16.11.2016 06:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bluthochdruck
Bluthochdruck immer mehr eine Krankheit der Armen
Weltweit leiden heute rund 1,13 Milliarden Menschen an Bluthochdruck, doppelt so viele wie 1975. Dabei hat sich das Problem von Industrie- in Entwicklungsländer verschoben, wie eine internationalen Studie mit Schweizer Beteiligung zeigt.

Fast einer von vier Männern und eine von fünf Frauen weltweit litten 2015 an zu hohem Blutdruck. Das ist das Resultat der Studie, die im Fachblatt «The Lancet» erscheint. Darin flossen Blutdruckmessungen aus dem Zeitraum 1975 bis 2015 von mehr als 19 Millionen Personen in über 200 Ländern zusammen. Beteiligt waren auch Forschende der Uni Zürich sowie der Universitätsspitäler Lausanne (CHUV) und Genf (HUG).

Insgesamt habe sich die Zahl Betroffener weltweit in den letzten 40 Jahren verdoppelt, wie die Wissenschaftler im Fachblatt «The Lancet» berichten. Das führen die Studienautoren hauptsächlich auf die wachsende und alternde Weltbevölkerung zurück. Die Studie zeigt aber auch eindrücklich, wie sich Bluthochdruck vom Wohlstandsproblem zu einer Begleiterscheinung von Armut gewandelt hat.

Ein Armutsproblem

In Industrieländern habe sich die Situation seit 1975 eher verbessert, in Ländern mit niedrigen oder mittleren Durchschnittseinkommen hingegen verschlimmert, teilte das CHUV am Dienstag mit. Insbesondere in afrikanischen und südasiatischen Ländern stiegen die Fallzahlen.
«Hoher Blutdruck ist kein Wohlstandsproblem mehr wie es noch 1975 war», sagte Studienautor Majid Ezzati vom Imperial College London, das die Untersuchung koordiniert hat, gemäss einer Mitteilung des College. «Jetzt ist es ein grosses Gesundheitsproblem in Zusammenhang mit Armut.»

Rückgang in der Schweiz

In der Schweiz sei die Zahl der Menschen mit Bluthochdruck seit 1975 gesunken, und zwar in ähnlichem Masse bei Männern und Frauen, schrieb das CHUV. Dies sei trotz einer Zunahme der Körperfülle bei den Studienteilnehmenden beobachtet worden. Ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein allein könne den Rückgang nicht erklären.

Auch für andere Industrieländer sind die Gründe für den Rückgang unklar, aber die Studienautoren vermuten, dass sich die Gesundheit generell verbessert und der Konsum von Früchten und Gemüse zugenommen habe. Ausserdem werde das Problem in Ländern mit höherem Durchschnittseinkommen vermutlich häufiger und früher erkannt und mit Medikamenten behandelt, so Ezzati.

Ernährung in der Kindheit

Für den Anstieg von Bluthochdruck-Fällen in ärmeren Ländern spielt vermutlich die Ernährung in der Kindheit eine wichtige Rolle: «Es gibt immer mehr Hinweise, dass Mangelernährung in jungen Jahren das Risiko für Bluthochdruck im späteren Leben erhöht», sagte Ezzati. Er bezeichnete die Bluthochdruck-Epidemie in Niedrig- und Mittellohnländern als eines der dringlichsten globalen Gesundheitsprobleme.

Besonders betroffen ist Asien: Über die Hälfte der Erwachsenen mit Bluthochdruck lebten 2015 im asiatischen Raum, 226 Millionen in China und 200 Millionen in Indien. In den meisten Ländern der Welt leiden zudem häufiger Männer an zu hohem Blutdruck als Frauen, insgesamt 597 Millionen Männer gegenüber 529 Millionen Frauen.

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