24.06.2016 06:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Alpblog
Bergfieber auf der Pfidertschegg
Esther Schneiter bloggt wieder. Im Winter 2014-2015 bloggte sie - noch unter ihrem ledigen Namen Siegenthaler - von Neuseeland aus. Letzten Sommer bloggte sie über den Alpsommer in Meienfall im Diemtigtal BE. Nach ihrer Heirat ist sie diesen Sommer mit ihrem Mann auf der Alp Fiedersegg in Horrenbach BE.

Auch in diesem Sommer gehe ich z’Bärg. Im Sommer 2015 bloggte ich vom Meienfall im Diemtigtal. In diesem, und wohl auch in den kommenden 40 Sommern, bin ich auf der Alp Fiedersegg in Horrenbach. Wieso in den kommenden 40 Sommern? Ich habe im vergangenen Winter geheiratet und helfe nun meinem Mann Tobias bei der Bewirtschaftung des Milchwirtschftsbetriebes.

Bereits über drei Wochen z‘Bärg

Bereits seit dem 31. Mai sind wir auf der „Pfidertschegg“, wie unsere Alp im Volksmund genannt wird. Sie liegt auf rund 1400 Meter über Meer. In diesem Sommer fressen 23 Kühe, 35  Rinder und 5 Kälber das Gras auf der 66 Hektar grossen Alp auf der linken Seite des Zulgtals. Die Kühe bleiben bis Ende August, die Rinder bis Mitte Oktober auf der Alp unterhalb des Bergs Sieben Hengste. Wie immer hat mich im Frühjahr das grosse Bergfieber gepackt und ich konnte kaum auf den ersehnten letzten Mai warten. Besonders kribbelig war ich, weil just am letzten Tag die Rohrmelkanlage fertig gestellt wurde.

Vorher wurde mit Standeimern gemolken. Für mich ist es eine Erleichterung, wenn die Milch nicht in Eimern aus dem Stall getragen werden muss, zumal geplant ist, dass ich bei Heuerwetter jeweils am Abend melken gehen werde, wenn Tobias auf dem Talbetrieb in Fahrni Futter einlegt.

Wir wollen uns wegen des Wetters nicht beklagen

Doch von Heuerwetter war in den ersten drei Wochen dieses Alpsommers wenig zu sehen. Obwohl es bei uns viel geregnet hat und überall um die Ställe viel Matsch liegt, wollen wir uns nicht beklagen. Vom Hagelwetter wurden wir nahezu verschont, die Nachbaralpen Zugschwand und Schöriz hatten weniger Glück. Auch haben wir, angesehen vom Weg, keine Schäden zu melden. Dass die Strasse „ausgefressen“ wurde, ist nichts Neues. Die Zufahrt ist mit bis zu 27 Prozent Steigung sehr steil. Es ist fast normal, dass es bei Gewittern Kies weggeschwemmt wird. Vor allem für den Transport mit der Milch ist diese Strasse ein Handicap. Wir bringen die Milch jeden Vormittag in den Talbetrieb, wo sie der Lastwagen via Hofabfuhr abholt.

Für einige mag dies suspekt klingen, dass wir täglich 15 Kilometer mit der Milch fahren. Doch wir erledigen sämtliche Erntearbeiten alleine, so müssen wir ohnehin pendeln. Zudem ist die Hütte auf der Pfidertschegg karg eingerichtet, Strom wird mit dem Generator erzeugt, Dusche haben wir keine. Wir geniessen den Luxus der täglichen Dusche. Auch ist die Alp nicht zum Käsen eingerichtet, wir haben kein Kessi und keinen Käsekeller.

Sonnenaufgang geniessen

Meist war es neblig, kalt und nass. Doch es gab auch Ausnahmen im Mai: der Sonnenaufgang über der Schrattenfluh, der Hohgant liegt noch im Schatten und vor den Sieben Hengsten steigt ein Nebel auf, die Vögel zwitschern, unsere sechs Hühner gackern und die Glocken der weidenden Kühe hört man bimmeln. Wie in einem kitschigen Rosamunde Pilcher-Film tönt dies. Doch es ist die Realität, ein Alpmorgen auf der Pfidertschegg. Genau in solchen Momentan tanke ich meine Energie.

Die Kühe kommen vollgefressen in den Stall und legen sich nach dem Melken bald hin. Die 14 älteren Kühe bleiben im Zuckerhüttli, dem Anbindestall. Die restlichen neun, alle in der ersten Laktation, sind tagsüber im Laufstall. Dort wo auch die Rinder sind. Die Kühe werden zum Melken ins Zuckerhüttli getrieben. „Es isch mäuchig“, beschreibt Tobias den ersten Alpmonat. Obwohl das Wetter nicht nach unseren Wünschen ist, scheint das kühle Nass den Kühen zu passen. Dennoch, optimistisch schaue ich die Wetterprognosen und freue mich, dass es nun endlich wärmer und trockener wird.

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