27.01.2018 09:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gesundheit
Bereits 1 Zigarette am Tag schadet
Schon eine Zigarette am Tag erhöht das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und Schlaganfall erheblich. Trotz stark reduzierter Zigarettenzahl ist das Risiko noch etwa halb so gross wie bei Rauchern, die 20 Zigaretten am Tag konsumieren, wie Forscher im «British Medical Journal» berichten.

Es bringe im Hinblick auf diese Erkrankungen nichts, das Rauchen einzuschränken, schreiben die Wissenschaftler. Raucher sollten ihr Laster stattdessen komplett ablegen.

Eine Milliarde raucht

Etwa eine Milliarde Menschen auf der Welt seien derzeit Raucher, schreiben die Forscher um Allan Hackshaw vom University College London in dem Fachartikel. Vor allem in vielen ärmeren Ländern sei ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung hoch.

Dass Rauchen nicht nur das Krebsrisiko, sondern auch das Risiko für Schlaganfall und koronare Herzerkrankungen erhöht, ist schon lange bekannt. Bei einer koronaren Herzerkrankung sind die Herzkranzgefässe verengt oder verschlossen, ein Herzinfarkt kann die Folge sein.

Anteil leichter Raucher gestiegen

In einigen Ländern wie Grossbritannien und den USA sei in den letzten Jahren der Anteil der leichten Raucher, die weniger als zehn Zigaretten am Tag rauchen, kontinuierlich gestiegen. Nicht wenige Menschen glaubten, dass es der Gesundheit nicht oder nicht so sehr schade, wenn man nur einige Zigaretten täglich raucht, so die Forscher weiter.

Dass das so nicht stimmt, liessen bereits einige Studien vermuten. Sie zeigten, dass auch leichte Raucher ein stark erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen haben. Um dem genauer auf den Grund zu gehen, werteten die Forscher insgesamt 141 Studien zum Thema aus, die zwischen 1946 und Mai 2015 veröffentlicht wurden.

Frauen haben höheres Risiko

Einige der Ergebnisse: Männer, die etwa eine Zigarette am Tag rauchen, haben ein um 48 Prozent höheres Risiko für Herzerkrankungen und ein um 25 Prozent erhöhtes Risiko für Schlaganfall als Nichtraucher. Bei Frauen stieg das Risiko noch stärker: um 57 Prozent für Herzerkrankungen und um 31 Prozent für Schlaganfall.

Zusammengenommen tragen Raucher, die eine Zigarette am Tag rauchen, noch 40 bis 50 Prozent des erhöhten Risiko, das mit dem Rauchen von 20 Zigaretten täglich einhergeht.

Auch Passivraucher gefährdet

«Wir haben gezeigt, dass ein Grossteil des Risikos für koronare Herzerkrankungen und Schlaganfall vom Rauchen nur einiger weniger Zigaretten täglich kommt», erläutern die Autoren. «Das überrascht viele Menschen vielleicht. Es gibt aber biologische Mechanismen, die das unerwartet hohe Risiko im Zusammenhang mit dem Wenig-Rauchen erklären.»

So hätten Studien gezeigt, dass Inhaltsstoffe im Zigarettenrauch etwa die Auskleidung der Blutgefässe schädigten und Atherosklerose und Thrombosen verursachten. Schädliche Wirkungen träten schon bei geringen Konzentrationen auf, teils selbst bei Passivrauchern. Bei Lungenkrebs hingegen steige das Risiko proportional mit der Zahl der täglich gerauchten Zigaretten.

Wenig-Rauchen nicht unterschätzen

Unter Fachleuten sei schon länger bekannt, dass die Inhaltsstoffe im Tabakrauch schon in sehr geringen Dosen vor allem das Herz-Kreislauf-System schädigten, bestätigt Ute Mons, Leiterin der Stabstelle Krebsprävention und des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. In der Allgemeinbevölkerung und selbst unter Ärzten sei das häufig noch nicht bekannt.

«Für das gesamte Krankheitsrisiko ist es natürlich immer noch besser, 2 anstatt 20 Zigaretten am Tag zu rauchen. Aber man darf die Risiken des Wenig-Rauchens nicht unterschätzen.» Auf Bevölkerungsebene bedeute der in der Studie festgestellte Anstieg des Risikos um etwa 50 Prozent bei einer Zigarette täglich eine ganz erhebliche Zahl von Krankheitsfällen, weil kardiovaskuläre Erkrankungen insgesamt schon sehr häufig seien.

Schnell positive Entwicklung bei Abstinenz

Raucher sollten am besten ganz mit dem Rauchen aufhören, schreiben die Wissenschaftler. Auch Gesundheitskampagnen sollten auf die vollständige Abstinenz - und nicht auf das Weniger-Rauchen - zielen.

Anders als bei Krebs träten viele der positiven Effekte schnell ein. Nach Ansicht der Wissenschaftler können Raucher auch mit Hilfe von Nikotinersatzprodukten oder E-Zigaretten aufhören. Letztere würden von etlichen Experten als wesentlich sicherer bewertet als Zigaretten.

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