10.03.2018 17:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
St. Gallen
Blauer Dunst aus der Schweiz
In Steinach am Bodensee produziert Roger Koch zusammen mit 17 Mitarbeitenden echte Schweizer Zigaretten. Einer seiner Lieferanten ist der Landwirt Cornel Gähwiler aus Zihlschlacht, der auf 30 Aren Tabak anbaut.

Roger Koch ist ein vielseitiger Mann. Zuerst war er Lehrer. Danach baute er ein Übersetzungsbüro mit heute rund 100 Mitarbeitenden auf. Doch dann holte ihn ein Wunsch aus seiner Kindheit ein: Er wollte Zigaretten produzieren, die zu 100 Prozent aus der Schweiz stammen.

Der Erfolg gibt ihm Recht. Die hellen, die dunklen und vor allem die Hanfzigaretten sowie der Drehtabak gehen weg wie warme Weggli, total rund 30000 Pakete pro Woche. Ganz zur Freude auch der rund 180 Tabakpflanzer in der ganzen Schweiz.

Alte Idee umgesetzt

«Die Idee einer Schweizer Zigarette geht auf das Jahr 1987 und auf meinen Grossvater Ernst Gsell zurück», erzählt der Unternehmer. «Der Käser erzählte mir, dass in der Schweiz Tabak angebaut wird.»

Mit seinen zwölf Jahren war Koch aber noch zu jung, um damit konkret etwas bewirken zu können. Erst 2009, sein Grossvater war 1990 verstorben, entdeckte er das Buch «Tabakanbau leicht gemacht». Er pröbelte im eigenen Garten mit den Pflanzen und kam 2012 auf die Idee, daraus ein Geschäft aufzubauen, das in Erinnerung an seinen Grossvater den Namen Koch & Gsell bekam.

Die Vorabklärungen und der Aufbau des Maschinenparks dauerten aber drei Jahre, bis Koch 2015 in die Produktion einsteigen konnte. «Die beiden Tabaksorten Virginia und Burley beziehe ich bei der Sota, der Einkaufsgenossenschaft für Inlandtabak. Mein Ziel war aber, auch andere Sorten einzusetzen. Ich bekam von der Oberzolldirektion die Bewilligung dafür und fand auch die Landwirte, die bereit waren, mit den Sorten Burlina, Peremochez, Golta usw. zu experimentieren.»

30 Aren für Tabak

Zu diesen experimentierfreudigen Bauern gehört Cornel Gähwiler aus Zihlschlacht, bei dessen Vater Roger Koch seinen Landdienst absolviert hatte. «Als Roger Koch auf uns zukam, sagten wir im Frühling 2016 zu, weil wir die Idee des Schweizer Produktes spannend fanden», erzählt er. Er richtete 30 Aren her, wo letztendlich 9000 Tabakpflanzen gediehen.

Allerdings verlief dieser Einstieg nicht ganz problemlos. Er musste mit seinen Helfern die Jungpflanzen von Hand setzen, weil diese aufgrund des kalten Wetters länger im Treibhaus bleiben mussten und deshalb für die Setzmaschine zu gross geworden waren. Das Unkraut beschäftigte ihn.

Auch die Ernte wurde aufwendig. Ein Team schnitt die ganzen Pflanzen mit einem Messerbalken ab und hängte sie einzeln zum Trocknen auf (Stockernte). Am Schluss aber strahlt der Landwirt eine grosse Zufriedenheit aus. «Der Versuch war gelungen, und unsere Freude ist entsprechend gross. Besonders faszinierend war aber auch, dass in meinem Umfeld die Skepsis gegenüber dem Tabakanbau spürbar war. Sie hat sich in der Zwischenzeit in echtes Interesse gewandelt.»

Kam an Grenzen

Zurück zu Roger Koch: Für ihn war der Aufbau seiner Firma eine riesige Herausforderung. Sein Lieblingsgebiet war und ist die Forschung und Entwicklung der Zigarettensorten. Er kam aber auch an seine Grenzen, nicht nur finanziell, sondern auch kräftemässig.

Die Schwierigkeiten mit den Maschinen in der Produktion bereiteten ihm Sorgen. Aufwendig war die Suche nach Abnehmern, die er selber an die Hand nahm und mit Coop und später mit der Valora auch fand. «Hilfreich dabei waren nicht nur die ersten Abnehmer, sondern auch der Trend zu lokalen Produkten auch beim Tabak», betont Koch.

«Zudem fasziniert viele unsere Geschichte des superkleinen Schweizer Produzenten gegenüber den riesigen Konzernen, also David gegen Goliath. Den letzten Schwung gab uns die Lancierung der Hanfzigarette im Juli 2017. Sie ist weltweit einzigartig. Deshalb haben wir das Herstellungsverfahren patentieren lassen. Fast über Nacht interessierten sich zudem Investoren, womit wir viele Sorgen losgeworden sind.» 

Zigarre in Entwicklung

Stillstand gibt es für beide aber nicht. Roger Koch tüftelt bereits an neuen Produkten. Die Tabakblätter für eine Zigarre liegen bereits in der Presse. Andere Neuheiten sind in Entwicklung. Nach und nach will er auch seinen etwas überalterten Maschinenpark ersetzen. Dieser ähnelt heute in gewissen Teilen noch einer alten Manufaktur. Cornel Gähwiler wird sich nebst um seine 50 Kühe und 20000 Masthühner, um die Trutenmast und um den Ackerbau weiterhin um die Experimente mit Tabakpflanzen kümmern.

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