30.03.2017 16:54
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Indien
Bauern fürchten «Junkie-Papageien»
Indische Bauern haben mit opiumsüchtigen Papageien zu kämpfen. Grund für dieses Verhalten: Die Vögel vergreifen sich am Milchsaft des Schlafmohns. Den Bauern drohen Konsequenzen.

In Indien dürfen Bauern unter strengen Auflagen Schlafmohn anbauen. Aus diesem wird für medizinische Gründe Opium produziert. Alle Teile des Schlafmohns enthalten Alkaloide. Im Milchsaft ist die Konzentration besonders hoch. Aus diesem Saft kann das Opium gewonnen werden. Nun machen sich aber Papageien über die Mohnfelder her, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Erstmals wurde dieses Phänomen 2015 beobachtet.

Vögel fallen von den Bäumen

Erntehelfer schneiden am Abend die Mohnkapseln auf. Es quillt anschliessend ein Saft hervor, der die Alkaloide beinhaltet. Der Saft führt zu einem Opiumrausch. Die drogenabhängigen Papageien haben bereits raffinierte Techniken entwickelt, um die Bauern zu überlisten. Sie fliegen nach dem Aufschneiden auf die Felder und nehmen den berauschenden Saft zu sich. Um nicht aufzufallen, nähern sie sich den Feldern fast geräuschlos.

Die Vögel sind nach dem Konsum des Safts teilweise so berauscht, dass sie auf den Ästen einschlafen. Einige von ihnen stürzen von den Baumkronen in den Tod, schreibt die «Morgenpost». «Die Angriffe auf die Felder hat in den vergangenen Wochen zugenommen», sagt Nagin Rawat, der stellvertretende Chef der Landwirtschaftsbehörde im betroffenen Distrikt Neemuch im Zentrum Indiens. «Die Papageien sind so abhängig, dass sie sich auch nicht von lautem Trommeln oder Feuerwerk vertreiben lassen», fährt er fort. Sie würden ihr Leben riskieren, um an den Saft zu kommen.

Opium

Zur Gewinnung von Opium werden die noch grünen Mohnkapseln in den Abendstunden stellenweise angeritzt. In den folgenden Morgenstunden wird der getrocknete, braun verfärbte Milchsaft der gegliederten Milchröhren – das Rohopium – durch Abkratzen gewonnen. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt, bis die Fruchtkapsel gleichmässig vernarbt ist. Eine Kapsel liefert etwa 20–50 mg Rohopium, das 3–23 % Morphin enthält. Morphin wird zur Schmerzbekämpfung bei starken Schmerzen, wie bei Tumoren, sowie bei chronischen Schmerzen verschiedenen Ursprungs eingesetzt.

Bauern drohen Konsequenzen

Doch nicht nur Papageien, sondern auch Antilopen haben es auf den Mohn abgesehen. «Wir kämpfen bereits seit einigen Jahren mit Antilopen, die in unsere Felder einbrechen. Jetzt kommen noch die vom Opium besessenen Papageien dazu. Sie sind kaum zu kontrollieren», klagt Bauer Ram Pratap. Und immer mehr dieser Vögel würden sich auf die Felder stürzen.

Die Bauern befürchten nun, dass sie die Lizenz verlieren, weil sie die vereinbarten Quoten nicht mehr erfüllen können. Auch drohen ihnen rechtliche Konsequenzen, wenn sie die vorgeschriebenen Mengen nicht abliefern können Deshalb schützen einige von ihnen ihre Felder mit Netzen. Noch habe kein Landwirt Ernteverluste gemeldet, sagt der Vertreter der Landwirtschaftsbehörde. Er ist aber skeptisch, ob die Netze die drogensüchtigen Papageien stoppen werden. Die Antilopen hätten es auch geschafft, die zwei Meter hohen Zäune zu überqueren.

Schlafmohn

Schlafmohn eine Pflanzenart aus der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae), die aus dem östlichen Mittelmeerraum stammt. Der Samen kann als Nahrungsmittel sowie zur Ölgewinnung verwendet werden. Alle Teile des Schlafmohns enthalten Alkaloide, in hoher Konzentration vor allem der Milchsaft, der in einem dichten Netz von Milchröhren die ganze Pflanze und insbesondere das Perikarp der Fruchtkapsel durchzieht. Dieser Saft kann geerntet werden und bildet in getrockneter Form das Rauschgift Opium.

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