10.02.2013 17:45
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Bauernkonferenz
Bauern sollen Gesellschaft Wurzeln und Halt geben
In Winterthur trafen sich am Wochendende Bäuerinnen und Bauern aus der ganzen Schweiz zur Bauernkonferenz 2013. Markus Ritter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV), redete für einmal mehr über den Glauben als über Agrarpolitik. Die kam aber auch an die Reihe.

Die Begrüssung des höchsten Schweizer Bauers durch Pfarrer Andreas Keller, der zusammen mit der Stiftung Schleife die Bauernkonferenzen organisiert, war betont unkompliziert. «Auch Spitzenpolitiker sind selbst Menschen aus Fleisch und Blut, wie Du und ich», meinte Keller. SBV-Präsident und Nationalrat Markus Ritter (CVP, SG) nahm den Ball auf: «Ich bin da als Bauer und Mensch». Er erzählte den gegen 1000 Besuchern aus einer sehr persönlichen, menschlichen Sicht über sein Glaubensleben. «Religion ist für mich wichtig», betonte er. Und obschon er Katholik sei, sei ihm auch der reformierte Glaube vertraut. «Meine Frau und ich haben eine ökumenische Ehe.»

Arbeiten mit der Erde

Die Bauern seien seit jeher die Berufsgattung, welche am stärkten mit der Natur arbeite, so Ritter. «Wir Bäuerinnen und Bauern sind schon mit unserer Arbeit Gott etwas näher. Wir sind Wind, Hagel und Wetter ausgeliefert», betonte er.. Denn ob es eine  gute Ernte gebe, liebe nicht in der eigenen Hand. Das sei schon in der Bibel so beschrieben und er zitierte dazu 1.Mose 8, 22:  «Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.»

Er sei überzeugt, dass die Bauern in Zukunft eine wichtige Rolle spielen würden. «Schauen Sie in die Welt. Wir habenjedes Jahr 80 Millionen Menschen mehr, die essen wollen.» Und wenn es zu wenig habe, dann schlössen zuerst die Agrarexporteure die Grenzen. Denn bei Knappheit gehe das Essen nicht dorthin, wo es am dringendsten gebraucht werde, sondern dorthin, wo es Geld hat. «Wir in der Schweiz haben das Gefühl, es reiche immer. Aber es ist unsere Aufgabe, selber Lebensmittel zu produzieren, anstatt die Weltmärkte abzuräumen», gab er sich überzeugt.

Halt für Gesellschaft

Aber auch auf moralisch-ethischem Gebiet könnten die Bauern wichtig werden: «Unsere Gesellschaft sucht immer mehr nach Halt und Wurzeln. Und wir Bauern haben noch Wurzeln. Es ist unsere Aufgabe, diese Wuzeln zu vermitteln.» Man sollte sich auch Zeit für den Herrgott zu reservieren, forderte er. «Aber nicht nur ein Stossgebet, wenn ihr am Heuen seid und es schon tröpfelt», fügte er an und erntete einige Lacher.

Im Anschluss diskutierte Ritter unter der Leitung von Andreas Keller zusammen mit Dominic Haab, Junglandwirt aus Mettmenstetten  ZH, Nicole Ammann, Jungbäuerin aus Rümlang ZH, sowie  Simon Lanz, Mitarbeiter beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) aus Thun BE.

Hinter Vater stehen

Keller wollte von Haab wissen, ob er eine Zukunft in der Milchbranche sehe. «Wir haben zwar grosse Herausforderung in der Milchbranche. Ich glaube aber auch, dass Gott für uns ist. Auch wenn die Umstände nicht gut sind», erwiderte dieser. Seine Rolle sehe er im Moment darin, hinter seinem Vater, Kantonsrat und Big-M-Präsident Martin Haab zu stehen, während der seine politische Arbeit auch in der Milchpolitik mache.

Moderator Keller sprach Nicole Amman darauf an, warum sie Bäuerin geworden sei. «Ich komme aus der Ostschweiz und wollte nie einen Bauern heiraten und schon gar keinen Zürcher. Doch Gott hat mich verändert», betonte sie. Mittlerweilen finde sie Bauer den schönsten Beruf.

Teufelskreis brechen

Von BLW-Mitarbeiter Simon Lanz wollte Keller wissen, ob es im BLW Leute gebe, welche beten würden. Es gebe eine Gruppe von Christen, welche sich im BLW träfen, um zu beten, bestätigte Lanz. «Wir beten für Bauernvertreter, aber auch für Bauernfamilien», fügte er an. Es gebe oft auch Frust gegen das BLW. «Wir wollen den Teufelskreis des Fluchen und Klagen durchbrechen. Wir wollen Bauern segnen und hinter ihnen stehen», betonte er.

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