13.10.2015 14:57
Quelle: schweizerbauer.ch - Eveline Dudda, lid
Boden (1/7)
Boden unter Druck
Die UNO-Generalversammlung hat das Jahr 2015 zum „Internationalen Jahr des Bodens” erklärt. Denn der Boden ist in vielerlei Hinsicht unter Druck. In der siebenteiligen Serie Boden, erfahren Sie mehr über die lebenswichtige Grundlage unserer Ernährung.

Dass immer mehr Landwirtschaftsfläche verbaut wird, ist augenfällig. Wo vor zehn Jahren noch Kühe weideten, stehen heute Lagerhallen. Die Wiesen, auf denen früher Fussball gespielt wurde, sind Wohnbauten gewichen. Alpen, auf denen Kühe weideten, sind verwaldet. Pro Sekunde gehen in der Schweiz 1,1 Quadratmeter Landwirtschaftsland verloren, in der Talfläche ist es sogar noch mehr.

Dabei ist das Überbauen von landwirtschaftlicher Nutzfläche nur eine Form des Bodenverlustes. Die anderen Formen sind weniger sichtbar. Dazu gehört zum Beispiel die Bodenerosion. Weltweit sind die Verluste riesig: Pro Jahr werden etwa 23 bis 26 Milliarden Tonnen Boden abgetragen. Das entspricht einem jährlichen Verlust von fast einem Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Böden weltweit.

Fruchtbare Böden gehen verloren

Erosion spielt in der Schweiz zum Glück eine eher kleine Rolle. Dafür findet hierzulande eine andere Art von Bodenschwund statt: Die Böden verlieren an Humus. Ehemals fruchtbare Torfböden sacken immer mehr ab und viele reine Ackerbaubetriebe weisen negative Humusbilanzen aus.

Oder der Boden wird durch das Befahren mit schweren Maschinen so sehr komprimiert, dass ihm, im wahrsten Sinne des Wortes, die Luft ausgeht. Auch das ist eine Form von Bodenverlust. Dazu kommt, dass der Boden nichts vergisst. Er speichert alle Stoffe, die ihm zugeführt werden, ohne zu fragen, ob es sich um unerwünschte Stoffe wie Antibiotika und Schwermetalle handelt.

Enorme Fähigkeiten

Dass der Boden weltweit unter Druck ist, hat auch eine gute Seite: Nachdem er jahrelang kaum beachtet wurde, interessieren sich die Forscher nun wieder vermehrt für seine Fähigkeiten. Die sind enorm: Ein gesunder Boden kann nämlich Krankheitserreger und Schädlinge in Schach halten und gesunden Pflanzen zu üppigem Wachstum verhelfen.

Da sich mit gesunden Pflanzen Tiere und Menschen gesund ernähren können, ist ein gesunder Boden das A und O. Sein Potenzial gegen bodenbürtige Krankheiten und Schädlinge aktiv vorzugehen ist gross. Es wurde bislang aber noch wenig erforscht und wird zudem nur ansatzweise genutzt.

Im Internationalen Jahr des Bodens rückt der Lebensraum unter unseren Füssen ein Jahr lang ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Und das ist gut so, denn das lässt hoffen, dass man den Boden künftig wieder vermehrt als das betrachtet, was er wirklich ist: Die Grundlage für das Leben auf dieser Erde.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE