22.08.2016 17:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Umwelt
Biomasse: Ackerbau beschleunigt Umsatz
Nicht nur die gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen laufen immer schneller ab: Der Mensch hat auch für die Natur das Rad der Zeit beschleunigt, fanden Wiener und Basler Wissenschaftler heraus.

Durch die Landnutzung werden weltweit die Stoffe in Pflanzen doppelt so schnell umgesetzt wie in einer natürlichen Vegetation, berichtet das Wiener Wissenschaftlerteam gemeinsam mit Christian Körner von der Universität Basel im Fachmagazin «Nature Geoscience».

Bisher war weitgehend unbekannt, wie lange eine Substanz wie Kohlenstoff in der Biomasse gebunden bleibt, bis er wieder in den Kreislauf abgegeben wird, also zum Beispiel in die Atmosphäre oder in den Boden gelangt, so die Wissenschaftler um Karl-Heinz Erb vom im Wien ansässigen Institut für Soziale Ökologie der Universität Klagenfurt. Dadurch war die Vegetation in den Klimamodellen schlecht berücksichtigt und deren Vorhersagen ungenau.

Sieben Jahre statt dreizehn

Erb und Kollegen haben nun diese globale Biomasse-Umsatzrate bei den heutigen Landnutzungs-Verhältnissen errechnet, und wie gross sie bei einer natürlichen Vegetation wäre. Wenn die Flora weltweit sich selbst überlassen wäre, bliebe ein Kohlenstoff-Atom im Schnitt dreizehn Jahre in der Biomasse gebunden, durch Ackerbau und Forstwirtschaft wurde diese Zeitspanne auf sieben Jahre verkürzt, erklärte Erb der Nachrichtenagentur APA.

Zu 59 Prozenten ist der Umbruch von Wäldern zu landwirtschaftlichen Flächen für diese Beschleunigung verantwortlich, die Forstwirtschaft zu 26 Prozenten und die Beweidung von natürlichen Grasländern zu 15 Prozenten, so die Forscher.

Bedarf an Biomasse steigt

Mit diesem Wissen könne und müsse man nicht nur die Klimamodelle genauer machen, sondern es sollte auch in öko-politischen Entscheidungen berücksichtigt werden, meint Erb. Je mehr Biomasse man nutzt, indem man die Landnutzung ausdehnt und intensiviert, umso mehr werden die Ökosystem-Umsatzraten beschleunigt.

Es könnte passieren, dass dadurch noch weniger Kohlenstoff in der Vegetation gebunden bleibt als ohnehin und der Klimawandel nicht gebremst, sondern vorangetrieben wird. Weltweit ist aber der Bedarf an Biomasse am steigen, weil immer mehr Menschen ernährt werden müssen und der Fleischkonsum steigt - Tiere müssen viel mehr Pflanzennahrung aufnehmen als sie Fleisch «liefern». Zudem soll Biomasse fossile Brennstoffe als Energieträger ersetzen. Man müsse sich für lokale oder globale Strategien aber jeweils genau anschauen, ob die vermehrte Biomasse-Nutzung klimatechnisch nicht mehr schadet als bringt, so Erb.

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