7.04.2020 19:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gesundheit
Corona: Silberstreifen am Horizont
Die Kurve der neuen Infektionen in der Schweiz scheint sich abzuflachen: Nach täglich rund 1000 neu gemeldeten Covid-19-Fälle in den vergangenen Wochen sind am Dienstag noch 590 Neuansteckungen gemeldet worden. Doch das BAG warnt: Das Problem sei bei weitem nicht gelöst.

Die Situation scheine sich nicht nur zu stabilisieren, sondern eher zu verbessern, sagte Daniel Koch, BAG-Delegierter für Covid-19, vor den Bundeshausmedien. Doch es gebe bereits eine beträchtliche Anzahl von Todesfällen. Gemäss einer Zählung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA gestützt auf die offiziellen Zahlen der einzelnen Kantone waren bis am Dienstagabend 819 Menschen in Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Problem noch nicht gelöst

Das sind 73 Todesopfer mehr als noch 24 Stunden zuvor. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gab in seinem Situationsbericht die Zahl der Todesfälle für Dienstagmorgen mit 641 an. Ausserdem müssten 412 Personen immer noch auf den Intensivstationen beatmet werden, sagte Koch. «Das Problem ist bei weitem nicht gelöst», sagte der BAG-Verantwortliche. Es gelte deshalb, sich weiter an die Empfehlungen und Vorschriften zu halten.

Eine Prognose, wann die vom Bundesrat verhängten Massnahmen gelockert werden können, gab der Covid-19-Delegierte des BAG nicht ab. Das hänge von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend sind laut Koch neben den Neuansteckungen die Zahl der Hospitalisationen, die verfügbaren Betten auf den Intensivstationen oder die Daten des Sentinella-Meldesystems.

Neue Tests

«Wir versuchen, aus all diesen Elementen eine Beurteilung zu machen», sagte Koch. Deshalb sei es auch nicht möglich, eine bestimmte Schwelle zu nennen, ab welcher Massnahmen gelockert werden können. Auch die Reihenfolge, in der Massnahmen aufgehoben werden, liess Koch offen.

Zusätzliche Erkenntnisse erhofft sich der BAG-Experte von den serologischen Tests, die Aufschluss über die Durchseuchung und damit über die Immunisierung der Bevölkerung geben sollen. Solche sind zwar noch nicht breit auf dem Markt verfügbar, doch führen derzeit verschiedenen Forschungsgruppen Testreihen durch. Laut Koch will das BAG eine Meldepflicht einführen.

Nagelprobe bestanden

Die Nagelprobe für Ostern habe die Schweizer Bevölkerung am Wochenende als Gesellschaft schon einmal bestanden, sagte Stefan Blättler, Präsident der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten. Der überaus grösste Teil der Menschen habe die Massnahmen verstanden.

Es werde deshalb keine Empfehlungen an die Kantonspolizeien geben, vermehrt Strassen und Zugänge zu schliessen, erklärte Blättler. Das müssten und könnten die örtlichen Behörden in Zusammenarbeit mit den zuständigen Polizeikräften selber entscheiden.

An Ostern zuhause bleiben

Von seiner Seite bleibe die erneute Aufforderung, auch an Ostern zuhause zu bleiben, um bisher Erreichtes nicht aufs Spiel zu setzen. Man solle für einen kurzen Moment auf Reisen in die Berge und an Touristenorte verzichten, sowohl auf der Strasse als auch auf der Schiene, sei es mit dem öffentlichen Verkehr, mit dem Auto oder Motorrad, sagte Blättler.

Wer über das Wochenende trotzdem mit dem Auto ins Tessin fahren will, muss zwar nicht mit einem stundenlangen Stau rechnen, aber mit einem Gespräch mit der Polizei. Diese hat vor dem Gotthardtunnel in Göschenen einen Kontrollplatz eingerichtet, um dort Reisende über die Corona-Situation im Südkanton aufzuklären und sie zu einer Umkehr zu bewegen.

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