25.07.2015 09:51
Quelle: schweizerbauer.ch - Jacqueline Graber
Luzern
«Das Unwetter hat uns geprägt»
Das Ehepaar Karin und Thomas Stadelmann hat das schlimme Unwetter vom Sommer 2014 stetig vor Augen. Denn wohin man auf der Alp Gärtlen schaut, die Spuren des tragischen Geschehnisses sind allgegenwärtig.

Noch immer sind die Spuren deutlich sichtbar. Geröll, Schutt und riesige Krater erinnern daran, mit welcher Kraft die Natur hier am 24. Juli 2014  gewirkt hat. Karin und Thomas Stadelmann haben hautnah miterlebt, als vor einem Jahr die Alp Gärtlen oberhalb Marbach von einem heftigen Unwetter heimgesucht wurde (der «Schweizer Bauer» berichtete). 

Zwei Kilometer Zaun

«Das Unwetter hat uns  geprägt», erklärt Thomas Stadelmann, der heuer zum achten Mal auf der Alp seiner Eltern hirtet. Und seine Frau Karin fügt hinzu: «Man ist sensibilisiert.» Als sich Anfang Juni dieses Jahres der Himmel  über der Gärtlen verdunkelte und es zu Gewitter und Hagel kam, sei es ihnen schon etwas mulmig geworden. Und zu Recht: Denn  auch dieses Naturereignis hat erneut Spuren hinterlassen. «Im Frühling haben wir an einigen Stellen Humus verteilt, und dieser wurde von der Wassermenge abgetragen.»

Doch die Verteilung von Humus war nicht das einzige, was es nach dem Jahrhundertunwetter 2014 zu tun gab. Über zwei Kilometer Zaun mussten repariert oder neu angelegt werden. «Die Krater zu umzäunen, gab viel Arbeit» sagt der 33-Jährige. Und damit die Bauern auch heuer wieder ihr Vieh auf die Gärtlen zur Sömmerung bringen konnten, hat der gelernte Landwirt und Schreiner tagelang zusammen mit einem Baggerführer die Weiden von Geröll und Schutt befreit. Teilweise wurde das Material für die Instandstellung  der Strasse verwendet, zudem wurden kleinere Krater mit dem Schutt ausplaniert. «Die grossen Abgründe von über 7 Metern überlassen wir der Natur», so der Landwirt.

Nur 73 statt 80 Rinder

Auch gibt es seit dem Unwetter auf den rund 64 ha Weidefläche viele raue Stellen, wo kein Gras wächst. Aus diesem Grund konnten nicht wie in den Jahren zuvor über 80, sondern nur 73 Rinder eingestallt werden.

Bis jetzt haben Stadelmanns vom Kantonalen Amt für Landwirtschaft und Wald erst eine Teilzahlung erhalten. Vieles müssen sie vorerst selber berappen. «Wir bekommen erst wieder Geld, wenn wir eine Endabrechnung vorlegen», erklärt Thomas Stadelmann. Ob ihnen dann sämtliche Auslagen zurückerstattet werden, sei offen. Aus diesem Grund hofft die junge Familie auf einen Beitrag der Glückskette oder eine Spende aus dem Topf der Sammelaktionen, die für die Nachbargemeinde durchgeführt wurden. Denn am 24. Juli 2014 wurde auch das Schangnau von einem  Unwetter heimgesucht. Die Wassermassen richteten ebenfalls dort immense Schäden an.

Geburt von Dario

Trotz allen Sorgen und Unklarheiten schaut die junge Familie positiv in die Zukunft. Denn im Mai kam ihr Söhnchen Dario zur Welt. Und ein grösseres Glück können sich Thomas und Karin Stadelmann nicht vorstellen.

Naturgewalten

Im Jahr 2014 kam es schweizweit immer wieder zu Hochwasser, Erdrutschen und Steinschlägen. Doch über 80 Prozent aller Unwetterschäden seien im verregneten Juli entstanden, schreibt die «Neue Zürcher Zeitung.» Gravierend war das Unwetter vom Donnerstag, 24. Juli, welches auf der Alp Gärtlen oberhalb Marbach LU wie auch in der Gemeinde Schangnau BE immense Schäden anrichtete. Vier Tage später, am 28. Juli gewitterte es heftig in der Gemeinde Sumiswald BE, Gebäude wurden verwüstet, Hänge gerieten ins Rutschen. Gleichentags trat in Altstätten SG, ebenfalls wegen Gewittern, der Stadtbach über die Ufer und überschwemmte Häuser.  jgr

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