26.03.2020 11:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Monika Gerlach
Italien
Bauern liefern in die ganze Welt
Die erste Leserreise des Schweizer Bauer 2020 führte eine Gruppe von 33 Personen in den Süden Italiens, nach Sizilien. Die grösste Insel des Mittelmeerraums galt als Kornkammer Roms. Heute exportieren die Sizilianer vor allem Zitrusfrüchte, Gemüse, Olivenöl, Wein und Käse

Die erste Leserreise des Schweizer Bauer 2020 führte eine Gruppe von 33 Personen in den Süden Italiens, nach Sizilien. Die grösste Insel des Mittelmeerraums galt als Kornkammer Roms. Heute exportieren die Sizilianer vor allem Zitrusfrüchte, Gemüse, Olivenöl, Wein und Käse

Anfang März startete die Leserreise vom Schweizer Bauer nach Sizilien. Bis kurz vor dem Abreisetag waren alle gespannt ob diese Reise stattfinden würde, denn in Norditalien war das Coronavirus bereits weit verbreitet. Aber Sizilien ist eine Insel weit im Süden. Und zwischen Mailand und Catania liegen 1339 Autobahnkilometer. 

Viele Zitrusfrüchte

Sizilien besteht zu zirka 90% aus Hügelland und Bergen. Der Ätna ist der höchste aktive Vulkan Europas und ist ungefähr 3300m hoch. Der Wert schwankt von Ausbruch zu Ausbruch. Die Landwirtschaft hat einen hohen Stellenwert. 

Exportiert werden neben Zitrusfrüchten auch Gemüse, Oliven, Mandeln, Wein und Hartweizen für die Teigwarenproduktion. 70% der gesamt italienischen Zitrusfrüchte werden in Sizilien angebaut und das Olivenöl besitzt wegen der fruchtbaren Böden ein besonders feines Aroma.

Eine andere Welt

In einer Gruppe von 33 Personen flogen wir von Zürich nach Catania und landeten am Abend auf dem Flughafen Fontanarossa. Leider lag der Vulkan Ätna in den Wolken und so konnten wir ihn im Landeanflug nicht sehen. Unsere italienische Reiseleiterin und der Buschauffeur holten uns ab und brachten die Reisegruppe ins Stadtzentrum von Catania. 

Ein gemütlicher Spaziergang führte durch die Altstadt zum Hotel. So erhielten wir einen ersten Eindruck von den monumentalen Gebäuden vergangener Zeiten. Die Hotelcrew war bereits auf Corona-Prävention eingestellt, so gab es überall die Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren. Die Tische im Speisesaal waren mit einem Meter Distanz platziert, die Kellner trugen Einweghandschuhe und servierten uns ein vorzügliches, typisch sizilianisches Abendessen.

Schwarz durch den Vulkan

Catania wird die schwarze Tochter des Ätna genannt. Bei einem verheerenden Ausbruch im Jahr 1669 wurden weite Teile der Stadt vollkommen zerstört. Das heutige Catania liegt höher, denn unter ihr liegt die alte, von Lava und Asche bedeckte Stadt. Viele Gebäude und Plätze verwendeten die erkaltete, schwarze Lava als Baumaterial. 

Bis heute ist der Ätna aktiv und wird rund um die Uhr überwacht, so dass niemand Angst vor ihm haben muss. Von den Einheimischen wird er liebevoll «Mutter Ätna» genannt. Seine Asche verteilt sich mit jeder Aktivität in der näheren Umgebung und führt zu sehr fruchtbaren Böden. Auch das Klima ist mild, womit die Region als Hauptanbaugebiet für Zitrusfrüchte und Pistazien prädestiniert ist. In der Zeit von Mai bis September fällt kaum Niederschlag, und da Catania im Regenschatten des Vulkans liegt, ist es der Ort mit der geringsten Niederschlagsmenge.

6000 Liter Olivenöl pro Tag

Am ersten Morgen fuhr die Gruppe mit dem Bus zu einer interessanten Betriebsbesichtigung. Am Fusse des Vulkans stand der Besuch eines Olivenölproduzenten auf dem Programm. Die Olivenerntesaison beginnt in Sizilien im September und endet im Januar. Während dieser Zeit werden in Adrano täglich zirka 6000 Liter Olivenöl gepresst. 

Bio und konventionell, natürlich oder mit Aromen sowie immer kaltgepresst. Mit über 1000 Produzenten gibt es Lieferverträge, damit das internationale Kundennetz bedient werden kann. Vertrieben wird das Olivenöl in die ganze Welt. Neben den Vertragslieferanten kommen auch private Personen mit ihren Oliven, lassen sie pressen und nehmen im Anschluss ihr eigenes Öl zurück. Kaltgepresstes Olivenöl darf in keiner Sizilianischen Küche fehlen.

Trester gibt bessere Milchgehalte

Die Weiterverarbeitung von Nebenprodukten läuft nebenher und erfordert eine professionelle Organisation. Mit den Universitäten von Catania und Messina gibt es Versuchsprojekte, um auch die Reste, wie zum Beispiel die Olivenkerne und den Trester, nutzen zu können. Damit soll Foodwaste vermieden werden. Erste Ergebnisse liegen bereits vor. Der Trester wurde im Freien getrocknet und Rindern verfüttert. Forscher konnten den Nachweis erbringen, dass die so gefütterten Tiere einen besseren Muskelaufbau und höhere Gehalte in der Milch erzielten. 

Beim Pressvorgang wird das Öl aufgefangen, welches noch mit Waschwasser vermischt ist. Das Nebenprodukt «Wasser» enthält noch Bestandteile, die für die Kosmetikindustrie interessant sind. Deshalb wird diese Flüssigkeit zentrifugiert, um die festen von den flüssigen Teilen zu separieren. Das Interesse der Kosmetikbranche ist vorhanden, der Absatz kein Problem.

Zur Person

Monika Gerlach arbeitet seit 2018 als freie Journalistin für den Schweizer Bauer. Sie ist in Deutschland aufgewachsen, seit 2002 ist sie in der Schweiz und seit 2017 auch in Sizilien wohnhaft. Gerlach ist Landschaftsgärtnerin, Landwirtin, Älplerin und Natur- und Umweltfachfrau.

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