6.07.2020 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Künsch
Aargau
Bier mit 100% Swissness
Regionalität ist im Trend. Auch Schweizer Brauereien werben vermehrt damit. Dies, obwohl genau genommen nur das Wasser aus der Region stammt. Hopfen und Malz werden importiert. Die IG Mittellandmalz will dies ändern.

Eine Stammtisch-Bier-Idee sei es gewesen, das eigene Feierabendbier zu brauen, erzählt Stefan Stutz, Mitbegründer der Drüüklang Bräu GmbH im aargauischen Oberlunkhofen. Gesagt,  getan. Seit Mai 2016 produziert Stutz zusammen mit Braumeister Christoph Schiffer mit ihrer aus Österreich importierten Brauanlage inzwischen jährlich rund 12000 Liter Füürabigbier in fünf Sorten. «Unser Bier besteht zu 100% aus Schweizer Malz und Hopfen», betont der hauptberufliche Postautounternehmer. Das Füürabigbier findet, auch wenn es mit 2.50 Franken teurer ist,  reissend Absatz und ist über lokale Gaststätten und ab Rampe erhältlich. «Konsumenten schätzen das lokal produzierte Bier, es ist immer auch ein Spiel mit Emotionen.»

Und Schweizer Braugerste?    

«2019 wurden in der Schweiz rund 75000 Tonnen Malz importiert, hauptsächlich aus Deutschland und Frankreich. Davon werden 70000 Tonnen zur Bierherstellung verwendet», informierte Dominik Füglistaller, Geschäftsführer IG Mittellandmalz, an einem Themenanlass. Dies, obwohl der Rohstoff für das Malz, die Braugerste, unter Schweizer Bedingungen wachsen würde. «Wir wollen Brauer und Landwirte näher zusammenbringen und die Produktion und Verarbeitung von Braugerste im Mittelland aufbauen und sichern», definiert Füglistaller die Vereinsziele. 

Zwischen 90 und 100 Franken pro Tonne wird für qualitativ gute Braugerste bezahlt. In enger Zusammenarbeit mit der Hafl (Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften) würden zudem Sortenversuche zum Braugerstenanbau durchgeführt. Besonders mit der Sorte Liga habe man bis anhin gute Resultate erzielt.   

Im Ausland gemälzt

Auf Initiative der IG Mittellandmalz werden dieses Jahr 79 Hektaren Braugerste angebaut, davon 50 Hektaren gemäss Richtlinien IP-Suisse, welche in Zusammenarbeit mit Denner das Chäferli-Bier lancieren will. 350 Tonnen Malz sollen so hergestellt werden können. Einziger Wermutstropfen: Vorerst muss die Verarbeitung von Gerste zu Malz in Ermangelung einer einheimischen Mälzerei noch in Deutschland vonstatten gehen. Trotzdem sieht Füglistaller Morgenröte: «Bei einer solchen Menge wäre die Verarbeitung in der Schweizer auch vom wirtschaftlichen Standpunkt her interessant.» Qualitativ auf dem Niveau von Importmalz, kostet der Schweizer Rohstoff bis zu viermal mehr als Importware, auf die Stange Bier mache dies zwischen fünf und sieben Rappen aus, rechnet Füglistaller.

Zweizeilige Gerste optimal

Für den Anbau von Braugerste eigne sich vorab grosse zweizeilige Gerste, informierte Landwirt Christoph Hagenbuch bei einem Augenschein auf seinem 2,5 Hektaren grossen Gerstenfeld in Unterlunkhofen. Mässige Düngung und kein Einsatz von Fungiziden und Herbiziden ist seine Maxime. «Braugerste erzielt rund zweieinhalbmal weniger Ertrag als normale Gerste. Für Qualitäts-Braugerste sollte der Proteingehalt zwischen neun und elf Prozent liegen.» Eine weitere Kulturart anzubauen, helfe die Fruchtfolge auf dem Betrieb aufzulockern und Fruchtfolgekrankheiten einzudämmen, was wiederum den Einsatz von Spritzmittel reduziere, ist Hagenbuch überzeugt.

Der Kanton unterstützt 

«Mit rund 70 Brauereien zeigt der Kanton Aargau eine lebendige und vielseitige Bierkultur», freut sich der Landwirtschaftsdirektor Markus Dieth und bekräftigt die Unterstützung des Kantons zur Förderung entsprechender Projekte. Der Aargau mit seinen überdurchschnittlich fruchtbaren Böden sei prädestiniert für den Getreideanbau. «Es ist mir ein grosses Anliegen, die lokalen Wertschöpfungsketten mit Bezug zum Aargau zu stärken, so ist ein Aargauer Bier, gebraut mit Aargauer Braugerste, ein Schritt in die richtige Richtung», und fügt launig noch ein altes Sprichwort an: «Auch Wasser wird zum edlen Tropfen, mischt man es mit Malz und Hopfen.»

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