15.08.2018 11:25
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Brummschädel, Mumie und Goldregen
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten. -> Mit Video

Die letzte Ferienwoche verbrachte ich mehr oder weniger in Bern. Der neue Lehrplan, der am 1. August in Kraft getreten ist, sieht neu auf der Mittelstufe während einer Lektion pro Woche das Modul Medien und Informatik vor. Hierfür müssen alle Lehrpersonen, die dies unterrichten wollen, einen wöchigen Kurs besuchen.

Raumtemperatur gleich Körpertemperatur


Wir lernten einiges übers Programmieren, Datenschutz und Datenmanagement, Sicherheit im Internet und vielem mehr. Zugegeben, es war ein anstrengender Kurs, mein Schädel brummte. Vielleicht auch, weil wir über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren und die Raumtemperatur fast so hoch war wie die eigene Körpertemperatur. Ja, in Bern, im obersten Stockwerk, umgeben von einer Dachterrasse, wird es schier unerträglich heiss, da ist es bei uns zu Hause direkt angenehm. 

Landwirtschaft wird als Beruf erhalten bleiben


Für mich war der Vortrag zur Schule der Zukunft sehr interessant. Es wurde aufgezeigt, wie sich die Berufswelt verschieben könnte und welche Berufe wohl verschwinden werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Beruf Lehrperson verschwindet liegt bei unter einem Prozent. Landwirte werden zu 95,3 Prozent erhalten bleiben. 

Theoretische Rechnung

Zugegeben, die Rechnung ist wohl sehr theoretisch. Und doch zeigt sie eine für mich logische Richtung auf. So wird zum Beispiel empfohlen, dass den Kindern weniger gelehrt werden solle, was auch von Robotern übernommen werden könne. Das Automatisieren fällt also ein Stück weit weg. Im Gegenzug soll das logische und kreative Denken sowie die emotionale Intelligenz gefördert werden

Projektarbeiten und Spiel als Lösung

Dies könne durch das Spiel und Projektarbeiten gefördert werden. Ich sehe mein Handeln auf dem richtigen Weg und bin der Meinung, dass ich im Vergleich mit dem Durchschnitt der Lehrkräfte wohl betreffend „modernem“ Unterricht voraus bin. Und dennoch warten viele spannende Herausforderungen und Neuerungen auf mich.

Mumie geboren

Zu Hause habe ich in dieser Zeit viel verpasst. So hat Jsolde, eine Kuh, welche Ende August zum zweiten Mal abkalben sollte, eine Mumie geboren. Die Kuh hat das perfekte Galteuter und leistet keinen Tropfen Milch. Aus Trotz zur momentanen Marktlage beim Schlachtvieh werden wir sie bis im Frühjahr bei den Galtkühen halten und erst dann an die Schlachtviehauktion bringen. 

900 Kubikmeter Futter auf der Bühne


Futter haben wir schliesslich genug für Jsolde. Am Sonntag haben wir den 41. Ladewagen Dürrfutter auf die Bühne gebracht, somit sind rund 900 Kubikmeter Lagerraum gefüllt. Mit über 130 Heurundballen und zirka 120 Siloballen haben wir bereits viel Futter produziert und ziehen eine sehr positive Zwischenbilanz vom Sommer.

Goldregen und Überschwemmung

Auch betreffend der Trockenheit dürfen wir keine Sekunde jammern. In Fahrni fiel in der vergangenen Woche knapp 10 Millimeter «Goldregen». Zudem sieht die Wetterprognose für weiteren Regen voraus. Auf der Pfidertschegg hat es am Dienstagabend ein ausgiebiges Gewitter gegeben. Der Baggerführer filmte wie die neue Strasse zum Bachbett wurde. Töbu und Ariane erlebten beim Kontrollieren und Ausmisten der Rinder ein so heftiges Gewitter, dass ihnen das Herz fast stehen blieb. Zumindest zittrige Knies hatten sie laut ihren Erzählungen. 

Provisorische Z-Kurve 

Betreffend Strasse: Zuunterst beim steilsten Abschnitt musste die bestehende Strasse weggerissen werden. So war während der letzten Woche die Pfidertschegg ausschliesslich zu Fuss erreichbar. Am Freitagabend konnten wir erstmals wieder fahren.

Nun ist die Situation so gelöst, dass wir ein Stück durch die neue Strasse fahren können. Anschliessend rückwärts durch ein Provisorium hoch zum bestehenden Weg, wo die Fahrt wieder vorwärts fortgesetzt werden kann. Weil der Hang so steil ist und die Kurven so eng, ist ein Wenden nicht möglich. 

Viel philosophisches Potential

Wohl habe ich etwas zu viel Philosophie, Psychologie und Soziologie abbekommen während meiner Ausbildung. Denn im Bau der neuen Strasse sehe ich viele Vergleiche aufs reale Leben. Wahrscheinlich muss man immer wieder eine Extraschlaufe, ein Zickzack oder ein Ausharren durchleben, wenn man etwas Neues erreichen will und einen anderen Weg einschlägt. 

Das ist auch bei unserem Betrieb so. Wir stecken in einer Umbruchsphase mit den Köpfen voller Ideen und Träume. Nun gilt es, Prioritäten zu setzen und das für uns Wichtige zu verwirklichen. Dies gilt übrigens auch bei der zukünftigen Schule.

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