23.06.2013 12:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Jacqueline Graber
Schwingen
Das Holzen als Trainingseinheit
Schon als Junge hatte Christian Dick konkrete Berufswünsche. Was das Schwingen anbelangt, ist er eher ein Spätzünder.

Christian Dick entdeckte den Schwingsport erst als 20-Jähriger. «Zwar war ich einmal als Schulbub im Schwingkeller doch hat es mir damals noch nicht gefallen», schmunzelt er. Auf Drängen seiner Kollegen, habe er es als junger Mann dann nochmals probiert.

Familie gibt Halt

Mit Erfolg: Bis anhin verfügt der 37-Jährige über 98 Kränze, davon 2 Eidgenössische. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die Aussage eines damaligen Kranzschwingers bezüglich seines späten Einstiegs in den Schwingsport: «Wahrscheinlich wird es für dich schwierig sein, jemals einen Kranzgewinn zu erreichen.» Zu dieser Zeit konnte ja niemand mit seinen späteren Erfolgen rechnen. Doch er habe auch schwere Zeiten hinter sich, räumt der 1,92 Meter grosse Mann ein.

In den Jahren 2009 und 2010 sei es ihm nicht mehr so gut gelaufen. Doch mit der Hilfe seiner Schwester Eveline Steinemann und deren Ehemann Matthias Heger hat er den Weg zur Spitze wieder gefunden. Überhaupt, betont Dick, der Mitglied beim Schwingklub Lyss ist, könne er immer auf Familie und Freunde zählen. Allen voran seine Lebensgefährtin Denise Flückiger, die ihn an jeden Wettkampf begleitet.

Landwirt und Polizist

Dick ist im Seeland auf einem Bauernhof aufgewachsen. «Ich hatte schon als Junge immer nur zwei Berufswünsche – Landwirt und Polizist.» Zuerst absolvierte er im Welschland ein Bauernlehrjahr und besuchte später die Polizeischule. Seither arbeitet der Sportler bei der Kantonspolizei Bern.

Weil der elterliche Betrieb zu klein für Milchwirtschaft war, hat der Vater bereits vor der Geburt von Christian Dick die Stallungen zu einer Pferdepension umgebaut. Er habe mit Reiten nicht so viel am Hut, aber beim Heuen und Emden helfe er jeweils mit, erklärt Dick und fügt hinzu: «Während der Schulzeit war ich öfter auf dem benachbarten Milchwirtschaftsbetrieb als auf der elterlichen Pferdepension anzutreffen.»

Ein Paar Hektaren Wald im Seeland

Eine andere Passion hingegen teilt er mit seinem Vater: das Holzen. Wann immer möglich ist der Kranzschwinger im Wald anzutreffen, zumal «mein Vater und ich selber ein paar Hektaren Wald im Seeland besitzen». Oft unterstützt er auch Kollegen bei ihren Waldarbeiten. «So kann ich meinen Kopf durchlüften, und zugleich ist es ein vielseitiges und hartes Training», sagt Dick der auch mehrfacher Schweizer Meister im Nationalturnen ist. Ansonsten ist der Sportler zwei- bis dreimal im Schwingkeller anzutreffen und ebenso viel beim Krafttraining im Fitnessraum.

Wann er im Sägemehl trainiert, kommt auf seinen Dienstplan bei der Kantonspolizei an. «Am Montag bin ich meist in Aarberg, am Dienstag in Kernenried oder Bern, am Mittwoch in Biel und am Donnerstag in Herzogenbuchsee anzutreffen», zählt Dick auf. Geschwungen wird mit den Schwingern, die vor Ort anzutreffen sind. Wenn sich der Sportler mit seinen Trainingspartnern Michael Gschwind, Cédric Huber und Stefan Marti trifft, wird Trainingszeit und -ort  vorher abgesprochen. Jetzt vor dem Eidgenössischen habe er noch ein bisschen mit Trainingseinheiten zugelegt, sagt Dick der mit seiner Lebensgefährtin im bernischen Alchenstorf wohnt.

Mann gegen Mann

Christian Dick ist ein ruhiger, ausgeglichener Mensch. Doch vor jedem Wettkampf «bekomme ich ein Kribbeln im Bauch.» Für ihn sei das Schöne am Schwingsport der Kampf Mann gegen Mann. Er lobt aber auch die Kollegialität ausserhalb des Sägemehlrings. Und angesprochen auf sein Alter und das Ende seiner Karriere meint er augenzwinkernd: «Die Halbzeit habe ich bestimmt erreicht.»

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