25.02.2020 16:13
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gesundheit
Coronavirus: Erster Fall in der Schweiz
In der Schweiz ist erstmals ein Fall des neuartigen Coronavirus bestätigt worden. Das gab der Bund am Dienstag bekannt. Der Fall ist laut den Tessiner Behörden im Südkanton aufgetreten. Wichtige Informationen zum Virus gibt es in diesem Artikel

Um 17 Uhr informiert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Bern, wie einer Medieneinladung zu entnehmen ist. Das Genfer Labor, das für die Analyse aller Verdachtsfälle in der Schweiz zuständig ist, habe einen Fall von Coronavirus-Infektion bestätigt, schreibt das Tessiner Gesundheitsdepartement.

Bisher nur sanfte Massnahmen

Bisher haben die Schweizer und Tessiner Behörden trotz der Ausbreitung des Coronavirus im nahen Norditalien nur sanfte Massnahmen beschlossen. Die Schweiz sei «in erhöhter Bereitschaft», sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Montagnachmittag vor den Bundeshausmedien. In Italien, unweit der Schweizer Grenze, nähmen die Coronavirus-Fälle seit dem Wochenende rasch zu. Damit erhöhe sich das Risiko für die Schweiz. «Der Bundesrat verfolgt die Situation Stunde für Stunde.»

Am Montagnachmittag hatten die Tessiner Behörden an einer Medienkonferenz bekanntgegeben, anders als einige italienische Regionen keine Einschränkungen für öffentliche Veranstaltungen, Schulen, Bar oder Restaurants zu beschliessen. Täglich pendeln fast 68'000 Grenzgänger aus Norditalien ins Tessin.

Italien sperrt Ortschaften ab

Derweil breitet sich das Coronavirus in Italien auf immer mehr Regionen aus. Die Zahl der Infizierten stieg bis Dienstagmittag auf rund 280. Die italienische Regierung hat drastische Massnahmen gegen das Virus ergriffen. Elf Ortschaften, zehn in der Lombardei und eine in Venetien, wurden abgeriegelt. Der Karneval in Venedig wurde abgebrochen, Fussballspiele und andere Grossveranstaltungen wurden abgesagt. Schulen und Universitäten in allen betroffenen Regionen bleiben vorerst geschlossen.

Am Dienstag haben sich die Gesundheitsminister aus Italien, der Schweiz, Deutschland, Slowenien, Frankreich und Österreich in Rom zu Beratungen getroffen. Bundesrat Alain Berset nahm für die Schweiz an dem Treffen teil.

Die folgenden Informationen stammen vom Bundesamt für Gesundheit (BAG)

Wie wird das Virus übertragen?
Die Übertragung des neuen Coronavirus geschieht vor allem durch Tröpfcheninfektion: Beim Niesen oder Husten gelangen Viren von einem Menschen entweder direkt auf die Schleimhäute von Nase, Mund und Augen eines anderen Menschen. Oder die ausgeschiedenen Viren überleben einige Stunden in winzigen Tröpfchen auf Händen oder Oberflächen (Türklinken, Knöpfe etc.), die dann durch Berührungen im Gesicht auf die eigenen Schleimhäute von Nase, Mund und Augen gelangen. In aller Regel ist jedoch ein enger Kontakt (< 2 Meter über > 15 Minuten) mit einer infektiösen Person erforderlich.

Zurzeit noch unklar ist, wie rasch sich das neue Coronavirus von Mensch zu Mensch verbreitet. Die Übertragungsrate (= die sogenannte «Reproduktionszahl» R0) gibt an, wie viele weitere Menschen eine infizierte Person anstecken kann. Gemäss aktuellen Schätzungen liegt R beim 2019-nCoV zwischen 1,5 und 4. Das heisst, eine bereits infizierte Person kann im Durchschnitt 1,5 bis maximal 4 noch nicht Infizierte anstecken. (Zum Vergleich: bei der saisonalen Grippe liegt R (im Winter) bei rund 1,2–1,4 bei Masern liegt R bei rund 18 und bei SARS lag sie nur knapp über 1,0).

Personen jeden Alters können sich anstecken. Das Alter der laborbestätigten Erkrankungsfälle in China reicht von 8 Monaten bis 90 Jahren. Inkubationszeit: Nach einer Infektion mit dem neuen Coronavirus dauert es in der Regel 4 bis 7 Tage (Spannweite 1 bis 14 Tage) bis zu den ersten Krankheitszeichen (= Symptomen).

Welche Symptome treten auf?

Zu Beginn (d.h. nach der Inkubationszeit) tritt oft ähnlich wie bei einer Grippe ein unspezifisches Unwohlsein, Müdigkeit und Fieber auf. Es folgen meist Atemwegssymptome, typisch ist ein trockener Husten. Weniger häufige Symptome sind: Kopfschmerzen, selten Muskelschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Nur sehr selten wurden Schnupfen und Halsschmerzen beobachtet (dies spricht eher für eine «gewöhnliche Erkältung»).

In vielen milderen Fällen bleiben die erwähnten Symptome über einige Tage bestehen, bevor man wieder gesund wird. Im Fall eines schweren Erkrankungsverlaufs kann es nach rund einer Woche zu Kurzatmigkeit sowie im schlimmsten Fall zu einer Lungenentzündung (= Pneumonie) mit Atemnot und Befall weiterer Organsysteme kommen.

Häufiger von einem schweren Erkrankungsverlauf betroffen sind vorwiegend ältere Menschen und Menschen mit einer chronischen Vorerkrankung (insbesondere Bluthochdruck, Herz- und Lungenerkrankungen, Diabetes oder Erkrankungen, die das Immunsystem beeinträchtigen). Einzelne schwere Fälle betrafen auch jüngere, zuvor gesunde Personen.

Es ist zurzeit noch unklar, wie häufig solche schweren Verlaufsformen bei einer Infektion durch das neue Coronavirus auftreten, die Mehrzahl zeigt jedoch einen milden Verlauf. Mindestens 10 Prozent der Erkrankten haben kein Fieber, und bei einigen tritt kein Husten auf. Bei mehreren Personen wurde eine Infektion mit dem neuen Coronavirus nachgewiesen, die gar keine Symptome zeigten.

Wie wird eine Erkrankung behandelt?
Zum heutigen Zeitpunkt steht keine spezifische Behandlung von Erkrankungen mit Coronaviren zur Verfügung. Die therapeutischen Möglichkeiten beschränken sich gegenwärtig auf die Behandlung und Linderung der vorliegenden Symptome.

Falls eine Erkrankung mit dem neuen Coronavirus vorliegt, muss die Patientin oder der Patient isoliert werden. Die Ärztin/der Arzt hilft mit, abhängig von den Symptomen und dem Alter und Gesundheitszustand der erkrankten Person zu entscheiden, ob eine (vorübergehende) Isolation und Pflege zu Hause oder im Spital sinnvoller ist.

Bei milden Erkrankungen, die weniger als sieben Tage andauern, genügt eine Behandlung wie bei einer unkompliziert verlaufenden Grippe: sich Ruhe gönnen, ausreichend trinken, gegebenenfalls Fieber senken.  

Bei schwerer Erkrankung ist oft eine intensiv-medizinische Behandlung – unter Umständen mit künstlicher Beatmung – erforderlich. Aktuell werden bei schwer erkrankten Personen auf der Suche nach einer spezifisch wirksamen Behandlung u.a. verschiedene antivirale Medikamente angewendet.

Ursprung des Coronavirus
Der örtliche Ursprung der Coronavirus-Epidemie in China ist wahrscheinlich ein Markt der zentralchinesischen Stadt Wuhan. Dort wurden nebst Fisch auch Fledermäuse, Schlangen und weitere Wildtiere gehandelt. Das Virus wurde von Tieren auf den Menschen übertragen. Seither wird das Virus von Mensch zu Mensch übertragen. Die chinesischen Behörden haben den Markt geschlossen.

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