19.10.2016 11:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Basel-Land
Bauern gegen Schwingfest
Das Eidgenössische Schwingfest gehört (ESAF) zu den grössten Publikumsanlässen der Schweiz. Der basellandschaftliche Schwingerverband möchte in der Region Aesch BL im Jahr 2022 das ESAF durchführen. Bauern wehren sich dagegen.

Hunderttausende Menschen sind in diesem Sommer nach Estavayer FR gepilgert, um dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) beizuwohnen. Der Sportanlass ist längst ein gesellschaftlicher Grossanlass geworden. Viele Besucher reisten nicht nur wegen dem Sportlichen in die Romandie, sondern auch um den Event zu geniessen.

Entscheid bereits Anfang Juni getroffen

Das nächste Schwingfest wird in 2019 in Zug durchgeführt. Drei Jahre später möchte der basellandschaftliche Kantonalschwingerverband das Fest ausrichten. Als Gelände für den grössten Sportanlass hat der Verband das Aescher Feld zwischen Aesch BL und Reinach BL ins Auge gefasst. Die benötigte Fläche beträgt mehrere dutzend Hektaren.

Acht Bauern aus der Region wehren sich aber gegen die Pläne des Verbandes, wie die «Basellandschaftliche Zeitung» berichtet. Ihren Entschluss haben die Landwirte bereits Anfang Juni gefasst. Sie teilten ihren Entscheid dem Verband mit. Dieser meldete sich bei den Betroffenen nicht mehr. Zudem hat der Verband die ablehnende Haltung der Landwirte nicht in die Öffentlichkeit getragen, was diese offenbar erzürnte. In einem offenen Brief gelangten die Bauern nun an die Medien.

Schwingerverband wartet Studie ab

Sie seien gegen das «Eidgenössische» in Aesch, denn das vorgesehene Gelände sei «höchst ungeeignet» für solch einen Grossanlass, halten die Betroffenen fest. Der Schaden für das landwirtschaftlich genutzte Land übersteige den Nutzen bei weitem. Der Schwingerverband will sich nicht zum Schreiben äussern. Dieser will die Resultate der Machbarkeitsstudie abwarten, die im November vorliegen sollen. Die Unterstützung vonseiten des Kantons Baselland hat der Verband indes.

Das Land im Aescher Feld gehört mehrheitlich der Einwohnergemeinde Basel-Stadt. Die Bauern sind also Pächter des Landes. Der Schweizerische Pächterverband hat für die Landwirte Abklärungen vorgenommen. Diese sind brisant: «Das bäuerliche Pachtrecht überträgt den Landwirten in dieser Frage – unabhängig vom allenfalls abweichendem Grundeigentum – die abschliessende Verfügungsgewalt.» Die Bauern hätten demnach das letzte Wort bei der Durchführung.  

Gemeinde will mit Bauern zusammen entscheiden


Beim Grundeigentümer sieht man dies ein wenig anders. «Der Entscheid wird bei uns getroffen», sagte Barbara Neidhart von der Einwohnergemeinde Basel-Stadt gegenüber dem «Wochenblatt». Nun krebst die Gemeinde zurück. Man werde einen «solchen gewichtigen Entscheid ganz sicher zusammen mit den Pächtern fällen», hielt sie nun gegenüber der «Basellandschaftlichen Zeitung» fest.

Gemäss Bernhard Koch, Geschäftsführer des Pächterverbandes, handelt es sich um einen einmaligen Fall. Solange der Pächter das Land entsprechend dem Pachtvertrag bewirtschaftet, könne man ihm dieses nicht entziehen, um es anderweitig zu nutzen, so Koch. Nebst den Bauern haben sich auch Umweltschutzorganisationen gegen den Austragungsort formiert. Dies deshalb, weil dort schützenswerte Tierarten brüten würden. Der Schwingerverband hat gegenüber den Umweltschützern ein Entgegenkommen signalisiert. Der Standort des Stadions soll verschoben werden. Die Verbände halten aber am Widerstand fest.

Fussballstadion als Alternative?

Letztmals wurde 1977 ein Eidgenössisches Schwingfest in der Region ausgetragen. Damals wurde der Anlass im Fussballstadion St. Jakob ausgetragen. Die Kapazität der Heimstätte des FC Basel liegt bei 38‘000 Sitzplätzen. Eher limitierend ist das Gebiet rund um Stadion, da dieses stark zugebaut ist. Ob sich hier ein Festgelände installieren liesse, ist fraglich. Zumindest dann, wenn das Festgelände wieder für mehr mehrere zehntausend Besucher Platz bieten soll.

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