19.06.2018 10:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
Das Bschütte ist ein Krampf
Esther Schneiter ist zurück auf schweizerbauer.ch. Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, wird Esther in den kommenden Monaten wieder aus ihrem Leben als Lehrerin, Landwirtin und Lernende berichten.

In der vergangenen Woche waren es viele kleine Dinge, die mich erfreuten, faszinierten und auch beeindruckten. So beispielsweise der Donnerstagabend. 

Freitag: Letzter Schultag am Inforama


Nach einer längeren Periode, wo es täglich regnete und der Nebel oft tief an den Sieben Hengsten hing, riss endlich der Himmel auf. Es zeigte sich stahlblauer Himmel und eine klare Weitsicht, wie ich sie noch kaum gesehen habe. Da Marie, unsere Angestellte, am Melken war und Töbu die Rinder versorgte, hätte ich Zeit gehabt, um in der Hütte zu putzen oder Unkraut zu bekämpfen. Ich schnappte mir aber mein Handy und schlich um die Ställe und schoss einige Fotos. 

Ich sehnte mich nach dem letzten Schultag am Inforama. Zum einen, weil es in letzter Zeit auf Grund der vielen Tests relativ streng war. Zum anderen, weil auf unserem Betrieb nun halt die Zeit der Arbeitsspitze Einzug gehalten hat. Ich bin froh, dass nun etwas wegfällt. Umso mehr freute ich mich auf den gemeinsamen Abschluss mit der Klasse. Ein Schulkollege aus Brienz lud uns ein. Wir besuchten seinen zukünftigen Betrieb in Oberschwanden und begaben uns anschliessend auf die Planalp. 

Horizonterweiterung

Für mich ist es immer sehr spannend, wenn ich andere, mir fremde Betriebe sehe, über deren Betriebsstrategie erfahre und vielleicht gar neue Ideen aufschnappen kann. Die Perle des Tages war eindeutig der Besuch auf der Planalp. Derzeit sind die Älpler in den Hütten, welche auf rund 1500 Meter über Meer liegen. Also „nur“ etwa 100 Meter höher als unsere Pfidertschegg. 

Dennoch sieht es völlig anders aus. Aufgrund des steilen Geländes und der vielen Lawinen gibt es kaum Wald. Das Klima scheint mit rauer zu sein als bei uns. Auch die Bewirtschaftung ist anders. Während unsere Tiere tagsüber im Stall sind, werden hier die Kühe zum Melken kurz eingetrieben. Die Rinder und Mutterkühe sind immer draussen. Dementsprechend gibt es Viehläger mit Alpenblacken, die wir so nicht kennen. Besonders anstrengend scheint mir das mehrmalige Zügeln in den insgesamt drei Hütten. 

Logistische Herausforderung zu Hause

Mir reicht es, wenn ich zwei Haushalte zu managen habe. Am Samstagmorgen kochte ich in Fahrni Erdbeer-Rhabarber- und Kirschen-Konfitüre, natürlich mit Früchten aus Fahrni und Unterlangenegg. Die Zeit drängte, denn ich wusste, dass Töbu bereits vor dem Mittag wieder auf unsere Alp fahren wollte. Das Leeren des Güllenkastens stand auf dem Programm.

Momentan verbringen zwei Praktikantinnen meiner Eltern einige Tage auf der Pfidertschegg. So packte ich auch genügend Essen ein. Doch: Wie gross sind die Vorräte oben noch? Was möchten sie gerne essen? Was habe ich noch zu Hause, denn für einen Einkauf reicht die Zeit kaum? Erschwert wird das Ganze dadurch, dass ich nicht immer oben übernachte. Schlussendlich sind wir aber nicht in einem Fünf-Sterne-Hotel. So backe ich einen Kirsch-Kuchen, und packte genügend Früchte und Gemüse für Marie ein.

Jauche ausbringen

Die Jauche auszubringen ist immer ein „Krampf“, da es zu steil und hügelig zum Fahren ist. Weil wir auch nicht die ideale Mechanisierung hierfür haben, müssen wir mit den Schläuchen die Kuhweiden düngen. Der Weg ist enorm schmal. Zudem muss die ganze Strecke rückwärts gefahren werden, da ein Wenden nicht möglich ist.

Daher wollte Töbu lieber alleine fahren, da er die grosse Verantwortung nicht auf mir lasten lassen wollte. So war das gleichmässige Verteilen der Jauche mit dem „Wendrohr“ mein Part. Ich habe zu wenig Kraft um die Schläuche, wenn sie unter Druck stehen, alleine im hügeligen Gelände zu schleppen, so musste Marie mithelfen. Zum ersten Mal war ich froh, dass unser Güllenkasten nur 24 Kubikmeter fasst und nach sechs Fass fertig war mit Schleifen. Einmal mehr bin ich froh, dass wir ein Badezimmer mit Dusche gebaut haben.

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