19.08.2013 09:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Sibylle Hunziker
Schwingen
Das Schwingen vom Vater gelernt
64 Kränze hat der 27-jährige Schwinger Simon Anderegg bisher nach Hause ins Haslital gebracht. Vielseitiges, intensives Training gehört für den Zimmermann und gelernten Landwirt aus sportlicher Familie zum Alltag.

«Um das Schwingen kommt man in unserer Familie nicht herum, darüber wird täglich gesprochen», erzählt Simon Anderegg. Schon der Vater Andreas Anderegg war Schwinger und lange im Verband aktiv, zuletzt als Einteilungsrichter. Aber gedrängt habe er die Kinder nicht. «Mein Bruder hat zum Beispiel nur zwei oder drei Trainings gemacht; er gewann zwar dauernd, aber es gefiel ihm nicht, und er hörte auf. Heute macht er vor allem Ausdauersport.»

Vielseitiges Training

Simon Anderegg blieb beim Schwingen, seit er vor neunzehn Jahren damit anfing. Doch er spielt auch gerne Hockey, war als junger Skifahrer in der JO, spielt gleich wie seine beiden Geschwister Fussball und ging ins Ringtraining – «da kam auch meine Schwester mit». «Irgendwann wurde es zu viel, und ich musste mich entscheiden.» Heute trainiert Anderegg im Schwingklub Meiringen und ist als technischer Leiter jeden Donnerstag für das Training der Aktiven verantwortlich. Und Ende August wird Anderegg am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Burgdorf teilnehmen.

Überhaupt sei das Training heute vielseitiger und ausgewogener als früher, sagt Vater Andreas Anderegg. «Wir hatten unsere Berufsarbeit und stemmten vielleicht ein paar Hanteln – heute ist das Training professionell.» «Es ist einfach anders», meint sein Sohn. Es gebe zwar neue Möglichkeiten – zum Beispiel könne man die «Spezialitäten» anderer Schwinger schon vor der ersten Begegnung im Internet studieren.

Aber im Kampf komme es nach wie vor auch auf Dinge wie Schnelligkeit und das «Gschpüri» für den Gegner an. «Und im Training arbeite auch ich noch viel mit dem eigenen Körpergewicht – gleich wie die Generation meines Vaters.» Und während er  an einem  Schwingfest auf die emotionale Unterstützung seiner Eltern zählen kann, nimmt er nach den Kämpfen Kritik und Ratschläge seines Vaters gerne an. «Schliesslich habe ich bei meinem Vater schwingen gelernt, und auch heute noch gibt er mir Tipps fürs Training.»

Zwei Berufe

Auch in der Landwirtschaft haben Vater und Sohn eine gemeinsame Leidenschaft: die Viehzucht. Früher kannte Simon Anderegg die Abstammung jedes Tieres im Stall des Betriebes, der in der Talebene von Unterbach und an den steilen Hängen von Falcheren mit 20 Original-Braunvieh-Kühen Milch produziert. «Im Moment bin ich aber zu selten im Stall», bedauert der gelernte Landwirt. Neben dem Spitzensport reiche die Freizeit gerade noch zum Helfen, wenn Not am Mann sei – beim Heuen oder beim Melken, wenn der Vater für sein Engagement in der Braunviehzucht oder als Präsident der Alp Kaltenbrunnen unterwegs ist.

Hauptberuflich arbeitet Simon Anderegg in seinem zweiten Beruf als Zimmermann an seinem Wohnort Meiringen bei seinem Lehrbetrieb. «Es ist eine 100-Prozent-Stelle. Doch die Firma kommt mir sehr entgegen.» So könne er einzelne Ferientage kurzfristig nehmen, wenn er sie fürs Schwingen brauche. Und man setze ihn nur selten auf Baustellen entlegener SAC-Hütten ein, damit er nicht zu oft im Training fehle.

Kein «normales» Jahr

Auf dem elterlichen Hof hilft Simon Anderegg normalerweise häufiger im Winter – vor allem beim Holzen im Wald, das er ebenso liebt wie die Arbeit mit Holz auf der Baustelle. Doch das Jahr vor dem «Eidgenössischen» ist nicht «normal». Während sich der Schwinger sonst den Winter über im Ringklub Willisau fit hält, konnte er letzten Herbst neun Wochen WK als Training in Magglingen absolvieren. «Das hat mir sportlich viel gebracht», stellt Anderegg fest und fügt schmunzelnd an, es sei wohl kein Zufall, dass er diese Saison «nicht so schlecht» geschwungen habe. Speziell in Hinblick auf Burgdorf ist zudem eine zusätzliche Trainingswoche auf der Engstlenalp eingeplant, organisiert von Andereggs Cousin Matthias Glarner.

Daneben steht wie jedes Jahr seit März fast jeden Sonntag ein Schwingfest auf dem Programm. Während die grossen Feste Kraft brauchen – vor allem wegen des Wartens zwischen den Gängen – nimmt Anderegg die kleinen auch als Training. Besonders geniesst er jeweils das Schwing- und Älplerfest auf der Engstlenalp und die vielen Gespräche mit den Besuchern. «Aber jedes Fest hat seinen eigenen Reiz» – besonders auch die «Hühnerhaut-Atmosphäre» auf dem Brünig, wo die Schwinger in der Naturarena dicht umringt von 6000 Zuschauern kämpfen

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