19.05.2017 06:39
Quelle: schweizerbauer.ch - Sebastian Hagenbuch
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"Bauer wird Studi": Quartal der Exkursionen
Junglandwirt Sebastian Hagenbuch vertieft sein landwirtschaftliches Wissen mittels eines Agronomiestudium in Zollikofen. Nach bestandener Lehre mussten die Latzhosen und Arbeitshandschuhe dem (Sennen-)Hemd und Laptop weichen.

Der April war für uns Studierende der Abteilung Pflanzenwissenschaften im letzten Semester zugegebenermassen eine ruhige Angelegenheit: Nur vereinzelte Unterrichtsstunden standen auf dem Programm, daneben galt es, sich um Gruppenarbeiten oder die abschliessende Bachelorarbeit zu kümmern. Oder bereits erste Bewerbungen an potentielle Arbeitgeber zu verschicken. Es war dies die Ruhe vor einem intensiven, spannenden letzten Quartal als HAFLinger: Das Quartal der Exkursionen.

Synthese

Die Stundenpläne sind zum Schluss wieder üppig gefüllt mit allerhand Modulen aus dem Bereich der Pflanzenwissenschaft. Immer öfters steht im Titel des Modules der Begriff "Synthese" (Synthese Ackerbau, Synthese Futterbau, Synthese Pflanzenbau, Synthese zu umfassenden agronomischen Fragestellungen).

Ein vielversprechender Begriff. Wikipedia meint dazu: Verbindung verschiedener Denkansätze/Theorien/Konzepte mit These und Antithese zu einer neuen, höheren Einheit. Sollte hier wirklich alles, was wir bislang in unsere Köpfe geschaufelt haben, zusammenkommen, gegeneinander abgewogen, verglichen und diskutiert werden und uns auf eine "höhere Einheit" bringen?

Wöchentliche Exkursionen

Das Quartal hat jedenfalls äusserst spannend begonnen: Wöchentlich stehen Exkursionen auf dem Programm. Wir sind zu Besuch bei Praktikern, Landwirten, Forschungsanstalten, vor- oder nachgelagerten Betrieben oder einfach draussen auf den Feldern. Agroscope Reckenholz und Changins stehen ebenso auf dem Programm wie spezialisierte Landwirtschaftsbetriebe mit innovativen Betriebsleitern, Intensiv geführte Betriebe gleichermassen wie extensiv bewirtschaftete Betriebe, Biobetriebe und ÖLN-Höfe.

Wir erhalten Einblick in Forschungsprojekte von Agroscope, hören Branchenvertretern zu, welche als Gastreferenten eingeladen worden sind oder schauen dem Fenaco Pflanzenschutzberater über die Schultern. Als krönenden Abschluss dürfen wir unter der Leitung von Osteuropa-Kenner und Dozent Hans Ramseier im Rahmen einer Projektwoche die Landwirtschaft in Russland etwas näher kennenlernen.

Studium als Privileg

Natürlich waren die letzten zweieinhalb Jahre nicht immer lustig - ist ja auch nicht das primäre Ziel des Studiums und kann von den wenigsten Menschen behauptet werden. Wir mussten Module besuchen, die langweilig waren, Gruppenarbeiten absolvieren, welche uns sinnlos erschienen und Dinge auswendig lernen, die man ebenso gut bei Bedarf einfach irgendwo nachschauen (oder gleich ausblenden) könnte. Dennoch ist mir klar, dass das Studium ein Privileg ist. Die vielen Einblicke, welche wir in fast alle Bereiche, welche irgendwie mit der Landwirtschaft zu tun haben, erhalten, sind ebenso spannend wie lehrreich.

Die Frage ist, was mit diesem Wissen letztendlich angestellt wird. Die Antwort auf diese Frage muss ein Jeder für sich selbst finden - wenn ich aber sehe, was Kolleginnen und Kollegen bereits für Projekte lanciert oder Jobs in Aussicht haben, so bin ich doch zuversichtlich, dass das Wissen nicht irgendwo unnütz in den hinteren Winkeln unserer Köpfe verstaubt.

Letzte Prüfungen nahen

Der Countdown läuft - anfangs Juli werden wir unsere letzten mündlichen Prüfungen an der HAFL absolvieren. Bis dahin erwarten uns hoffentlich noch viele spannende Exkursionen, Referate und anschliessende Diskussionen mit Kolleginnen und Kollegen rund um die faszinierende Welt der Landwirtschaft. Dabei wird einem auch immer mehr bewusst: Das Ende des Studiums ist erst der Anfang. 

 

 

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