26.08.2014 06:19
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gesundheit
Darmbakterien schützen vor Lebensmittelallergie
Bestimmte Darmbakterien können anscheinend vor Lebensmittelallergien schützen. Wie ein internationales Forscherteam mit Berner Beteiligung an Mäusen zeigte, hemmen die Mikroorganismen der Klasse Clostridia den Übergang von Allergie-auslösenden Stoffen vom Darm ins Blut.

Möglicherweise könnten probiotische Therapien gegen die sonst kaum behandelbaren Lebensmittelallergien helfen, schreiben die Forscher um Cathryn Nagler von der Universität Chicago in den «Proceedings» der US-nationalen Akademie der Wissenschaften («PNAS»).

Menschen mit Allergien nimmt stark zu

In Industrieländern nimmt die Zahl der Menschen mit Allergien seit langem stark zu. In den USA stieg der Anteil betroffener Kinder von 1997 bis 2007 nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC um 18 Prozent. Experten vermuten eine Reihe von Ursachen, darunter auch eine veränderte Darmflora.

An der Studie war auch Kathy McCoy vom Departement Klinische Forschung der Universität Bern beteiligt, deren Team die Mechanismen des Darmimmunsystems erforscht.

Sterile Umwelt

«Umwelteinflüsse wie übermässiger Gebrauch von Antibiotika, fettreiche Ernährung, Kaiserschnitt-Geburten, Beseitigung gängiger Krankheitserreger und selbst Muttermilchersatz beeinflussen die Mikroorganismen, mit denen wir uns gemeinsam entwickeln», wird Nagler in einer Mitteilung ihrer Universität zitiert. «Unsere Resultate deuten darauf hin, dass dies zur zunehmenden Sensibilität für Lebensmittelallergien beiträgt.»

An Mäusen testeten die Forscher den Einfluss der Darmflora. Dazu konfrontierten sie zwei Gruppen von Mäusen mit Allergie-auslösenden Stoffen, sogenannten Allergenen, aus Lebensmitteln. Ein Teil der Tiere lebte unter sterilen Bedingungen, der andere wurde nach der Geburt mit Antibiotika behandelt, was die Darmflora reduziert.

Beide Gruppen bildeten in stärkerem Masse Antikörper gegen Erdnuss-Allergene als Mäuse mit normaler Darmflora. Verabreichten die Forscher den Tieren dann jedoch bei Menschen gängige Clostridia-Bakterien, sank die Sensibilität. Bacteroides, eine zweite grosse Gruppe von Darmbewohnern, hatten diesen Effekt nicht.

Immun-Botenstoffe produziert

Auch den Mechanismus identifizierten die Forscher: Clostridia regt Immunzellen dazu an, grosse Mengen Interleukin-22 (IL-22) zu produzieren. Dieser Signalstoff verringert die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut. Die Resultate deuten darauf hin, dass Clostridia-Mikroben so dafür sorgen, dass weniger Allergene in den Blutkreislauf gelangen.

Dies verringerte die Erdnuss-Sensibilität der Mäuse. «Wir haben eine Bakterienpopulation identifiziert, die vor einer Sensibilisierung für Lebensmittel-Allergene schützt», betont Nagler. Allerdings sei dies nicht der einzige Faktor, räumen die Forscher ein. Dennoch biete die Darmflora ein gutes Ziel für therapeutische Eingriffe, das sich zudem einfach überprüfen lasse, betonen die Wissenschaftler, die bereits ein vorläufiges Patent beantragt haben. «Es ist aufregend, weil wir die Bakterien kennen», sagt Nagler. «Wir haben nun eine Möglichkeit, einzugreifen

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