6.05.2016 07:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Sebastian Hagenbuch
Blog
«Bauer wird Studi»: Studenten als Tourguides
Junglandwirt Sebastian Hagenbuch vertieft sein landwirtschaftliches Wissen mittels eines Agronomiestudium in Zollikofen. Nach bestandener Lehre mussten die Latzhosen und Arbeitshandschuhe dem (Sennen-)Hemd und Laptop weichen.

Vor zwei Wochen war die HAFL ein Schweinestall - und dies mit voller Absicht und keineswegs in einem abwertenden Sinne. Am 23. und 24. April öffneten die Hochschule sowie drei Landwirtschaftsbetriebe ihre Tore, um der Bevölkerung - insbesondere Familien mit Kindern - die Schweinehaltung in der Schweiz näher zu bringen. Organisiert wurde der Anlass (unter anderem) von rund 100 Agronomie-Studierenden, und rund 2'500 Besucherinnen und Besucher fanden trotz Hudelwetter den Weg nach Zollikofen.

Wirklich etwas tun

So tun, als ob. Das macht sonst einen Grossteil der HAFL aus. Man spricht, liest, diskutiert, schreibt, streitet und vergleicht. Wir beschäftigen uns mit verschiedenen Fruchtfolgen, Anbauverfahren, Labels, Vermarktungsstrategien, politischen Szenarien oder Fütterungstechniken. Wir ziehen oft Schlüsse aus Dingen, welche andere vor uns effektiv gemacht und durchgeführt haben. Wir lernen, wie man würde, wenn man denn könnte oder müsste.

Viel Konjunktiv. Aber wirklich etwas Handfestes tun, das ist trotz vielbesagtem Praxisbezug der Schule nicht wirklich an der Tagesordnung. Das liegt aber auch in der Natur der Sache und ist durchaus verständlich. Es ist aber trotzdem schön, wenn es manchmal anders läuft.

Projektmanagement live

Eines unserer Fächer - pardon, Module - trägt den Namen "Projektmanagement". Und anstatt dass wir stundenlange theoretische Vorträge über uns ergehen lassen mussten, wie man so ein Projekt im Falle eines Falles realisieren könnte, bestand unsere Aufgabe eben darin, den Grossanlass "Emma auf Hoftour" zu planen und durchzuführen. Indikativ statt Konjunktiv, tun statt reden. Zumindest, wenn man die Vorbereitungszeit ausser Acht lässt.

Das Projekt bot eine grosse Angriffsfläche für hämische Sprüche und verärgerte Studierende. Bei so vielen involvierten Personen sind Leerläufe, Kommunikationspannen und Missverständnisse vorprogrammiert. Vor solcherlei Pannen war auch unsere Gruppe Säulirennen nicht gefeit. Der Aufwand war - gemessen an den Credits, die es zu verdienen gab - zudem überdurchschnittlich gross, und dennoch war es in meinen Augen gut, uns Studierende diese Hoftour durchführen zu lassen.

Rahmen ist ungezwungener

Ohne Hoftour wäre das Projektmanagement-Modul knochentrocken, theoretisch und stinklangweilig gewesen. Und was besonders aufgefallen ist: Man lernt die Leute von einer anderen Seite kennen, wenn man etwas Handfestes mit ihnen tut und erlebt. Plötzlich hat man Kontakt mit einigen Studierenden, die man vorher weniger wahrgenommen hat. Der ganze Rahmen ist ungezwungener, und andere Stärken (anpacken oder mit Kindern umgehen können, Appenzeller Schnaps auftischen und dergleichen) kommen zur Geltung, sodass für einmal nicht die schulische Begabung im Vordergrund steht.

Emma ist Geschichte, und das ist schon auch recht so. Es bleiben einige gute Erinnerungen, ein Schlafmanko und ein Kapitel, welches mich etwas mehr mit den anderen Autoren verbindet. 

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