaue Rezept gibt er nicht preis. Nebst Töpfen und Tellern lässt er auch Kacheln und Ziegel produzieren. Als Logo setzt der findige Bauer für seinem «Merdacotta» den Mistkäfer ein. Dieser ernährt sich von Mist und nutzt diesen auch als Brutstätte.

Zu sehen sind die Kuhdung-Produkte im Museo della merda in Castelbosco südlich von Mailand. Auf der Mailänder Design-Messe hat «Merdacotta» bereits einen Preis gewonnen. Er habe aus dem Kuhmist etwas Anmutiges produzieren wollen, so Locatelli. Das ist ihm jedenfalls gelungen.

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