5.08.2019 08:41
Quelle: schweizerbauer.ch - Katrin Müller
Blog
Campieren trotz Regenwarnung
Für ein Austauschsemester fährt die Agronomie-Studentin Katrin Müller gemeinsam mit Freund Simon Küng nach Schottland. Zwei Monate wollen sie bauern, auf einem Betrieb mit 700 Milchkühen. Für schweizerbauer.ch berichten sie von ihren Erlebnissen.

Acht Freitage und vier Ferientage haben wir pro Monat zur Verfügung. Glücklicherweise haben Simon und ich immer zur selben Zeit frei. Unser gemeinsames Ziel in unserer Freizeit lautet: So viel wie möglich von Schottland zu sehen und zu erleben.

Wetterwarnung

Für unser erstes langes Wochenende hatten wir eine dreitägige Velotour im Nationalpark Loch Lomond eingeplant. Bereits am Donnerstag begannen unsere Vorbereitungen. Alles wurde in Plastiksäcke verpackt, denn es stand ein regnerisches Wochenende bevor.

Der Wetterdienst gab eine Regenwarnung heraus: Viel Regen in kurzer Zeit. Das Auto bepackt mit Zelt, Schlafsack, Essen, Ersatzkleider, Anzündhilfe und auf dem Fahrradträger unsere Fahrräder fuhren wir am letzten Freitagabend des Monats Juli los.

Campingplätze heiss begehrt

Ein erster Stopp legten wir nach zwei Stunden Autofahrt in Balloch ein. Nun hiess es: Auto parkieren und in den Sattel schwingen. Nach rund zwei Stunden Fahrradfahrt fanden wir ein Plätzchen für unser Zelt an einem Kiesstrand am See «Loch Lomond». Campingplätze sind hier heiss begehrt. Überall sahen wir Rauch von anderen Wildcampern in die Luft steigen.

Es regnete bei unserer Ankunft noch nicht, trotzdem bauten wir unser regendichtes Vorzelt über unserem Zelt auf.  Auf Anzeigetafeln auf der Autobahn war die Regenwarnung überall lesbar. «Lieber einen trockenen Schlafsack am ersten Morgen als ein Nasser», sagte ich zu Simon. Doch Simon machte sich keine Sorgen, er würde das Zelt am liebsten auf dessen Wasserdichte testen.

Regnete in Strömen

Nach kurzer Zeit mussten wir unser Zeltaufbau unterbrechen, um Mückenschutz einzusprühen. Überall um uns schwirrten kleine Mini-«Mügglis», die uns sogar in den Haaren erwischten. Während ich die Luftmatratzen im Zelt aufblies, kochte Simon auf dem Gaskocher Nudeln. Zum Essen flüchteten wir in unser mückensicheres Zelt.

Als wir aufwachten, regnete es in Strömen. Nichts desto trotz bauten wir unser Zelt ab. Unsere erste Nacht haben wir trocken überstanden. Um ans nächste Ziel, dem See «Loch Katrine», zu gelangen, mussten wir mit dem Schiff den See «Loch Lomond» überqueren. Die Fähre fährt nur ein Mal pro Tag. Deshalb war klar: Diese dürfen wir nicht verpassen.

Beliebtes Ausflugsziel

Als wir am Hafen ankamen, warteten nur vier weitere Personen auf die Fähre, davon zwei Gäste aus der Schweiz. Und wieder einmal muss ich sagen: die Welt ist klein. Als das Schiff am anderen Ufer anlegte, regnete es immer noch. Doch schon bald erreichten wir den See «Loch Katrine», wo wir nach langer Suche direkt am See in einem Wald ein Campingplätzchen fanden. Eine grosse Tanne bot uns Regenschutz und trockenes Holz.

Die Mügglis schwirrten auch schon wieder um uns herum, als wir vom Sattel stiegen. Dieses Mal schafften wir uns Abhilfe mit einem grossen Feuer. Dieses spendete uns nicht nur Wärme, sondern trocknete auch die durchnässten Regenjacken. Während dieser Zeit zogen wir uns die Notfall-Regenponchos über. Gut, haben wir diese doch noch eingepackt.

Regen endete

Trotz Regenwetter konnten wir eine wunderschöne Aussicht auf die schottischen Highlands und ein fantastisches Bild vom See geniessen. Es war ein Traumcamping für uns beide. Zum Mittagessen kochten wir Spaghetti mit Pesto, zum Abendessen gab es ein Risotto mit Sardinen aus der Dose.

Der Regen stoppte in der folgenden Nacht. Das verschaffte uns einen trockenen, zweiten Morgen. Zum Frühstück kochte ich einen warmen Porridge mit Ananas, das Lieblingsfrühstück von Simon.

Nebel vermiest Aussicht


Am Ende vom See Katrine liegt ein Restaurant, wo wir unsere Trinkwasserreserve auffüllten und einen warmen Kaffee genossen. Von dort marschierten wir auf den Berg Ben A’an. Die rund 45-minütige, stetig ansteigenden Wanderung hätte mit einer grandiosen Aussicht enden sollen.

Oben angekommen, mussten wir uns aber die Traumaussicht vorstellen. Keine zwei Meter konnten wir im dicken Nebel sehen. Gelohnt hat sich der Aufstieg für uns aber trotzdem. Geschmunzelt haben wir, als wir einer Schweizer Familie im Abstieg begegneten. Der Berg scheint ein beliebtes Reiseziel zu sein.

Wasserknappheit

Nach langer Suche nach einem geeigneten Platz für die letzte Nacht wurde das Wasser knapp. Die vielen Zusatzkilometer machten uns durstig. Das Spaghettiwasser wurde am Abend schliesslich auch getrunken. Das Reservewasser reichte am letzten Campingmorgen noch gerade, um die Müeslimilch aus Milchpulver anzurühren. Im nächsten Dorf füllten wir unsere Wasserflaschen wieder auf. Für einen kleinen Pass, am Ende unserer Tour, brauchten wir genügend Flüssigkeit. Mit vielen Bildern und Erlebnissen erreichten wir unser Auto in Balloch. 

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