30.05.2014 10:11
Quelle: schweizerbauer.ch - Werner Kamber
TV-Show
Bergbauernbub machte das Rennen
Zu ihrem Bauernhof kamen sie vor drei Jahren durch ein Inserat im «Schweizer Bauer». Zu nationaler Bekanntheit kam ihr 13-jähriger Sohn Joshua durch seinen Sieg vor zwei Wochen in der TV-Sendung «Alperöösli».

Rechen beim Heuen ist seine aktuelle bäuerliche Tätigkeit, aber auch Hagen gehört zu seinen Pflichten: der Sechstklässler Joshua Broger, «Oberer Sand», Trogen AR, seit einer Woche neuer Medienstar der Schweiz. Mit der «Steiner Chilbi» hat der Hackbrett-Virtuose vor genau einer Woche bei der Nachwuchssendung «Alperöösli» gewonnen – und seither ist «der Bär los», wie es seine Mutter Natascha formuliert.

Hat sich daran gewöhnt

Vor gut drei Jahren konnten seine Eltern den «Oberen Sand», eine Liegenschaft hoch über Trogen AR auf 1000 Metern kaufen. Damit erfüllte sich für Vater Josef, als Bauernsohn in Gonten AI aufgewachsen, ein Traum, nämlich eine eigene Liegenschaft zu besitzen. Unzählige Male schon hatten sie sich bei Verkäufen beworben; nie hatten sie Glück.

Dann ein Inserat im «Schweizer Bauer»: Biobetrieb, 11 ha, Ostschweiz, im Berggebiet. Trotz starker Konkurrenz – es gab mehr als 40 Interessenten – klappte es. Und so wurde aus Joshua, der zuvor in Appenzell in die Dorfschule ging, ein Bergbauernbub, der täglich mit dem Schulbus von einer Sammelstelle aus nach Trogen in die Schule gefahren wird. Die Frage: «Fühlst du dich als Bauernbub?» beantwortet er schlagfertig: «Ja schon, man hat sich daran gewöhnt.»

Er hilft nach Kräften im Betrieb mit einer reinen Milchschaf-Haltung mit 65 bis 70 Tieren. Bald kann mit dem Heuen begonnen werden, und hier sind die Rollen klar verteilt: Joshua hilft beim Rechen. «Bei uns wird eben noch gerecht», erklärt Vater Josef Broger, Meisterbauer, und fügt gleich an: «Schafhaltung bedeutet viel Hagen, auch das macht er.» 

Hackbrett-Feuer

Vom Hackbrett ist Joshua fasziniert, seit er dieses Instrument als dreieinhalbjähriger Knirps bei einer Appenzeller Streichmusik erstmals sah. Selbstverständlich übt er drei Mal täglich je 15 Minuten, vor einem Auftritt zum Beispiel am Radio oder Fernsehen auch noch drei Mal noch länger.
Die Frage nach seinem Lieblingsfach beantwortet der Sechstklässler mit Sport, «und Sprachen habe ich lieber als Mathe». Einen Berufswunsch hat er noch nicht. «Wenn möglich die Kanti besuchen.» Zuvor muss er zwei Jahre Sekundarschule absolvieren; aufgrund seiner guten Noten hat er sich hier bereits «qualifiziert».

Der Auftritt im «Alperöösli» hat den Schul-Fahrplan gebracht: Eine ganze Woche, rechnet seine Mutter Natascha aus, hat er deswegen gefehlt. Zwar gibt es auch in Trogen sogenannte Jokertage – aber nur zwei pro Jahr. «Danach braucht es eine schriftliche Bewilligung der Schulleitung». Das war kein Problem, denn was für sportliche Absenzen recht ist, soll bei der Musik billig sein, findet Joshuas Lehrer. Selbstverständlich muss der verpasste Schulstoff nachgeholt werden.

Per Schulbus ins Studio

Die 17 Mitschüler (nur einer oder zwei fehlten) kamen in den Genuss, die Sendung «Alperöösli» live mitzuerleben. Angereist wurde im Schulbus. Joshuas Familie selbst musste sich aufteilen: Mutter Natascha und der junge Künstler reisten schon am Mittag ins Fernsehstudio; der Vater begann mit dem Melken der Schafe etwas früher und reiste dann mit dem vier Jahre jüngeren Bruder Samuel nach.

Gewünschte Auftritte, so Joshua, würden in einer ersten Runde von ihm und seiner Mutter beurteilt und in einer zweiten Runde der Familie vorgelegt: Es gilt Fragen zu klären: Wie ist die Reise möglich? Wer kann alles mitkommen, weil ja auf die Schafe Rücksicht zu nehmen ist?

Nebenerwerbsbetrieb

Selbstverständlich handelt es sich beim «Oberen Sand», der durch eine Zupacht nun eine Fläche von 13 ha aufweist, nur um einen Nebenerwerbsbetrieb. Vater Josef ist im Hauptberuf Geschäftsleiter des LBA-Büros Ostschweiz mit Sitz in Weinfelden (Landwirtschaftliches Bau- und Architekturbüro). Diese Tätigkeit kommt ihm sehr zustatten: Der Stall wurde umgebaut, beim Wohnhaus ein Anbau errichtet mit einer neuen, grosszügigen Küche.

Das zweite Haus, welches auf derselben Liegenschaft steht, wird als Ferienhaus umgebaut; und Natascha möchte dort ihre frühere Tätigkeit, Kurse in Autogenem Training anzubieten, wiederaufnehmen. Auch ihren gelernten Beruf, typografische Gestalterin, übt sie wieder aus; mit Aufträgen vorab aus der Landwirtschaft. Zudem soll es später auch agrotouristische Angebote geben.

Übrigens hat sie, die als Einzelkind im Dorf Appenzell aufgewachsen ist, auch den Fachausweis Bäuerin erworben; «nun warte ich auf eine ‹freie Minute›, um die Diplomierte zu machen».

 

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