28.05.2018 15:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Bei der Hofprüfung fliesst Blut
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten.

In der vergangenen Woche habe ich so viel erlebt, entdeckt und erledigt. Ich könnte locker gefühlte tausend Seiten schreiben. Besonders prägend war die Hofprüfung am Donnerstag. Ich wurde in den Themen Tierhaltung und Mechanisierung während je 1,5 Stunden abgefragt und musste meine praktischen Fähigkeiten beweisen. 

Ich hatte noch nie eine dreistündige Prüfung. Zudem war ich im Ungewissen, was genau die Experten wissen und sehen wollten, was die Vorbereitungen erschwerte. Dementsprechend war ich supernervös.

Dreistündige Hofprüfung

In den vorhergehenden Tagen hat mich Töbu immer wieder unterstützt und die Maschinen zum X-ten Mal erklärt. Vor allem hat er aber versucht mich zu beruhigen. Ich weiss nicht, ob ich jemals so nervös war. An unserer Hochzeit jedenfalls nicht. Rückblickend betrachtet, kostete mich dies viel Energie, war aber unnötig. Bei der Tierhaltung musste ich eine Kuh an der Halfter aus dem Stall führen, die Körperteile benennen, ebenso die Krankheitszeichen und unser Zuchtziel erklären. 

Hier wurden auch Fragen zu Zellzahlen, Melkbarkeitsprüfung, lineare Beurteilung und viele mehr gestellt. Als zweite Aufgabe hatte ich unser Melksystem, das genaue Vorgehen, die Teilchenbenennung und worauf wir Wert legen beim Melken, zu beschreiben. Dann, als Abschluss der Tierhaltung, stand die Sommerfütterung auf dem Programm. Da diese bei uns Vollweide, und somit recht einfach ist, sprachen wir auch über TMR und Weidesysteme. 

Traktorservice und Messerwechsel

Bei der Mechanisierung musste ich an unserem Traktor den Service vornehmen, den man alle 100 bis 300 Stunden machen muss. Das Problem war, dass wir dies gar nicht selber machen und ich nebst Öl- und Luftkontrolle in den Pneus, sowie Ausblasen aller Filter und schmieren, nichts machen konnte. Ich begründete dies mit unserer Betriebsgrösse, dass wir nicht für Alles Zeit hätten und unser Mechaniker dies gut erledigen würde.

So kamen wir zur zweiten Aufgabe: Ladewagen anhängen, aus der kleinen Garage fahren und nach einem Umfahren der Scheune wieder rückwärts in die Garage parken. Dies verlief recht gut. Als letzte Aufgabe musste ich beim Motormäher das Messer wechseln und die Bedienung erklären. Ich war so nervös, dass ich kurz unvorsichtig handelte und mich in den Finger schnitt. Zwar lief das Blut runter, jedoch ist die Wunde nicht all zu schlimm.

Grosse Leere nach der Prüfung

Beim Mittagessen liess die Spannung der Prüfung langsam nach. Ich fühlte eine grosse Leere und hätte am liebsten einen langen Mittagsschlag genossen. Doch dafür blieb keine Zeit. Es stand Mähen auf dem Programm: während ich mit dem Mähwerk ausrückte, packte Töbu den Motormäher. 

Bis am Abend waren rund 10 Hektar gemäht. Zwar gab es etwas später Feierabend, doch den Kühen die Glocken und Treicheln anzuziehen, wollte ich mir nicht nehmen lassen. 

Stressiger Freitag für Töbu

Am Freitag konnte ich den Unterricht am Inforama nicht schwänzen, zwei wichtige Tests standen an. So liess ich Töbu im Stich. Er hatte ein Monsterprogramm vor sich. Als ich gegen 17 Uhr nach Hause kam, trugen die Kühe bereits ihre Halftern und der Lohnunternehmer war da, um sie auf die Alp zu transportieren. 

Dies ist zwar etwas übertrieben, weil der letzte Kilometer unserer Alpzufahrt so steil ist, dass die Kühe selber marschieren müssen. Bis alle Kühe, die Kälber, und wir mit den nötigsten Utensilien auf der Pfidertschegg waren, schlug die Uhr bereits 20 Uhr. Ein Fondue zum Znacht bietet aber einen guten Start in die Alpsaison

Supersamstag

Dass die elf erstlaktierenden Kühe noch nie angebunden waren, bereitete uns etwas Kummer, doch es verlief gut und bald hatten alle 21 Kühe ihren Platz zum Melken gefunden. Weit mehr Zeit nahmen die Kälber in Anspruch. Sie genossen ein nächtliches Abenteuer und rissen aus. Bis wir sie wieder im Stall hatten, verstrich mehr als eine Stunde. Um zehn Uhr kamen wir endlich in Fahrni an. 

Ich stieg sofort auf den Traktor, um die Schwade zu formen, denn um zwölf Uhr kam der Lohnunternehmer um Siloballen zu pressen. Töbu goss die Milch in den stationären Tank, stallte die Kälber und kreiselte die gemähten Heuflächen. Mit einem Sandwich in der Hand löste er mich kurz nach Mittag ab. Ich solle nach Hause gehen, der Mechaniker komme bald, weil der Ladewagen einmal mehr nicht funktioniere. Anschliessend könne ich Heu einführen, während er mit dem Schwaden weiterfahre, sagte Töbu.

3 Ladewagenpannen

Gesagt getan, der Ladewagen funktionierte wieder und ich konnte fleissig Heu nach Hause transportieren. Beim zehnten Fuder musste ich beim Kreisel anhalten, beim Beschleunigen schaltete ich vom zweiten in den dritten Gang als ein älterer Herr mit seinem Auto mir entgegen kam, auf der falschen Strassenseite versteht sich. Ich hatte keine andere Wahl als eine Vollbremsung. Zu allem Übel zeigte mir der andere den Vogel. Als ich meinen Ärger heruntergeschluckt hatte, merkte ich, dass sich beim Ladewagen eine Bremse nicht mehr löste.

Alles vor- und rückwärtsfahren, bremsen und wieder anfahren nützte nichts. Der Mechaniker musste wieder kommen. Kurz vor 18 Uhr wollte ich das zweitletzte Fuder in Süderen holen, als plötzlich das Pickup nicht mehr richtig funktionierte. Ich konnte den Schaden wieder nicht selber beheben. Töbu kam mir helfen und wir beschlossen, für die letzten vier Schwaden den Lohnunternehmer anzurufen. Er soll Siloballen machen, denn schliesslich warteten schon längst die Kühe auf der Pfidertschegg. Eine Fuhr von Fahrni nach Süderen dauert fast eine Stunde. Und der Ladewagen zeigte sich wenig einsatzfähig.

21 Uhr: Feierabend

So kamen wir um 19 Uhr endlich auf die Alp. Die Kühe sind momentan während des Tages und der Nacht draussen und können in den Laufstall, der für die Rinder ist. Alle waren ganz unten in der Weide freudig am Grasen. Während dem Hochtreiben erreichte uns das Gewitter. Und auch die Botschaft, dass es der Lohnunternehmer nicht mehr geschafft habe. Das Heu sei nun verregnet, er werde aber die drei Siloballen später noch pressen, erklärte der Lohnunternehmer.

Während ein heftiges Gewitter, glücklicherweise ohne Hagel, über das Eriz zog, verrichteten wir unsere Stallarbeiten und machten um 21 Uhr Feierabend. Als wir zum Znacht Rösti, Spiegelei und Bratwurst genossen, erblickten wir einen wunderschönen Regenbogen, der den Stress der vergangenen Tage vergessen liess.

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