20.03.2017 10:12
Quelle: schweizerbauer.ch - sam
Bruder Klaus
Bruder Klaus — Bauer und Heiliger
Niklaus von Flüe war Bauer, Staatsmann und Einsiedler. Vor 600 Jahren wurde er geboren, vor 530 Jahren starb er und vor 70 Jahren wurde er heilig gesprochen. Noch heute gilt er Katholiken wie Reformierten als grosse Figur.

Es ist wohl kein Zufall, dass der Schweizer Schutzpatron ein Bauer war. Und es ist bestimmt kein Zufall, dass der Schweizer Bauernverband (SBV) Anfang Februar für seine zweitägige Sitzung im geschichtsträchtigen Flüeli-Ranft OW zusammenkam. Dem Ort, an dem Niklaus von Flüe, auch «Bruder Klaus» genannt, sein Leben lang lebte und wirkte.

Mit 50 in die Einsamkeit

Seine Lebensgeschichte ist in den groben Zügen rasch erzählt. Geboren wurde er 1417, wobei der genaue Geburtstermin nicht überliefert ist. Gestorben ist er am 21. März 1487 in Flüeli OW, wo er zeitlebens gewirkt hatte. In den ersten fünfzig Jahren seines Lebens war von Flüe Bauer und Vater von fünf Söhnen und fünf Töchtern. Vor 1467 wird er dreimal urkundlich erwähnt.

1462 erscheint er als Vertreter Obwaldens in einem Urteilsspruch, den die Kastvogteiorte im Streit zwischen dem Kloster Engelberg und den Pfarrgenossen von Stans fällten. Aus dem Dokument lässt sich indirekt auf eine Mitgliedschaft in Rat und Gericht von Obwalden schliessen. Am 16. Oktober 1467 nahm von Flüe Abschied von seiner Familie und begab sich auf eine Pilgerreise.

Baut Hütte bei Hof

Sie führte ihn bis Liestal, wo er sich – die ganze Stadt schien ihm in feuriges Rot getaucht – zur Umkehr entschloss. Er kehrte jedoch nicht zu seiner Familie zurück, sondern übernachtete in einem Kuhstall in der Nähe seines Hauses. Am nächsten Morgen zog er sich in den Wald im Melchtal zurück, in dem er nach einigen Tagen von Jägern entdeckt wurde. Aufgrund einer Vision baute er sich in der Ranftschlucht in der Nähe seines Hofes eine Hütte, in der er fortan leben wollte.

Die Kunde, dass Klaus ohne Nahrung lebe, verbreitete sich rasch, zog Neugierige an und alarmierte weltliche und kirchliche Behörden. In Obwalden wurden durch Ratsbeschluss Wächter angestellt, welche den Eremiten während eines Monats sorgfältig beobachteten, doch fand man nichts, «was religiöse Heuchelei aus eitler Prahlerei verriet». Von kirchlicher Seite wurde 1469 bei der Einweihung der Kapelle im Ranft im Auftrag des Konstanzer Bischofs die Abstinenz von Klaus geprüft und weder Betrug noch Dämonie festgestellt.

Stanser Verkommnis

Auch einer der bekanntesten Figuren der Berner Geschichte, Adrian von Bubenberg (1434–1479), der Verteidiger von Murten in den Burgunderkriegen, kam nach Flüeli-Ranft, um Rat zu holen. 1469 hielt er sich bei Bruder Klaus im Ranft auf, um dessen Fasten zu bezeugen.

Niklaus von Flüe hat sich trotz seinem Eremitendasein häufig in politische Belange eingemischt. Eine wichtige Rolle wird ihm im Zusammenhang mit dem sogenannten «Stanser Verkommnis» vom 22. Dezember 1481 zugeschrieben. Damals schloss die alte achtörtige Eidgenossenschaft einen neuen Bündnisvertrag, mit dem die Stadtorte Freiburg und Solothurn in den Bund aufgenommen wurden.

Ein eigentlicher Stadt-Land-Konflikt zwischen den Stadtorten Zürich, Bern und Luzern auf der einen Seite und den fünf Länderorten, vorab den drei Urkantonen, auf der anderen Seite wurde mit Einflussnahme von Bruder Klaus gelöst. Der entscheidende Durchbruch erfolgte auf der Tagsatzung in Stans vom 30. November 1481 (siehe Kasten). Wohl vor allem aufgrund seiner Rolle im Stanser Verkommnis wurde Bruder Klaus mit der Zeit als Nationalheiliger der Schweiz angesehen.

Schutz gegen Nazis

Und immer wieder wurde seinem Eingreifen die Verschonung der Schweiz vor Kriegen und Krisen, welche in Europa so oft tobten, zugeschrieben. Das letzte Mal im 2. Weltkrieg. Am 13. Mai 1940, unmittelbar nach dem Angriff Nazi-Deutschlands auf die Benelux-Staaten und Frankreich, soll über dem basellandschaftlichen Waldenburg die riesengrosse, leuchtende Hand von Bruder Klaus erschienen sein.

Der Heilige, so die Interpretation, soll damit die schützende Hand über die Schweiz gehalten und sie vor dem Krieg beschützt haben. Erst kurz nach dem 2. Weltkrieg, am 15. Mai 1947, erfolgte allerdings die Heiligsprechung. Obwohl sein Todestag der 21. März war, wurde bei der Heiligsprechung durch Papst Pius XII. der 25. September als offizieller Gedenktag festgelegt.

Quelle: www.hls-dhs-dss.ch

«Zun nicht zu wit»

Der bekannteste der überlieferten politischen Ratschläge des Einsiedlers, «Machet den zun nit zu wit», wurde vom Chronisten Hans Salat überliefert. 1986 und 1992, in den politischen Auseinandersetzungen um den Beitritt zu UNO und EWR, wurde der Ausspruch als Mahnung zur Vorsicht im Hinblick auf die politische Öffnung der Schweiz verwendet.

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